Burkaverbot – offener Brief

Ich bin heute über einen Kommentar in meinem Artikel zum Gebetsverbot in Berlin auf den Blog Alien in Europe aufmerksam geworden. Der Blog wird von einer Muslima betrieben und scheint mir nach erstem Lesen einen ausgewogenen Blick auf die Gesellschaft aus muslimischer Sicht zu geben. Was mir oft begegnete, nämlich undifferenzierte Blogs à la Islam gut – alle anderen böse, ist hier gerade nicht, eine schöne Abwechslung (wahrscheinlich hab ich immer an den falschen Stellen gesucht).

In besagtem Blog ist ein offener Brief veröffentlicht zum Burkaverbot in Belgien (und ähnlichen Plänen in ganz Europa), mit der Bitte, den Brief weiter zu verbreiten. Das will ich hiermit tun. Ich bin zwar weiß Gott kein Muslim, und sehe auch nicht, daß ich je einer werde, aber ich bin überzeugter Anhänger unserer freiheitlichen Grundordnung in Deutschland (die Freiheit ist mir im Zweifel wichtiger als die Demokratie, wie ich schon mal schrieb). Und diese freiheitliche Grundordnung gerät in Gefahr, ja wird in Frage gestellt, wenn Menschen aufgrund ihrer Kleidung, seien es Burkas, Kopftücher oder Schottenröcke diskriminiert werden. Wenn sie allein aufgrund ihrer Religion marginalisiert werden, wenn sie, aus Angst vor möglichen Konflikten nicht mehr beten dürfen (hat was von: die Frau ist selbst schuld, daß sie vergewaltigt wurde, hätt sie sich nicht so angezogen -> der Muslim ist selbst schuld, daß er nicht beten darf, wenn er so provokativ sein Recht einfordert), dann stimmt etwas nicht.

Es kann nicht sein, daß man den Muslimen (mit Recht) Toleranz für Mohammedkarikaturen abverlangt, auf der anderen Seite aber keinerlei Toleranz für die Muslime aufbringt, wenn deren Glaube an der Kleidung zu erkennen ist.

Deshalb nun hier der offene Brief im Wortlaut, auch wenn mein Blog wahrscheinlich von keiner Adressatin überhaupt gelesen wird:

Assalamu alaikum wa rahmatullah

Liebe Geschwister im Islam,

seit dem unseligen Volksentscheid gegen Minarettbau in der Schweiz sehen zu viele Menschen in Europa anscheinend die Zeit gekommen, um ernsthaft gegen den Islam vorzugehen. Es wurde seit Jahren immer wieder hier und da mit rechtlichen und verwaltungstechnischen Maßnahmen versucht, das Muslimsein so ungemütlich wie möglich zu machen. Ganz üble Auswüchse waren das Kopftuchverbot für Lehrerinnen in Deutschland, für Schülerinnen in Frankreich und einzelne Sondergesetze in italienischen und schweizer Bezirken – ich will nicht alles aufzählen, wer sich informiert, kennt sie alle.

Nun hat man sich auf die Schwestern eingeschossen, die der Auslegung folgen, dass auch das Gesicht zu bedecken besser bzw. Pflicht sei. In Belgien ist das erste Anti-Burka-Gesetz beschlossen, in Frankreich auf dem Weg, Italien denke ich, wird folgen, wenn nicht landesweit, dann weiter in einzelnen Provinzen. Dänemark macht bestimmt gerne mit. In Deutschland wird man, meiner Erfahrung nach, davor zurückschrecken, statt dessen mit Einzelverboten vorgehen – durch andere Gesetze, insbesondere im Bereich der Arbeitsverwaltung. Es wird wieder viele Schwestern vor schwere Gewissensentscheidungen stellen, noch mehr als bisher.

Und, was tun wir? Sagen wir, ach, nein, ist ja doch keine Pflicht, warum sollen wir uns da stark machen? Oder sagen wir, halt, nein, unsere Schwestern folgen einer Auslegung, die nicht falsch ist, und es ist ihr gutes Recht. Es ist auch ihr gutes Recht, zu verlangen, dass wir uns dagegen aussprechen, dass hier Sondergesetze gemacht werden, die den europäischen Rechtssystemen im Grunde widersprechen. Also, Solidarität mit den Schwestern, energischer Protest!

Höre ich das? Nein, zumindest noch nicht.

Und daher schreibe ich diesen Brief. Denn, bedenkt bitte: heute sind es „nur“ die Niqabis. Morgen? Gesetze, die vorschreiben, dass die Mädchen erst mit 18 Kopftuch tragen dürfen? Dass man Kinder nicht mehr arabisch und Quranlesen, oder gar Beten lehren darf? Genaue Kontrollen aller Moscheen, damit dort keinerlei Kurse mehr stattfinden? Zulassungsbeschränkungen für Imame? Es gibt da eine Menge denkbarer Möglichkeiten, die eine Gefahr für alle in Europa lebenden Muslime wären, insbesondere für die Möglichkeit, auch die Kinder als Muslime zu erziehen. Dort sind wir am Verletzlichsten, wenn man nämlich unsere Kinder noch mehr als bisher unserem Din entfremdet.

Sagt jetzt nicht, ach, soweit wird es nicht kommen. Seht euch an, was schon alles geht, wie oft Gesetze extra geändert wurden, weil die bestehenden zugunsten der Muslime hätten ausgelegt werden müssen. Selbst das Grundgesetz hat man ergänzt in der Hoffnung, das Schächten verbieten zu können. Daher sage ich euch, wenn wir uns nicht wehren, nicht deutlich machen, dass unser Islam nicht verhandelbar ist, WIRD es soweit kommen. Und weiter.

Vor Allah sind wir dafür verantwortlich, was mit unseren Kindern, unserer Ummah geschieht. Daher sollten wir alle das tun, was wir können. Schreibt Leserbriefe, sprecht das Thema in den Moscheen an, bei den Verbänden. Meine große Bitte an alle Verbandsvertreter: macht bei den Innenministern klar, so nicht. Unterstützt die Verbände in Belgien, Frankreich, der Schweiz. Duckt euch nicht. Vertraut auf Allah – der uns helfen wird, wenn wir standhaft sind.

Denkt an unsere Kinder!

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13 Kommentare zu Burkaverbot – offener Brief

  1. satyamandira sagt:

    Nun mag ich Burkas wirklich nicht, frage mich aber was ein Verbot dieser soll. Und das dann noch im Sinne der Frauenbefreiung? Was werden diese Frauen machen? Sie werden dann nicht mehr auf die Straße gehen können. Und das nennt man dann sich für Frauen einsetzen?
    Eine ähnlich absurde Begründung wie das man Afghanistan bombardiert um die Frauen zu befreien – „aus den Burkas bomben“ (zu Afghanistan siehe Malalai Joyas Buch: „Ich erhebe meine Stimme. Eine Frau kämft gegen den Krieg in Afghanistan“ sowie ihre Webseite: http://www.malalaijoya.com), aber hier hat unser Bundespräsident ja wenigstens mal ein bischen wahres erzählt …

  2. bundesbedenkentraeger bundesbedenkentraeger sagt:

    Bei Afghanistan frage ich mich einfach, wie die Alternative aussehen soll zum westlichen Engagement dort. Rückkehr der Taliban mit öffentlichen Steinigungen, Verbot der Musik, Bartpflicht für Männer…?
    Bei all dem, was in Afghanistan zur Zeit schief läuft denke ich doch, daß es einen Grund gab, warum verschiedene Menschenrechts-Gruppen schon vor 9/11 einen Einsatz westlicher Truppen gefordert hatten.

  3. satyamandira sagt:

    Warum sind unsere Truppen blos nicht in Saudi-Arabien? Warum nicht in Indien? warum nicht in Thailan? …?
    Warum wird die Regierung von Karzai und die schlimmsten Warlords unterstützt?

    Frauenstimmen aus Afghanistan:

    GRITtv: Zoya: A Voice from Afghanistan (1/2)
    http://www.youtube.com/watch?v=fiyfOtDwHN0

    GRITtv: Malalai Joya: Raise Your Voice (1/2)
    http://www.youtube.com/watch?v=9La2DIFD2m0

    Buch Malalai Joya: „Ich erhebe meine Stimme. Eine Frau kämft gegen den Krieg in Afghanistan“
    ihre Webseite: http://www.malalaijoya.com

  4. bundesbedenkentraeger bundesbedenkentraeger sagt:

    Danke für die Links.
    Meine Frage ist weniger, Bundeswehr raus aus Afghanistan oder nicht. Meine Frage ist: Was wäre das beste für Afghanistan und wie kann man das erreichen?
    Wenn per internationaler Truppenpräsenz, dann bin ich dafür, daß auch Deutschland seinen Beitrag leistet und hilft. Wenn die Trppenpräsenz mehr kaputt macht als hilft, dann bin ich der Meinung, sollte man sie abziehen.
    Was ich noch nicht sehe ist, wie dort ohne internationale Truppen nicht ein Rückfall in die Taliban-Steinzeit stattfinden soll. Dieser Zustand scheint mir noch schlimmer als das Chaos jetzt zu sein, wo es wenigstens an einigen Orten Schulen gibt und Frau Joya eine eigene Homepage betreiben kann. Ich möchte, daß das so bleibt, und wenn ich einen Weg sehe, wie dies ohne Bundeswehr, ohne US Army oder sonstige Soldaten geschehen kann, fände ich das wunderbar. Ich sehe es aber nicht. Unabhängig davon, was ich von Karzai halte (er macht jedenfalls keinen gten Eindruck auf mich).

  5. satyamandira sagt:

    Hallo Bundesbedenkenträger,
    ich bekomme starke Bedenken bzgl. deines Informationsstandes.
    Anscheinend glaubst du an die heeren Ziele der Nato.

    Wenn du das Buch von Malalai Joya lesen oder Interviews mit anschauen bzw. lesen würdest oder auch das Interview mit Zoya (von RAWA), könnte dein Glauben evtl. ins Wanken geraten.
    Im übrigen kann sie in Afghanistan nur mit Burka und Bodyguards unterwegs sein und ist sie bisher mind. 5 Mordanschlägen auf sie entgegangen, wurde sie illegal aus dem Parlament suspendiert, … .
    Sie sagt ganz klar aus, dass es nun 2 Feinde des afghanischen Volkes gibt: die Taliban und die US-Truppen und ihre Verbündeten (wozu ja auch die Bundeswehr gehört).
    „Die westlichen Medien sprechen von Demokratie und der Befreiung Afghanistans, stattdessen sind die USA und ihre Verbündeten damit beschäftigt, unser verwundetes Land in ein Land der Kriegsherren, der Verbrecher und der Drogenbarone zu verwandeln.“

    Khazan Gul Tani:
    „Wir sind in einem Weltkrieg – Afghanistan ist nur einer der Schauplätze.
    Die Amerikaner schaden der Demokratie in der ganzen Welt. Wir wollen keine aufgezwungene Demokratie mit Waffengewalt. Im Namen der Demokratie werden Verbrechen begangen. Demokratie bedeutet nicht, Türen eintreten, Bomben werfen und Zivilisten töten. Doch nichts anderes erleben wir. Wir leben in der ständigen Angst, dass amerikanische Soldaten unsere Türen eintreten, ihre Hunde in unsere Häuser schicken, rücksichtslos vorgehen und willkürlich Leute mitnehmen und foltern. Jeden Tag seit September 2001 werden 50 bis 60 Afghanen getötet.“
    http://www.dfg-vk-bonn-rhein-sieg.de/index.php?option=com_content&view=article&id=345:khazan-gul-tani-berichtet-aktuell-und-unzensiert-aus-afghanistan&catid=51:meinungen&Itemid=72

    siehe ihn auch hier bei der Phönixrunde vom 01.04.2009
    http://www.youtube.com/watch?v=kQWv-Cyt0FQ

    Kennst du solche http://www.globalresearch.ca/index.php?context=viewArticle&code=BUL20060122&articleId=1777 Bilder? Auch in Afghanistan wird Depleted Uranium eingesetzt.

    Kennst du das von Wikileaks veröffentlichte Video (http://collateralmurder.org/)? In Afghanistan wird es sicherlich auch nicht viel anders aussehen.

    Kennst du das Buch von Zbigniew Brzezinski: „The Grand Chessboard“? Bitte auf englisch lesen, die deutsche Übersetzung (mit einem Vorwort von H.D. Genscher) ist weichgespült. Er schreibt erstaunlich offen über die geopolitischen Ziele der USA. Die Welt als großes Schachbrett … Im übrigen rühmt sich Brzezinski den „Sowjets ihr Vietnam“ mit Afghanistan bereitet zu haben. Das damalige Eingreifen der USA hat letzlich zu der Talibanregierung geführt.

    In der Nato-Doktrin von 1999 ist explezit die Ressourcensicherung als ihre Aufgabe erwähnt.

    Wußtest du dass es nach dem 2. Weltkrieg in allen Westeuropäischen Staaten Geheimarmeen der Nato gab? Sie wurden für den Fall gegründet, dass „der Russe rübermacht“, blieben aber auch ohne dessen Eintreffen nicht untätig. So gingen einige Anschläge in Italien auf das Konto der dortigen Organisan Gladio und wurden dann den Kommunisten in die Schuhe geschoben. Man wollte um jeden Preis verhindern, dass Italien eine kommunistische Regierung bekäme. Dr. Daniele Ganser (Lehrbeauftragter and der Uni Basel) hat darüber seine Doktorarbeit geschrieben. Hier ein Vortrag zu der Geschichte der Nato und ihren Geheimarmeeen in Westeuropa: http://www.danieleganser.ch/Vortrag_als_Video.html

  6. bundesbedenkentraeger bundesbedenkentraeger sagt:

    Einiges kannte ich schon, anderes konnte ich mir denken. Aber meine Frage bleibt: Was tun?

    Daß Scheiße gebaut wird ist klar, die Frage ist: Wie minimiert man das, möglichst auf 0?

    Eine Sache wäre, die Uranmunition zu verbieten. Gut. Die andere, die Sicherung der Ressourcen zu überdenken (wobei dann die Frage wäre, ob es besser ist wenn China die Ressourcen kontrolliert, aber das ist ne ganz neue Diskussion).

    Was soll getan werden? Bundeswehr raus aus Afghanisten. Und dann? Taliban zurück, Warlords weg? Würde das die Situation der Afghanen verbessern? Ich habe meine Zweifel, ob eine erneute Talibanregierung das Beste wäre.
    Daß die Demokratie nach westlichem Muster nicht zu machen ist, ist mir klar (war es mir auch relativ schnell).
    Es muß ein System her, das zu Afghanistan paßt und von den Leuten dort angenommen wird. Ein System, das dafür sorgen kann, daß das Land sich entwickelt (und nicht nur die Konten der Politiker).
    Ist so ein System einfacher zu schaffen mit oder ohne Militärpräsenz vor Ort? Nehmen wir mal die Aussage von Tani, daß Afghanisten Schauplatz eines Krieges ist. Ist es besser, wenn Afghanistan Kriegsschauplatz bleibt und alle Beteiligten ihre Waffen dorthin liefern und die Afghanen als Söldner für ihre Sache anstellen, was dem Land weitere Kriegsjahre bringt (inklusive Uranmunition)?
    Ist es gut für Afghanistan, wenn dort wieder Ausbildungscamps für Terroristen entstehen, und die Bevölkerung weiterhin damit rechnen muß, daß der ein oder andere Staat Afghanistan bombardiert nach einem Anschlag?
    Sieh Dir Israel und Gaza an. Israel hat sich aus Gaza zurückgezogen. Geht es den Menschen dort gut? Würde es ihnen gut gehen, wenn die Blockade aufhört? So lange von dort aus Menschen operieren, die Israel mit Raketen beschießen, wird Israel zurückfeuern, und es wird den Menschen dort nicht gut gehen (mir geht es hier gar nicht um die moralische Bewertung wer jetzt die größere Schuld hat).

    Kurz: Utopien sind schön, Gedanken, wie die Welt sein müßte. Nur so ist sie nicht. Es funktioniert nicht wenn man sagt: Jetzt hör Du auf, und dann hör Du auf, und jetzt vertragt Euch. Das werden die nicht tun.
    Man muß sehen, wohin man will, dann muß man sehen, wie man dahin kommt, und dann muß man die Möglichkeiten einsetzen, die man hat.
    Ich stimme mit Dir überein, daß hier einiges im Argen liegt und der Westen noch einiges Gutes für Afghanistan tun könnte. Dann muß man sich überlegen was das sein soll und es einfordern. Wenn es der Truppenrückzug ist, okay. Aber wenn ich durch ein Verbot de Uranmunition das Problem in den Griff kriegen kann, und wenn ich durch ein anständigeres Vorgehen der Militärs bei Hausdurchsuchungen etc etwas verbessern kann, ohne gleich den Taliban das Feld zu überlassen, warum nicht?
    Ich glaube zwar an keine hehren Ziele der Nato, aber ich glaube an die hehren Ziele der dahinter stehenden Völker, Und wir als Volk haben die Pflicht, unsere Regierung dahin zu bringen, diese hehren Ziele umzusetzen. Deshalb sind wir, das Volk, der Souverän im Staat, und nicht die Regierung. Und wo sie uns das streitig macht, müssen wir uns unser Recht zurück erkämpfen, vor Gericht und in der öffentlichen Diskussion, denn die Politiker wollen gewählt werden und knicken ganz schnell gegen die öffentliche Meinung ein, wenn sie denn erst mal artikuliert ist.

  7. satyamandira sagt:

    „Und wir als Volk haben die Pflicht, unsere Regierung dahin zu bringen, diese hehren Ziele umzusetzen. Deshalb sind wir, das Volk, der Souverän im Staat, und nicht die Regierung. Und wo sie uns das streitig macht, müssen wir uns unser Recht zurück erkämpfen, vor Gericht und in der öffentlichen Diskussion, denn die Politiker wollen gewählt werden und knicken ganz schnell gegen die öffentliche Meinung ein, wenn sie denn erst mal artikuliert ist.“

    Zur Rolle der Bundeswehr und zu unserem Rechtsstaat siehe hier:
    http://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2009/07/zukunft_13.pdf

    Die Mehrheit der Deutschen ist gegen den Krieg in Afghanistan, aber das beunruhigt unsere Regierung nur insofern, dass sie sich bemüht ihn uns schmackhaft zu machen.

    Die Antwort kann nur heißen: raus, raus, raus.
    Die Situation für die Afghanen ist heute schlimmer denn je. Es gibt keinerlei Rechtfertigung für diesen Krieg (die genannten Attentäter bzgl. 9/11 stammen aus Saudi-Arabien, also müssten wir der Logik nach dort bombardieren). Solange die Nato in Afghanistan ist wird es keinen Frieden geben. Die Afghanen wehren sich seit langem massiv gegen die Besatzung ihres Landes. Das war bei den Sowjets so und ist jetzt auch nicht anders. Afghanistan könnte ein blühendes Land sein, würden sich nicht ständig andere einmischen, was bereits mit den Briten begann.
    Die Afghanen wollen die US-Truppen und ihre Verbündeten nicht!

    Wenn du schon nicht an die heeren Ziele der Nato glaubst, wieso meinst du dann, dass sie dort heere Ziele verfolgen würden?

    Was würdest du denn zu Malalai Joya sagen wenn sie uns bittet uns dafür einzusetzen, dass unsere Regierungen den Krieg beenden? Nein, das geht nicht wir wissen besser was gut für euch ist?

    Zu dem wer wirklich regiert hat „Oberst Sanftleben“ sehr wahre Worte gesprochen. Ab etwa der 35. Minute.
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/508#/beitrag/video/1041186/Neues-aus-der-Anstalt—Folge-35

    Hab leider keine Zeit ausführlicher auf die Thematiken einzugehen. Nochmal der Tip lese Malalai Joyas Buch.

    p.s.: zu Palestina/Israel kann es nur heißen keine weiteren Waffenlieferungen an Israel. Diese sind nach unserem Recht illegal (kein Export in Kriesenregionen). …
    Inzwischen scheint Israel Narrenfreiheit zu haben, wenn es sich schon traut zivile Schiffe auf internationalen Gewässern anzugreifen.
    Nach dem Völkerrecht haben die Palestinenser das Recht sich mit allen Mitteln gegen ihre Besatzer zu wehren.
    Kennst du den Film „Die eiserne Mauer?“
    Vorschau deutsch: http://www.youtube.com/watch?v=_cO1ULT9hyA
    ganz: http://www.youtube.com/watch?v=LSPatKNo-3Q

    Hier kannst du junge israelische Kriegsdienstverweigerer unterstützen:
    http://december18th.org/

  8. bundesbedenkentraeger bundesbedenkentraeger sagt:

    Danke für den Link zu den Shministim.

    Ich stimme 100% mit Dir überein, was die Waffenlieferungen an Israel angeht. Ich bin ja schon skeptisch bei Waffenlieferngen an die Türkei, obwohl sich die Lage in Kurdistan scheinbar beruhigt hat in den letzten Jahren…

    Das mit dem Angriff der Schiffe in internationalen Gewässern ist so ne Sache. Wenn Du meine Artikel liest, wirst Du merken, daß ich sicher nicht pro Israel eingestellt bin (auch nicht pro Palästina, ich versuche da unabhängig zu bleiben).

    Nur: Wenn am Horn von Afrika die Piraterie bekämpft wird, oder nordkoreanische Schiffe mit Trägerraketen für antiwestliche Regierungen, dann hab ich damit weniger Probleme (bei der Piraterie müßte man nochmal genau hinsehen). Ich hab kein Interesse daran, daß ein Herr Achmadinedschad die Möglichkeit erhält, Raketen nach Deutschland abzufeuern, weil ich ihm nicht trauen kann und nicht weiß, was er so alles ausheckt. Daher denke ich, es liegt in unserem Interesse, das zu unterbinden.

    Ähnlich kann Israel argumentieren. Die sagen ja, da wären Waffen an Board gewesen. Das kann ich glauben oder nicht (ich neige dazu, den Israelis nicht zu glauben, aber das tut nichts zur Sache). Man hätte den Israelis ja sagen können: Kommt an Board und zeigt uns die angeblichen Waffen, wir haben nen Livestreams dann sieht’s die ganze Welt, wie böse wir sind, wenn wir Waffen haben. Damit wären die Israelis bloßgestellt gewesen, das Waffenschmuggelargument (und wer weiß schon genau von den Menschen hierzuland, ob da nicht doch Waffen mit dabei waren, man muß bedenken, daß viele Leute aus Unkenntnis der Lage die Israelis noch viel positiver sieht, als man denkt).

    Die Palästinenser mögen völkerrechtlich das Recht haben, sich zu wehren, aber ich meine mal gehört zu haben, daß das Völkerrecht auch sagt, man soll die zivilen Opfer begrenzen. Das geht aber mit Kassam-Raketen nicht, weil die irgendwo runterkommen, ob in einem Waffenlager oder einem Kindergarten bleibt dem Zufall überlassen. Sowas wird im Allgemeinen, so nehme ich es jedenfalls wahr, als unverantwortlich gehalten. Und deshalb haben die Palästinenser so wenig Unterstützung im Westen. Die Israelis mögen auch unverantwortlich handeln, nur können sie es eben durch die Propaganda besser kaschieren, und Palästinenser sowie Friedensaktivisten liefern dafür immer wieder die nötigen Argumente. Da hilft dann auch nichts, wenn man das Völkerrecht auf seiner Seite hat. Wenn nach dem Völkerrecht ein Krieg herrscht, dann ist das die Sache der Kriegsparteien, kein außerhalb Stehender muß da Partei ergreifen. Und mir fällt es schwer, für die Palästinenser Partei zu ergreifen, so lange Gewalt für sie eine Option ist. Genauso fällt es mir schwer, für Israel Partei zu ergreifen, so lange sie mit Gewalt, Sicherheitsinteressen und dergleichen operieren.
    Mir geht es regelmäßig so: Ich rege mich auf, wenn da unten was passiert, nd zwar über beide Seiten gleichermaßen, dann hab ich die ein oder andere Diksssion online, werd von beiden Seiten angegriffen, weil ich beide Seiten kritisiere, und irgendwann bin ich dann so frustriert, daß ich denke: Macht Ihr das mal unter Euch aus, wenn es Euch darum geht Recht zu haben und den Konflikt zu gewinnen, statt Recht zu geben und den Frieden zu gewinnen. Bin mal gespannt wie lange es diesmal dauert…

    Aber eigentlich war das Thema Afghanistan: Was Frau Joya sagt ist sicher interessant und hat sicher seine Gründe (ich hab zur Zeit wenig Freizeit, das Buch zu lesen), ich lese dann aber auch sowas:

    http://www.gallup.com/poll/123335/Nearly-Half-Afghans-Think-Troops-Help.aspx

    Und da kann ich dann nicht so einfach in ein schwarz-weiß Denken verfallen. Wenn Frau Joya uns bittet, uns dafür einzusetzen, den Krieg zu beenden, dann würd ich sie fragen, für wie viele Prozent der Afghanen sie sprechen kann. Es mag alles sehr emotional sein, wenn man da direkt von Leidtragenden angesprochen wird, aber sie sind ja dann doch nicht die einzigen Menschen. Was würdest Du sagen, wenn Dich ein Israeli aus Sderot ansprechen würde, Dich dafür einzusetzen, daß die Hamas keine Raketen mehr abfeuert? Würdest Du ihn auf die schreckliche Situation der Palästinenser hinweisen und die Hamas verteidigen, die ja völkerrechtlich das Recht hat, sich zu verteidigen, oder würdest Du sagen: Ja, ich setz mich für Dich ein?

    Die Welt ist nicht so schwarz-weiß, wie Bush sie gemalt hat. Und man macht es auch nicht besser, wenn man das Bild einfach invertiert, es stimmt immer noch nicht.

  9. satyamandira sagt:

    die Welt ist nicht nur schwarz/weiß, aber auch so rosig …

    Wir bekommen viele Märchen erzählt …. so z.B. zum Iran (siehe http://www.hintergrund.de/20100505872/globales/kriege/kennen-sie-das-iran-quiz.html). Ich bin nun wirklich kein Anhänger des dortigen Regimes, aber es wird nicht nur von den „Stop the Bomb“ Leuten unglaublich viel Schwachsinn erzählt.

    Nicht jede NGO ist eine echte Graswurzelorganisation, es gibt viel Kunstrasen!

    Sehr empfehlenswert hierzu:
    Dr. Sabine Schiffer: „Kriegspropaganda im modernen Medienzeitalter“:
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15223

    Die Gewaltfrage ist eine schwierige. Einerseits scheint es manchmal keine andere Möglichkeit zu geben um sich zu wehren, andererseits halte ich es mit Gustav Landauer, dass das Ziel in den Mitteln erkennbar sein muss.
    Arundhati Roy stellt sich auch diese Frage: http://www.youtube.com/watch?v=Z2Ok6apsHlg

    Ich kann keinem Palästinenser einen Vorwurf machen, wenn er die Waffe in die Hand nimmt um sich zu verteidigen. Ob es klug ist, ist eine andere Frage.
    Ich kann keinem Inder einen Vorwurf machen sich den Naxaliten anzuschliessen, … und ich kann auch keinem Afghanen einen Vorwurf machen, wenn er sich gegen US- und Natotruppen verteidigt.

    In Deutschland soll nun der Trauerkult um die gefallenen Soldaten etabliert werden. Sicherlich es sind Menschen, die sinnlos gestorben sind und das ist zu bedauern. Nur, wo werden all die Afghanen betrauert, die gestorben sind? Es zählt wohl anscheinend mehr, wenn man es sich freiwillig aussucht in den Krieg zu ziehen … .

  10. satyamandira sagt:

    „Gerade im Zeitalter der Globalisierung ist die deutsche Wirtschaft mehr als zuvor auf den freien Zugang zu den Märkten und Rohstoffen der Welt angewiesen. Die Bundeswehr kann als Teil der staatlichen Sicherheitsvorsorge im Rahmen internationaler Einsätze zur Sicherung der Handelswege und Rohstoffzugänge beitragen.“
    aus: Beschluss des 20. Parteitages der CDU Deutschlands „Deutschlands Verantwortung und Interessen in Europa und der Welt wahrnehmen.“

    Warum wurde Köhler dann so zerrissen?

  11. Ohne das jetzt weiter bewerten zu wollen, was von beiden schlimmer ist. Aber Köhler sprach von deutschen Interessen, der CDU Beschluß von internationalen Einsätzen (->UNO Beschluß?), außerdem repräsentierte Köhler als Präsident alle Deutschen, deren viele pazifistisch eingestellt sind, wärend das CDU Papier lediglich die Partei repräsentiert.
    Keine aber feine UNterschiede. Wie gesagt, das soll jetzt nicht als Zustimmung zur CDU mißverstanden werden.

  12. bundesbedenkentraeger bundesbedenkentraeger sagt:

    Natürlich kriegt man viele Märchen erzählt, davon geh ich aus. Aber eben von beiden Seiten, und ich glaube auch bei der ganzen Iran-Geschichte nicht alles, was man so sagt. Trotzdem traue ich Achmadinedschad nicht. Der ist mir unsympathisch, so wie Bush.
    Bei der Gewaltfrage bin ich auch zwiegespalten. Wären die Amis im 2. WK nicht nach Europa gekommen, sähe es hier anders aus. Die DDR auf der anderen Seite wurde ohne Gewalt vom eigenen Volk befreit.
    Ich kann auch jeden Israeli verstehen und jeden Palästinenser, der sieht wie seine Kinder sterben und zur Waffe greift. Verstehen kann ich die Emotionen, der Hass, der aufkommt auf den jeweils anderen.
    Ich komme aber mehr und mehr zu der Einstellung, daß dort in dem Fall die Gewalt zu nichts führt als zu mehr Gewalt. Keine der beiden Seiten wird den Krieg gewinnen, außer um den Preis eines Völkermordes. Und das kann in beider Interesse nicht sein.
    Das Problem liegt hier vor allem in der Unfähigkeit der Politik beider Seiten. Auch in Afghanistan sehe ich vor allem ein Scheitern der Politik. Ich glaube die meisten westlichen Soldaten sind wirklich da, weil sie helfen wollen. Aus wahltaktischen Gründen werden sie aber nicht so ausgerüstet, daß das geht. Es stimmt, das Ziel muß erkennbar sein, und das sehe ich in Afghanistan auch nur schwerlich wenn überhaupt, deshalb hab ich auch keine gute Meinung unserer Regierung(en). Ich hab vor ner Weile ein paar Artikel zur Friedens- und Kriegsethik geschrieben, da geht es auch um die Frage: Welches Ziel wollen wir überhaupt erreichen?
    Das mit dem Trauerkult um die Soldaten ist wieder so ein Geheuchel. Wäre ich Soldat in Afghanistan, ich würde aus dem Sarg springen und der Merkel eine scheuern, wenn sie zu meiner Beerdigung käme. Das ist eine familiäre Sache, der Staat hat schon das Leben gekriegt, er soll nicht noch den Tod haben. Auch hier sehe ich vor allem Medieninszenierung aus wahltaktischen Gründen.
    Die Politik sollte, statt betroffen auf Beerdigungen zu gucken und die Heldenverehrung aus der Mottenkiste zu holen, lieber die lebenden Soldaten anständig mit Auftrag und Gerät ausrüsten. Da hätten alle mehr davon.

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