Netzfunde Freitag, 23.03.2012

Beim Ärzteblatt kommen Kirchenvertreter zum Wort. Es geht um den Bluttest auf Trisomie-21und die negativen Folgen. Die Problematik ist ja keine Neue. Das gleiche Problem steht ja auch hinter der ganzen PID Geschichte: Das Kind als Produkt.

Carsten Neumann unterstellt der katholischen Kirche vorsätzliches Verletzen der Menschenrechte. Worum geht es? Eine Kindergärtnerin hat einen neuen Mann. In katholischen Kindergärten kann sowas schon einmal die Kündigung zur Folge haben. So auch hier. Allerdings hat in diesem Fall die Stadt Königswinter dies zum Anlaß genommen, der Kirche die Trägerschaft des Kindergartens zu entziehen. Wenn ich mich recht entsinne, ist das neu, und man darf gespannt sein, wie die Katholische Kirche in Zukunft agiert, wenn nun der Verlust der Trägerschaft zu befürchten ist. Aber zurück zu den Menschenrechten. Neumann bezieht sich auf den Fall des Essener Organisten, dessen Kündigung vom Europäischen Gerichtshof als Verstoß gegen die Menschenrechte gewertet hat. Allerdings steht in dem zum Beleg verlinkten SPON Artikel vom 23.9.2010 auch ein anderer Fall, in dem eine Kündigung aufgrund außerehelicher Beziehungen eben nicht als Menschenrechtsverletzung angesehen wird. Es stimmt also nicht, daß eine Kündigung wegen Ehebruch prinzipiell gegen die Menschenrechte verstößt. Irgendwie fühl ich mich hier an die Godwin Thematik erinnert. Unter „Menschenrechtsverstoß“ scheint Kirchenkritik nicht möglich zu sein, immer gleich die größte Keule, auch wenn sie unberechtigt gentzt wird. Die Kathollische Kirche hat sich immerhin schuldig gemacht, also braucht ja keiner kommen…

Update: Carsten Neumann hat seinen Artikel geupdatet. Meine Kritik wird damit quasi gegenstandslos. Der Text bleibt trotzdem stehen, wegen der Nachvollziehbarkeit.

Benjamin Lebsanft hat auf Abgeordnetenwatch eine Frage an Dr. Günter Krings gestellt. Es geht um die Kosten der Vorratsdatenspeicherung. Ich bin gespannt auf die Antwort, falls eine kommt.

Mechthild Werner hat sich mit Gauck, dem Präsidentenamt und den Sünden befasst. Außerdem geht es darum, ob wir nun in einer Pfarrerrepublik leben bzw wie es sich auswirkt, daß die Kanzlerin Pfarrerstochter ist und der Präsident selbst Pfarrer.

Mit Gauck befasst sich auch Jacob Jung. In seinem Artikel geht es um die verscheidenen Sozialsysteme, die es gibt.

Im Film Hellbound, auf den ich durch peregrinatio aufmerksam gemacht wurde, geht es um die Hölle und die damit verbundene Angstmacherei. Der Teaser Trailer macht echt nen guten Eindruck, deshalb sei er hier auch einmal eingebunden:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=mGfY_LyYYUg]

Hier hab ich noch ein Interview zum Film gefunden:
[vimeo 35974795]

Auf dem youtube Kanal zum Film gibt es noch ein paar Videos.

Andreas Meißner befasst sich mit einem recht frühen „Blogger“: Habakuk.

Thomas Steinschneid hat was geschrieben zu den kulturellen Unterschieden beim Autofahren. Es sieht danach aus, daß bald eine Fortsetzung kommt zm Thema U-Bahn.

Ein interessanter Blog, den ich entdeckt habe, ist Erhard Eutebachs Kinderlesen Blog. Bald ist Ostern, und wer noch Geschenke für Kinder sucht, könnte dort vielleicht fündig werden.

Ein weiterer interessanter Blog ist Muslim Essay. Er stellt den Anspruch, muslimische Stimmen zu Gesellschaft und Zeitgeschehen zu Gehör zu bringen. Bei einem ersten Überfliegen habe ich den Eindruck bekommen, daß es sich vorwiegend (oder nur?) um schiitische Autoren handelt. Wie auch immer, der erste Schritt zur Integration ist es, einander zuzuhören, und da kann der Blog ein Medium sein.

Auf evangelisch.de las ich von der Problematik, daß der islamische Religionsunterricht, der jetzt in verschiedenen Ländern startet, nicht von den Religionsgemeinschaften, sondern vom Staat verantwortet werden. Ich halte das wirklich für ein Problem. Was islamisch ist, kann letztendlich nur eine islamische Religionsgemeinschaft festlegen, und nicht ein weltanschalich neutraler Staat. Hoffentlich kommt es bald dazu, daß solche Religionsgemeinschaften gegründet werden, die dann den Religionsunterricht verantworten können. Ansonsten dürfte es über kurz oder lang mau aussehen mit der Akzeptanz.

Da wir es gerade vom Islam haben, noch ein Hinweis auf einen Artikel von Uri Avnery. Er befasst sich mit der „jüdischen Seele“ eines arabischen Richters, bzw. deren Nichtvorhandensein, und die Folgen für die israelische Nationalhymne.

Und jetzt noch den Bogen zur eigenen Religion zurückschlagen: Bei Brot für die Welt gibt es einen Fürbittenvorschlag für den Weltwassertag am Sonntag.

Das war es für heute. Mehr beim nächsten Mal.

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7 Kommentare zu Netzfunde Freitag, 23.03.2012

  1. CNE sagt:

    Hallo und vielen Dank für die Kritik an meinem Blogeintrag.

    Nur bin ich der Meinung, dass die Kritik in einem Punkt unfär ist, wo gesagt wird dass der Ehebruch nicht generell eine Menschenrechtsverletzung ist.
    In dem Artikel auf Spon wird gesagt Zitat:
    „In einem zweiten Fall billigten die Richter eine Kündigung wegen außerehelicher Beziehungen: Die Entlassung des Mormonen sei kein Verstoß gegen die Menschenrechter, weil er als Chef der Öffentlichkeitsarbeit die Glaubensgemeinschaft in herausragender Position nach außen vertreten habe. Die Arbeitsgerichte hätten zudem alle wesentlichen Gesichtspunkte berücksichtigt.“

    Da die Kindergärtnerin nicht in der Öffentlichkeitsarbeit für die katholische Kirche tätig war, spricht dies eher dafür, dass es als eine Menschenrechtsverletzung zu werten wäre.

    Eventuell wurde bei der Kritik oben im Blogeintrag nicht neutral genug geurteilt?

  2. Pingback: Katholische Kirche verletzt vorsätzlich die Menschenrechte - Carsten Neumann

  3. Wer ist schon neutral? Aber reden kann man drüber! Was mich gestört hat, war die Absolutheit der Äußerung, daß die Kündigung aufgrund der Scheidung/neen Beziehung/Ehebruch gegen Menschenrechte verstoßen würde.
    Ich bin ja auch der Meinung, daß es ein Fehler ist, wenn die Katholische Kirche hier so krass ist (wobei ich es andererseits auch verstehen kann – wenn ich mich in die Innenperspektive versetze).
    Ich bin auch kein Richter, ob jetzt die Kindergärtnerin dem Öffentlichkeitsarbeiter oder dem Organisten näher steht, kann ich aus juristischer Sicht nicht sagen. Sie scheint für mich jedenfalls dazwischen zu stehen. Ihr Wirken und ihre Ansichten kommen stärker in den öffentlichen Ram, als dies bei einem Organisten der Fall ist, und wenn die Katholische Kirche der Meinung ist, dies werfe ein schlechtes Licht auf sie, ist es prinzipiell nachvollziehbar, daß sie sich von ihr trennen will.
    Die Reaktion der Stadt ist da aber auch nur folgerichtig und gut, meiner Meinung nach. Wenn die Katholische Kirche sich so verhält, daß es zm Streit kommt, dann kriegt sie eben die Trägerschaft entzogen. (freilich wird die Kirche ihrerseits nun kein Geld mehr für den Kindergarten aufbringen, insofern ist die Entscheidung der Stadt mutig)
    Mir ging es aber weniger um die Frage nach Recht und nrecht hier, sondern um die Frage, ob es denn gleich die Menschenrechte sein müssen. Es gibt auch Unrecht, daß kein Verstoß gegen die Menschenrechte darstellt, und das trotzdem Unrecht ist. Zu oft die Menschenrechte zu bringen sorgt für eine Art Inflation, der Begriff wird abgegriffen, trifft in der Folge nicht mehr so sehr. Das steht eigentlich hinter meiner (wohl auch etwas überzeichneten) Kritik. Daneben spielt wohl auch eine Rolle, daß mich die häufig sehr platte „Kritik“ an der (römischen) Kirche im Netz nervt. Ich bin selbst kein Katholik, also könnte es mir egal sein, ist es aber komischer Weise nicht.
    Ich sehe, daß Sie/Du (?) den Artikel geupdatet haben, was mir zeigt: Das ist hier nicht die übliche platte Kritik, das ist durchdachter. Vielen Dank dafür. Einer Meinung müssen wir nicht sein, aber wenn wir die Kritikpunkte des jeweils anderen verstehen, ist das ja schon was.

  4. CNE sagt:

    Ich denke unter Blogger ist das „du“ üblich 🙂

    Meine Intension bei dem Artikel war es darzustellen, dass der Vatikan einerseits die Einhaltung der Menschenrechte fordert, sich dann aber selbst nicht immer daran hält. Einerseits finde es auch schlimm, wenn der Papst oder Politiker den Begriff „Menschenrechte“ inflationär verwenden, besonders wenn westliche Politiker in China Menschenrechte fordern, gleichzeitig aber bei Guantanamo oder CIA-Folter alle Augen zudrücken. Auf der anderen Seite will ich ein besseres öffentliche Bewusstsein für Menschenrechte schaffen. Der Durchschnittsmensch weiß nicht so richtig was die Menschenrechte sind und wie man sie anwenden muss. Insofern habe ich mich geärgert, dass bei der Geschichte mit dem Kindergarten auf die mögliche Verletzung der Menschenrechte nicht eingegangen wurde. Ich denke wenn man für eine bessere Bildung im Bereich Menschenrechte sorgen würde, würden die Menschen besser auf diese Rechte achten und die Politiker und der Papst könnten nicht mehr so inflationär darüber reden, weil jeder dann ihre inhaltslosen Reden durchschauen würde.

  5. Ich denke, da kommen wir zusammen. Wobei ich anmerken muß: Was in Königswinter geschieht ist erst mal Sache des dortig zuständigen Bischofs (dürfte Erzbistum Köln sein, denke ich, also Meisner). So detailiert kann der Papst glaub ich gar nicht in die Bistümer reinregieren. Aber natürlich haste Recht: Groß von Menschenrechten reden und dann selbst nicht dran halten geht nicht. Allerdings bin ich immer noch nicht überzeugt, daß im vorliegenden Fall mit der Kindergärtnerin die Menschenrechte tangiert werden. In der Tat halte ich die Entscheidung des EGH damals auch für eine Fehlentscheidung, aber ich bin kein Richter und jristischer Laie, also ist mein Urteil hier irrelevant. Mir liegt nur daran, daß eine Religionsgemeinschaft ihre Dinge selbst regeln kann, und sie nicht vorgeschrieben kriegt, wer bei ihr die Arbeit machen soll. Es geht da eben nach meinem Verständnis nicht um Erwerbsarbeit. Beim Pfarrer nicht, bei der Kindergärtnerin nicht, und auch beim Organisten nicht. Aber diese Ansicht ist heute nicht mehr mehrheitsfähig, dessen bin ich mir wohl bewußt.

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