Lk 15, 1-7:

1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen.

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Buße anzunehmen ist ein schwieriges Thema. Jetzt weniger bei Gott als in der Gesellschaft. Kann man jemandem trauen, der behauptet, sich geändert zu haben? Soll man sich auf ihn verlassen? Will er vielleicht das Vertrauen erschleichen, um dann noch größeren Schaden anzurichten?

Nachdem mit Bodo Thiesen und dem Interview von Andi Popp in der Jungen Freiheit die Piratenpartei in das rechte Spektrm gerückt wurde, geht die Hexenjagd weiter:

In Niedersachsen gibt es ein Piratenmitglied, das bis vor 5 Jahren noch aktiv in rechtsextremen Kreisen war. Grund genug für einen weiteren Artikel, der vor einem Rechtsruck bei den Piraten warnt, wenn nicht gar einen solchen unterstellt.

Gewisse Kreise haben scheinbar ein Interesse daran, die Piraten, die andere Ziele als sie verfolgen, ebendiese durch die Nazikeule mundtot zu machen. Dabei offenbart sich für mich nicht, daß die Piraten rechtsextrem wären, sondern eben der Extremismus der Kritiker.

Ein Stück weit kenne ich das. Nach dem Abi stand für mich damals die Frage auf der Tagesordnung: Bund oder Zivi. Ich hatte mich mit dem Konzept der Bundeswehr und ach des GG etwas vertraut gemacht. Grundidee ist der Bürger in Uniform. Dadurch, daß die Bundeswehr einen Querschnitt durch die Gesellschaft darstellt, sollen extreme Kreise dort nicht zu viel Macht erhalten. Das wäre gefährlich, weil die hätten die Waffen und wüßten, wie man sie benutzt.

Nun sagt ach unser Grundgesetz, daß zum Wehrdienst herangezogen werden kann, wer keine Gewissensgründe vorbringen kann, die ihm den Dienst unmöglich machen.

Ich überlegte also: Ich hatte keine Gewissensbisse bei dem Gedanken, mein Leben oder das meiner Freunde oder Familie dadrch zu retten, daß ich den Angreifer erschieße. Heute denke ich etwas anders darüber, doch damals war mir klar: Gewissensgründe hast Du nicht.

Ende der 90er waren ach Videos aufgetaucht, die dokumentierten, daß es rechte Tendenzen in der Bundeswehr gab. Ich weiß noch, daß ich in der Grndasbildung als Reaktion darauf dazu gedrillt wurde, beim melden immer nur den linken Arm zu heben.

Jedenfalls war für mich klar, wenn die Bundeswehr nicht rechtslastig werden soll, müssen auch links eingestellte Bürger da rein, eben um den Bevölkerungsdurchschnitt so weit wie möglich zu gewährleisten. Also verweigerte ich nicht.

Dies wurde mir dann später äußerst negativ ausgelegt, als ich mit der Freundschaftsgesellschaft Berlin-Kuba für ein halbes Jahr nach Kuba wollte, um das Land kennen zu lernen, mein Spanisch zu verbessern und einfach mal zu sehen, wie das Leben dort so ist. Aus der Sache wurde nichts. Mir wurde zu verstehen gegeben, daß die politischen Ansichten nicht zusammenpassen würden. Dabei hat man mich gar nicht zu meinen Ansichten gefragt, jedenfalls nicht offen. Jedenfalls schien man zu dem Schluß gekommen zu sein, daß jemand, der seinen Wehrdienst geleistet hat zumindest so weit rechts steht, daß er nicht nach Kuba paßt. Heute seh ich das Ganze auch etwas mit anderen Augen, ich war damals noch sehr naiv gegenüber dem linken Rand, inzwischen sehe ich, daß die Linksextremen keinen Deut besser sind als die Nazis. Naja, man muß alles erst lernen.

Doch zum Lernen ist es auch nötig, Fehler machen zu dürfen, denn am Meisten lernt man aus Fehlern. Der Pirat aus Niedersachsen, der im rechtsradikalen Raum wohl ziemlich bekannt war, sagt offen, daß er sich distanziert hat von seinen damaligen Einstellungen. Von linker Seite wird er trotzdem als potentieller Nazi gesehen, mit dem man keinen Kontakt haben darf, weil solche Menschen schlechter Umgang sind.

Da lob ich mir den christlichen Glauben, der die Vergebung lehrt. Sicher, man kann nie sicher sein, daß jemand nicht doch noch rückfällig wird. Aber es gibt auch keine Sicherheit, daß vertraute Bekannte auf einmal sich in eine Richtung entwickeln, die einen nur noch zum Kopfschütteln bringt. Gott eröffnet dem Menschen mit der Buße die Möglichkeit zur Umkehr, eines Neuanfangs, ohne zurücksehen zu müssen. Ähnliches tut die Piratenpartei auf weltlicher Ebene mit der Unschuldsvermutung.

Die etablierten Kräfte in der Gesellschaft scheinen jedoch von der Angst gelähmt, ja nicht dem Falschen zu vertrauen, so daß sie gar nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß sich ein Mensch ändern kann. Damit spalten sie die Gesellschaft und damit wird ein Zusammenleben auf lange Sicht hin immer schwerer. Das bezieht sich nicht nur auf ehemalige Nazis, sondern auf alle extremen Einstellungen. Die Gesellschaft läßt oft eine Rückkehr nicht zu, und fragmentiert sich somit. Die Piratenpartei scheint, neben der Kirche, die das Prinzip der Vergebung aber nicht so stark macht wie sie eigentlich könnte, begriffen zu haben wie man Menschen einen Neuanfang bietet. Hoffentlich bleibt es so und sie paßt sich nicht so schnell dem gesellschaftlichen Druck der Angst an. Das würde vielen Menschen die Rückkehr in die Mitte der Gesellschaft ermöglichen.

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