Warum Bertrand Russel kein Christ ist war

Bertrand Russell (1872 – 1970) war englischer Philosoph – und glaubte nicht an Gott. Die Tage stieß ich auf einen Vortrag von ihm mit dem Titel „Warum ich kein Christ bin“. Er hielt den Vortrag am 6. März 1927 vor der National Secular Society in London.

Der Vortrag scheint einige Bekanntheit zu haben, so hat er beispielsweise einen eigenen Wikipedia-Artikel. Beim Durchlesen fielen mir ein paar Ungenauigkeiten auf, die ich hier gerne auflisten will. Es wird dabei wohl keine Widerlegung rauskommen, aber das ist auch nicht mein Ziel. Die „Gründe“, warum jemand an den christlichen Gott glaubt oder nicht, sind je individuell – jedenfalls glaube ich nicht, daß Glaube durch reine Vernunftargumente deduziert werden kann, da muß schon eine existentielle – und damit individuelle – Komponente dazu kommen.

Allerdings halte ich es für eine gute Sache, konstruktiv Kritik zu üben, denn ohne konstruktive Kritik gibt es keine Weiterentwicklung – und das wäre doch schade.

Ich beziehe mich dabei auf die bei atheisten-info.at veröffentlichte deutsche Übersetzung des Textes. Wer den Text im englischen Original lesen möchte, wird hier fündig.

Ziemlich zu Anfang problematisiert Russel den Begriff „Christ“:

Das Wort hat heute nicht mehr die gleiche lebendige Bedeutung wie zu Zeiten des heiligen Augustinus oder des heiligen Thomas von Aquino. Wenn in jenen Tagen jemand sagte, er sei ein Christ, so wusste man, was er meinte. Er erkannte eine ganze Reihe von genauestens festgelegten Glaubenssätzen an und glaubte an jede einzelne Silbe davon mit der ganzen Kraft seiner Überzeugung.

Die Wahrheit sieht wohl doch etwas anders aus. Augustinus setzte sich mit den Donatisten auseinander, die ganz andere Ansichten darüber hatten, was christlich ist und was nicht. Ebenfalls zu nennen wäre die Auseinandersetzung mit Pelagianismus und Semipelagianismus.

Thomas von Aquin lebte zur Zeit der Katharer, die Waldenser existierten auch schon, außerdem gab es schon länger das Schisma mit der Ostkirche (wobei das formal wohl erst im 18 Jahrhundert festgezurrt wurde…).

Die Behauptung, daß ganz klar war,was zu einer bestimmten Zeit von allen Christen geglaubt wurde, gehört eher in der Reich der Phantasie, es sei denn, man will eine Gruppe Menschen künstlich abgrenzen und schert sich nicht um Ungenauigkeiten bei der Bezeichnung. Kann man machen, allerdings läuft man Gefahr, mißverstanden zu werden, womöglich baut man sich gar Strohmänner auf, die zwar den Vorzug haben, von jeder Argumentationslinie genau getroffen zu werden, die andererseits womöglich nicht viel mit der Realität zu tun haben…

Russell braucht für seinen Vortrag eine Definition dessen, was er als Christ versteht, denn er will ja darlegen, wieso er nicht zu dieser Gruppe gehört. Er nennt zwei Kriterien:

  1. Man muß an Gott und die Unsterblichkeit glauben.
  2. Man muß Jesus als den Besten und weisesten der Menschen ansehen.

Man könnte jetzt problematisieren, was Russell unter „glauben“ versteht: Ein für-wahr-halten oder doch eher ein Vertrauen. Und was bedeutet dann Gott für wahr halten? An Seine Existenz zu glauben?

Das würde wiederum auf die Frage lenken, was mit „Existenz“ genau gemeint ist, denn Gottes Sein ist anders als unseres, denn wir sind nach christlicher Lehre Geschöpfe, Er nicht. Bezieht man den Existenzbegriff allein auf uns Geschöpfe, kann man durchaus Christ sein und die „Existenz“ Gottes verneinen – Er ist kein Geschöpf, Er ist der Schöpfer. Für Seine „Existenz“ bräuchte man ein anderes, „höheres“ Wort.

Auch was die Unsterblichkeit angeht, würde ich ein Fragezeichen machen. Viele Christen sind gestorben, darunter alle Apostel, Kirchenväter etc etc. Und was das ewige Leben angeht, also Auferstehung und Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit – da gibt es so viele Ansätze und Denkweisen, daß ich nicht meine Hand dafür ins Feuer legen würde, daß es keine Christen gibt, die das verneinen.

Was Jesus als besten und weisesten Menschen angehtkönnte an fragen, nach welchen Kriterien das gehen soll. Jesus hatte keinen Doktor in Quantenphysik  und war wohl auch nicht der weltbeste Badminton-Spieler. Auch wenn sich das „beste“ darauf bezieht, daß Er ein besonders „guter“ Mensch (moralisch gesehen) war, stellt sich die Frage: Nach wessen Moral? Und wer legt fest, daß speziell diese Moral für die Bewertung geeignet ist?

Die „Gottesbeweise“

Beim moralischen Gottesbeweis frage ich mich ein wenig, wieso Gott den „gut“ sein muß. Ich denke auch, daß man für die Unterscheidung von gut und böse ein Kriterium braucht, und daß die Ableitung dieses Kriteriums aus dem Glauben eine Möglichkeit darstellt. Man könnte jetzt auch auf Luther zurückgreifen und sagen „woran Du Dein Herz hängst, das ist dein Gott“ – und dann ist Gott eben nicht immer der christliche Gott, aber immer irgendetwas, aus dem man sein Verständnis von gut und böse ableitet – und wenn es das eigene Gutdünken ist, das beschließt, daß alles was einem gefällt gut ist und alles, was einem nicht gefällt schlecht. Dann ist man halt sein eigener Gott, aber ich schweife ab. Jedenfalls denke ich, daß man über diese Schine zu einer Definition von „Gottheit“ kommen könnte, mit der man weiter arbeiten kann, denn dann hätte jeder ein Gott und wir könnten sie vergleichen. Freilich ist Russell nicht daran gelegen, deshalb betont er die Aussage der „Theologen“, Gott sei gut. Daß das nur eine Zuschreibung von extern sein kann, ist deutlich. Wer die Kriterien einer Gottheit für gut und böse anerkennt, wird diese Gottheit in einem zweiten Schritt als gut bezeichnen, sonst würde er die Kriterien ja nicht anerkennen. Umgekehrt ist es kein Wunder, wenn jemand andere Gottheiten als böse bezeichnet, soweit deren Kriterien denen widersprechen, die man selbst anerkennt. Ein Dortmund-Fan wird Bayern nie für die beste Fußballmannschaft halten, egal wie viele Titel sie gewinnen – und umgekehrt.

Beim „Argument der ausgleichenden Gerechtigkeit“ behauptet Russell, die Ungerechtigkeit in der Welt sei ein moralisches Argument gegen Gott. Und wieder stellt sich die Frage danach, wer das beurteilen will, bzw nach wessen Kriterien hier gemessen wird. Daß Russell den christlichen Gott als böse einstuft ist nicht verwunderlich, siehe oben Bayern und Dortmund. Das ist aber nicht objektiv, sondern subjektiv. Auch die Bezeichnung bestimmter Zustände als „ungerecht“ ist erst einmal subjektiv. Ich finde ja gut, daß Russell Gott – an den er nicht glaubt – in die Pflicht nimmt. Aber ohne alles zu kennen, ohne zu wissen, was nach dem Tod passiert, oder was der Grund Gottes für die Ungerechtigkeiten ist, läßt sich schwerlich ein Urteil fällen. Will man Gott moralisch bewerten, muß man Ihn zunächst anerkennen und damit auch alles, was dazu gehört: Himmel, Hölle, Engel und was sonst noch dazugehört. Und in christlicher Lehre gehört eben dazu, daß der Mensch nicht den Überblick hat und ihm deshalb kein Urteil zusteht: Siehe Hiobbuch. Russell muß sich schon entscheiden, ober Gott verneint, oder ob er moralische Gründe gegen Ihn sammelt.

Im Großen und Ganzen hat Russell jedoch Recht: Gott läßt sich nicht objektiv beweisen – und damit ist die Frage, ob ich an Ihn glaube oder nicht keine Frage von besseren oder schlechteren Argumenten, sondern eine Frage von individuellen Erfahrungen und Vertrauen.

Der Charakter Jesu

Ich muß Russell zustimmen, daß viele Christen sich anviele radikale Forderungen der Evangelien nicht halten. Ich wundere mich nur, daß er diesen Forderungen zustimmt und gleichzeitig zugibt, sich selbst nicht daran zu halten. Wenn es gute Forderungen sind, wieso handelter nicht danach, wieso tut er frewillig Schlechteres, als er könnte? Sieht er diese Forderungen vielleicht doch nicht als gut an, sondern redet nur so, um Zustimmung zu ernten? Wäre es nicht ehrlicher zu sagen: „Ich lehne diese Forderungen ab, könnte ir aber denken, daß die Welt besser wäre, wenn alle sich daran hielten.“?

Gut finde ich, daß Russell klährt, sich nicht am historischen Jesus zu orientieren, sondern an Jesus, wie Er in den biblischen Evangelien geschildert wird. Besser fände ich, wenn er noch einen Schritt weiter gegangen wäre, und die Texte nicht biblizistisch 1:1 verstehen wollte, sondern sich Gedanken über Aussageintention etc gemacht hätte – denn Literatur ist Literatur und kein Gesprächsprotokoll…

Allerdings weiß er plötzlich genau, wie dieStelle zu deuten ist in der Jesus sagt „sorget nicht für den morgigen Tag“. Russell sieht darin einen Beleg dafür, daß Jesus selbst Anhänger der Naherwartung war, nach der Er noch zu Lebzeiten der damals Lebenden wiederkehren würde. Für meinen Geschmack springt Russell hier ein wenig zu viel zwischen der literarischen Ebene und dem historischen Jesus, mit dem er sich eigentlich nicht beschäftigen will. Denn der literarische Jesus glaubte an gar nichts und wußte nichts. Er ist eine Figur des jeweiligen Autors und in dessen Phantasie entstanden. Wohl gebunden an irgend ein historisches Vorbild, auf das sich Russell aber nicht beziehen wollte – er stellt ja die Historizität Jesu allgemein in Frage.

Er müßte also viel mehr sagen: Die Autoren der Evangelien waren etwas dämlich, daß sie Jesus einerseits so darstellen, als hätte Er die schnelle Wiederkehr erwartet, andererseits aber selbst zu einer Zeit lebten, als man in der Frage umzudenken begann. Einem historisch angeblich inexistenten Jesus kann hier allerdings sinnvoll nichts unterstellt werden.

Aus der angeblichen Unkenntnis Jesu zum Zeitpunkt Seiner Wiederkehr leitet Russell nun ab, Jesus sei nicht so klug wie andere Menschen gewesen und habe keine höchste Weisheit gehabt. Ich meine, das ist ein Fehlschluß, denn um dieses Urteil zu fällen,müßte erst jemand gefunden werden, der behauptete, Jesus würde nicht relativ schnell wiederkehren. Und derjenige müßte es nicht einfach behaupten, also raten, sondern logische Gründe vorbringen, also irgend etwas, was für seine Klugheit und Weisheit spricht.

Dann ärgert sich Russell über den Höllenglauben des literarischen Jesus und seine Verurteilungen seiner Gegner. Das sei kein nettes Verhalten. Man könnte nun einwenden, der literarische Jesus (also eigentlich Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) lege nur offen, wennauch emotional, was Sache ist. Ist es denn so ein guter Charakterzug, den Boten schlechter Nachrichten zu köpfen? Denn genau das tut Russell hier, wenn ich es richtig sehe: Er wirft dem Boten die Botschaft vor. Daß er die Botschaft nicht mag ist nur natürlich: Immerhin ist Russell kein Christ und auch der Bayern Fan freut sich nicht über die Botschaft, daß es diese Saison nur für den Meistertitel reichte…

Daß die Höllenlehre Grausamkeiten und für Generationen unbarmherzige Foltern gebracht hätte, hätte ich gern etwas breiter dargestellt. Mir ist nämlich so, als hätte es auch außerhalb des christlichen Kulturkreises Grausamkeiten udn Folter gegeben, die qualitativ und quantitativ dem, was bei uns geschah und geschieht, nicht nachstehen.

Die Parteiergreifung für den verfluchten Feigenbaum ist rührend, allerdings fragt man sich, wo das Problem liegt, wenn eine nichts fühlende Pflanze verdorrt. Und natürlich immer wieder das Problem, daß er den literarischen Jesus so behandelt, als wäre es ein historischer, als seien die Evangelien Gesprächsprotokolle…

Plötzlich ist da ein neuer Feind. Die organisierten Kirchen. Gegen diese habe man alle moralischen Fortschritt erkämpfen müssen. Hier muß er freilich den Kunstgriff wählen, das Feindbild leicht anzupassen, denn gerade in England könnte noch bekannt gewesen sein, daß die Abschaffung der Sklaverei auf Pietisten und Quäker zurückging. Allerdings war wohl keiner von ihnen in der Kirchenleitung. Also setzt man „organisierte Kirche“ und Kirchenleitung in eins, verkennt, daß Angehörige eines Glaubens auch Angehörige der organisierten Form dieses Glaubens sind udn hat ein neues, passendes Feindbild.

Daneben wäre ein weiteres Mal zu bedenken, was als moralischer Fortschritt angesehen wird und wer die Kriterien hierfür festlegt. Es mag ja sein, daß die Christen sich nicht moralisch nach Russells Vorstellungen verhalten – umgekehrt könnte es auch so gewesen sein…

Daß Angst die Grundlage der Religion sei behauptet er nur noch, er begründet es leider nicht mehr. Freilich kenne auch ich Beispiele, in denen mittels Angst versucht wird, Leute zum Glauben zu drängen oder im Glauben zu halten – bzw in der jeweiligen Gemeinde oder Gruppe. Aber ich weiß, daß das weder heute noch je die einzige Form von Religion war – ja ich vermute, daß die Rolle der Angst mehrheitlich geringer war. Man könnte dieser Spur nachgehen, hätte Russell hier argumentiert und nicht nur eine Behauptung aufgestellt.

Er formuliert die Hoffnung, daß dieWissenschaften die Welt zu einem lebenswerten Ort machen können.Ich denke, die Hoffnung sollte inzwischen enttäuscht worden sein. Die Wissenschaft ist lediglich ein Mittel, das zu guten oder bösen Zwecken benutzt werden kann. Was gut und böse ist, dafür liefert uns die (Natur-) Wissenschaft kein Kriterium. Russellhängt wohl dem Menschenbild der Aufklärung an, nach dem der Mensch nur richtig aufgeklärt werden muß über seine Irrtümer, damit er stets und immer die guten Zweckeverfolgt und die Welt ein besserer Ort wird.

Ich vermute, daß das christliche Menschenbild, nach dem alle Menschen Sünder sind, der Realität näher kommt…

Russell meint, diese Ansicht sei eines Menschen mit Selbstachtung nicht würdig. Ich verstehe nicht, wieso eine selbstkritische Einstellung unwürdig sein soll. Ich denke,daß nurso zur „freien Intelligenz“ zu kommen ist, die Russell anstrebt. Denn eine Intelligenz, die die eigenen Fehler – das Sündersein – ausblenden muß, um die Selbstachtung zu erhalten, ist durch diese Aufgabe und die damit verbundene Selbstdarstellung als moralisch tadelloser Mensch derart gebunden, daß sie sich kaum frei dran machen kann, die Probleme unserer Welt anzugehen.

 

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Quo vadis, domine?

Domine, quo vadisWohin gehst Du, Herr?

Populär wurde die Frage durch das Buch von Henryk Sienkiewicz und die folgende Verfilmung mit Sir Peter Ustinov. Die Frage kommt erstmal vor in Joh 13, 36, wo Jesus dem Petrus antwortet, er könne dahin noch nicht folgen, sondern werde den Weg später gehen.

Die Petrusakten, eine Sammlung von Legenden um Petrus, nehmen den Satz auf, und Sienkiewicz‘ Buch Quo Vadis übernimmt diese Geschichte wiederum:

Petrus, der mit Paulus zusammen zur Zeit Neros in Rom wirkte, kann gerade noch aus der Stadt fliehen und läßt seine Gemeinde im Stich, die der Verfolgung preisgegeben ist und im Zirkus nach und nach ermordet wird. Und das, obwohl Jesus ihm nach dem Johannesevangelium den Auftrag gab: Weide meine Schafe.

Auf der Flucht aus der Stadt heraus trifft Petrus auf Jesus, der auf dem Weg in die Stadt ist. Petrus fragt nun wiederum die Frage aus dem Johannesevangelium: Quo vadis, domine? Wohin gehst Du, Herr?

Und Jesus antwortet: Ich gehe nach Rom, um mich wiederum kreuzigen zu lassen.

Das bring Petrus zum Umdenken. Er will nicht wieder davonlaufen und seinen Herrn verleugnen. Diesmal ist es ihm gegeben, ihm auf dem Weg zu folgen, also geht Petrus nach Rom, wird gefangen und von Nero gekreuzigt.

An diese Geschichte mußte ich denken, als ich heute auf einigen amerikanischen Blogs über die Mauer las, die Präsident Trump an der Grenze zu Mexiko errichten will. Mehrfach las ich die Aussage: Wenn die Mauer gebaut wird, ist Jesus auf der anderen Seite. Den Jesus ist immer und war immer bei den Armen und Bedrückten.Wenn man die mit einer Mauer auszugrenzen versucht, grenzt man auch den Menschensohn aus, grenzt man sich vom Heiland ab – ebenso wie das Establishment im NT sich von Jesus abgrenzte, weil dieser sich mit Sündern und Zöllnern abgab.

Und das hat mich zum Nachdenken gebracht. Wenn Jesus in Amerika hinter der Mauer, jenseits bei den Ausgegrenzten ist, wo ist er dann beim Flüchtlingselend in Europa? Ich kann es mir nur so denken, daß Er bei denen ist, die auf überfüllten Booten versuchen, das Mittelmeer zu überqueren. Er ist auch hier jenseits, hinder den Grenzen, die wir aufziehen. Wir laufen Gefahr, uns ebenso von unserem Heiland abzugrenzen, weil Er bei denen ist, die wir nicht sehen wollen.

Wie das Establishment im NT Angst hatte um die Ordnung, Angst um die eigene Macht, haben wir Angst um unseren Wohlstand, und hatte der Petrus der Petrusakten Angst um sein Leben.

Alle wollen nur eins: Das eigene retten. Und das bedeutet dann eben auch: Zuerst NICHT für den Nächsten einstehen. Petrus wurde vor Augen geführt, was das bedeutet: Jesus muß ein weiteres Mal ans Kreuz. Daß das nicht geht, ist dem frommen Petrus klar. Jetzt ist er dran, er muß ein Opfer bringen, im Vertrauen auf Gott.

Wo ist unser Vertrauen? Lassen wir Jesus ein weiteres Mal sterben? Diesmal in den kalten Fluten des Mittelmeeres? Gehen wir so leichtfertig über die Forderung hinweg, daß auch wir unser Kreuz auf uns nehmen und Ihm nachfolgen sollen?

Ich weiß noch nicht, was die Konsequenz aus meinen Überlegungen ist. Doch eins weiß ich: Es kann nicht sein, daß mein Herr und Heiland für mich den Kopf hinhält, der ich doch Glied an Seinem Leib bin. Ich sollte ebenfalls bei jenen sein, die jenseits sind, und fern gehalten werden.

Herr, erbarme Dich!

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Gemeinsames Wort der Kirchen in Baden, in Elsass-Lothringen und in der Pfalz zum Wahljahr 2017

Die evangelischen Kirchen in Baden, Elsaß-Lothringen und der Pfalz haben anläßlich der diesjährigen Wahlen in Frankreich und Deutschland foögendes gemeinsames Wort veröffentlicht:

Aufruf: Die Gesellschaft im Wahlkampf nicht spalten

Ein neues Jahr beginnt und es ist für uns der Anlass all unseren Gemeindegliedern, sowie den Bürgerinnen und Bürger der Grenzregion ein friedvolles und behütetes Neues Jahr zu wünschen.

In diesem Jahr finden in unseren Ländern Wahlen statt, im Frühjahr ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich, im September die Bundestagswahl in Deutschland.

Wir bitten Sie: Nutzen Sie die demokratische Freiheit in unseren Ländern! Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch und gehen Sie wählen!

Als evangelische Christinnen und Christen gedenken wir in diesem Jahr der Reformationsgeschichte, die vor 500 Jahren auch in unserer Region am Oberrhein ihren Anfang nahm. Drei Grundelemente unseres Glaubens sind uns in der politischen Auseinandersetzung besonders wichtig:

  1. Jeder Mensch besitzt als Ebenbild Gottes eine unverlierbare Würde; sie hat in den Menschenrechten eine rechtlich fassbare Form gefunden. Wir widersprechen deshalb allen Versuchen, Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken oder sie auszugrenzen.
  2. Jesus Christus stellt sich an die Seite der Schwachen, der Armen und der Fremden. Wir wollen ihm auf diesem Weg folgen und setzen uns deshalb in unseren Ländern und gemeinsam in Europa für Humanität, Solidarität und Nächstenliebe ein. Wir sehen uns als Christinnen und Christen in einer besonderen Verantwortung, auch weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.
  3. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Wir betrachten die Vielfalt der regionalen, nationalen, kulturellen und religiösen Traditionen als Herausforderung und als Reichtum unserer Länder und Europas. Nach dem zweiten Weltkrieg haben Christinnen und Christen einen wesentlichen Beitrag zur Versöhnung unserer beiden Länder geleistet. Das verstehen wir heute angesichts neuer Herausforderungen zu Versöhnung und Integration als Gabe und Aufgabe zugleich: Wir suchen den Dialog, gerade auch mit anderen Religionen und Weltanschauungen, wir tragen bei zu einer Kultur der Aufmerksamkeit und warnen vor Konzepten der Abgrenzung und vor nationalen Alleingängen.

Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger, alle Parteien und Gruppen, die Gesellschaft im Wahlkampf nicht zu spalten, sondern sachlich und fair miteinander umzugehen. Wir wehren uns gegen alle Versuche, um politischer Macht willen, Vorurteile und Hass gegen einzelne Menschen oder Gruppen zu säen.

Wir wachsen nur gemeinsam im Dialog und im gegenseitigen Respekt.

Weitere Informationen hier. Dort findet sich auch der französische Text.

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Volkssouveränität

Bei Twitter stieß ich auf folgendes Bild:

Bild wurde hier entdeckt.

Es stehen sich zwei Aussagen von zwei Bundespräsidenten gegenüber:

Präsident Heinemann wird wie folgt zitiert:

„Die Grundlage der Demokratie ist die Volkssouveränität und nicht die Herrschaftsgewalt eines obrigkeitlichen Staates. Nicht der Bürger steht im Gehorsamsverhältnis zur Regierung, sondern die Regierung ist dem Bürger im Rahmen der Gesetze verantwortlich für ihr Handeln. Der Bürger hat das Recht und die Pflicht, die Regierung zur Ordnung zu rufen, wenn er glaubt, dass sie demokratische Rechte missachtet.“

Eine Quelle ist für das Zitat nicht angegeben. Auch eine schnelle Internetrecherche brachte mir hier keine weitergehende Auskunft, allerdings gibt es keinen Grund anzunehmen, Heinemann hätte das nicht gesagt. Die Aussage deckt sich grob mit dem, was man an Aussagen von einem Bundespräsidenten erwartet.

Inhaltlich ist ihr zuzustimmen: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, von daher stehen auch die Bürger, also die Angehörigen des Volkes, hier in der Verantwortung. Er kann durch öffentlichen Diskurs die Regierung zur Ordnung rufen, und das ist wichtig. Was der Bürger nicht kann, ist die Regierung bei Mißfallen direkt abzusetzen. Die Ordnung unseres Staates sieht vor, daß der Bürger per Wahl Einfluß auf die Zusammensetzung des Parlaments, also der Legislative nimmt. Die Regierung bestimmt er so nur mittelbar über seinen Einfluß auf die Zusammensetzungdes Parlaments und über den öffentlichen Diskurs, also das von Heinemann geforderte Zur-Ordnung-rufen.

Und ebenso, wie der Bürger natürlich in keinem Gehorsamsverhältnis zur Regierung steht, ist er natürlich zum Gesetzesgehorsam gegen die von der Legislative beschlossenen Gesetze verpflichtet – gerade dann auch, wenn er diesen nicht zustimmt.

Das ist nun die eine Seite des Bildes. Auf der anderen Seite sehen wir den amtierenden Bundespräsidenten Gauck. Zu lesen ist dort:

Die Bevölkerung ist im Moment das Problem.

Mir fiel zuerst auf, dass dieser Satz im Gegensatz zu dem von Heinemann nicht in Anführungszeichen steht und fragte nach, ob Gauck das vielleicht gar nicht gesagt habe. Daraufhin schickte man mir folgendes Video:

Gauck wird darin zu Europa befragt und zur Ablehnung der europäischen Idee durch viele Menschen. Es geht um die Frage, wie man in der Zivilgesellschaft für die europäische Idee wieder erfolgreich werben könnte. In diesem Zusammenhang sagt Gauck, nicht die Eliten seien das Problem, sondern die Bevölkerungen (Plural!).

Dem kurzen Ausschnitt ist durchaus zu entnehmen, daß es nicht darum ging, das Volk in irgend einer Art und Weise zu bevormunden, sondern darum, zu problematisieren, wie ein gesellschaftlicher Diskurs zu gestalten wäre, der die europäische Idee stärkt.

Dass es gesellschaftliche Diskurse gibt und geben soll gehört zur Demokratie wie die Volkssouveränität. Ohne einen gesellschaftlichen Diskurs kann sich kein Bürger eine Meinung bilden und damit kann er auch kaum eine begründete Wahl treffen, da er uninformiert ist. Der uninformierte Bürger ist dann dazu gezwungen, sich an seine Vorurteile zu halten bei den Wahlen, da diese ohne Diskurs nicht hinterfragt werden können.

Das Perfide an dieser Bild-Zitat-Zusammenstellung ist vor allem, daß Dinge zusammengeworfen werden, die nicht zusammen gehören. Es wird suggeriert, Gauck würde als Vertreter der Regierung mit seiner Aussage das tun, was Heinemann als undemokratisch kritisiert.

Nur ist der Bundespräsident weder ein Teil der Regierung, noch repräsentiert er sie. Er repräsentiert den deutschen Staat und es ist Teil seiner Aufgabe, zivilgesellschaftliche Diskurse zu führen und anzustoßen. Wenn er sich also Gedanken dazu macht, wie die europäische Idee wieder gestärkt werden kann und dabei problematisiert, welche gesellschaftlichen Gruppen besonders angesprochen werden müssten, tut er genau das, was die Voraussetzung für Heinemanns Forderung ist. Denn wie gesagt: Ohne gesellschaftlichen Diskurs kommt es zur Entmündigung des Volkes und zur Stärkung von Vorurteilen, die ganz schnell auch in der Abschaffung der Demokratie enden kann.

All dies geht einher mit einer Mißdeutung des Begriffes „Problem“. Der Begriff wird abwertend verstanden, obwohl er diese Bedeutung per se nicht hat. Er bezeichnet lediglich den Ansatzpunkt für dasintendierte Ziel: Hier die Stärkung des europäischen Gedankens. Und Gauck hat ja nicht Unrecht: die Eliten sehen die Vorteile Europas, in den Bevölkerungen ist dies weniger der Fall, wie das Ergebnis der Brexit-Abstimmung kurz nach dem Interview ja belegt.

Aber mir geht es noch um etwas anderes, nämlich die Frage, ob in der ganzen Thematik nicht andere als Gauck die Volkssouveränität untergraben.

So habe ich den Eindruck, daß durch Bilddateien wie die obige der Diskurs unterbunden werden soll, indem man denjenigen mit anderen Ansichten zu disqualifizieren sucht. Gaucks Aussagen werden durch Suggestion, er sei Teil der Regierung (hergestellt durch das Heinemannzitat, das Bürger und Regierung einander gegenüberstellt) und gezieltes Falschverstehen seiner Aussage in der Art, als verlange er Gehorsam und würde sich nicht am zivilgesellschaftlichen Diskurs beteiligen.

Eine Unterbindung des Diskurses hat jedoch, wie oben dargestellt, den Effekt, die Volkssouveränität tatsächlich durch Entmündigung der Bürger zu untergraben. Diejenigen, die sich durch Erstellen und unkritisches Verbreiten solcher Bilder als Verteidiger der Volkssouveränität inszenieren, machen mit bei ihrer Zerstörung. Soweit sie das unbewußt tun besteht Hoffnung, sie umstimmen zu können.

Tun sie das gezielt, gehören sie in die Reihen der populistischen Lügner, die vor nichts zurückschrecken, um ihre (sicherlich gar nicht demokratischen) Gesellschaftsideale umzusetzen.

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Verbreit‘ es nicht Challenge

Gedaechtniskirche

Die Kirche sieht nicht so aus, weil ein LKW letzten Montag in den Weihnachtsmarkt gefahren ist. Ihr Aussehen ist das letztendliche Resultat rechter Hetze.

Nachdem letzten Montag ein LKW in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin gefahren ist, habe ich etwas seltsames wahrgenommen:

Die Menschen beschlossen, keine Gerüchte oder Spekulationen zu twittern – es war ungewöhnlich ruhig in mienr Timeline.

Das heißt, natürlich war nicht jeder ruhig. Rechtspopulisten, oder richtiger: Nazis, haben sehr schnell dabei Behauptungen aufzustellen, wer der Täter sei und welche Motive er gehabt habe. Ich las auch einige englischsprachige Tweets, die aber mehrheitlich im Rahmen der Vernunft spekulierten. Was ich auch gelesen habe ist, dass es wohl Menschen gibt die meinen, die Gedächtniskirche (Bild oben) sähe wegen des Anschlages so aus – tut sie nicht.

Diese Erfahrung hat mich beeindruckt. Ich frage mich, was wäre, wenn wir nicht von dem Dreck, mit dem die Rechten in den sozialen Medien provozieren wollen, weiterverbreiten? Was, wenn wir beschließen, nicht ihre Verstärker zu sein? Ich kämpfe da mit mir selbst, ich laß mich leicht provozieren und tendiere dazu, das Provokante zu teilen und meine Meinung dazu zu kommentieren. Ich teile den Dreck quasi weiter, um der Welt zu zeigen, welchen Dreck die Provokateure von sich geben, und so spiele ich ihr Spiel mit.

„Das Spiel mitspielen“ ist verbreitet dieser Tage, auch unter den Rechten: Sie spielen das Spiel der Dschihadisten, doch nicht nur das, sie spielen im gleichen Team.

Natürlich wollen Dschihadisten und Rechte uns glauben machen, das Spiel wäre „wir“ gegen „die“, „Orient“ gegen „Okzident“, „Muslime“ gegen „Christen“. Ich denke, das stimmt nicht. Das Spiel ist Haß gegen Liebe, Chaos gegen Frieden. Beide, Dschihadisten und Rechte, gehören zu dem Team, das die Gesellschaft in zwei Blöcke spalten will: „die“ und „wir“. Und sicher: „Wir“ sind die Guten, die sich mit aller Gewalt gegen die Bösen zur Wehr setzen müssen, gegen „die“.

Ich denke, unser Job ist es, als Angehörige des anderen Teams, des Teams der Liebe, des Friedens und der einigen Gesellschaft, die Gesellschaft zu heilen, alles zu tun, um die Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.

Da das Spalten zum Beispiel durch sogenannte „fake news“ (oder laßt es uns als das bezeichnen, was es ist: Lügen und Propaganda) betrieben wird, würde das Nichtverbreiten der Propaganda – wie sehr wir uns auch darüber ärgern – die Spaltung erschweren. Oder einfach Medien nicht konsumieren, die diese Propaganda verbreiten. In letzter Zeit sollen Rechte ja immer wieder in Talkshows eingeladen worden sein. Wieso also nicht aufhören, die Talkshows zu sehen, dann müssen sie ihren Dreck woanders verbreiten.

Denn die Medien funktionieren nach den Regeln des Marktes: Was sich verkaufen läßt, wird produziert. Laßt uns einfach aufhören, zu kaufen.

Daher fordere ich Dich heraus, die Propaganda dieser Menschenhasser nicht zu teilen, zu retweeten oder zu konsumieren. Ihre Propaganda ist nichts, das irgendwer kennen müßte. Es ist nichts, worüber wir reden müßten. Laßt uns ihnen nicht mehr helfen.

Früher gab es mal den Spruch: „Don’t feed the trolls – füttert nicht die Trolle.“ Er gehörte in die Newsgroups, wo immer mal wieder Menschen Spaß daran zu haben schienen, durch Provokationen die Debatten zu zerstören. Die Regel war, nicht mit diesen „Trollen“ zu reden, damit sie die Lust verlieren und aufgeben.

Meine Challenge ist ähnlich, aber nicht identisch. Verbreitet nicht ihre Lügen und ihre Propaganda, spricht nicht darüber, was die schon wieder getan oder gesagt haben, aber benutzt die sozialen Medien, um mit ihnen zu sprechen. Erschüttert ihre Weltanschauung, geht in die Debatten, zeigt ihnen jedes Mal auf, wenn sie sich auf Vorurteile berufen, damit sie begreifen, daß die Leute sehen, daß sie lügen und es öffentlich machen. Letztendlich wollen wir die Gesellschaft ja heilen, nicht spalten. Das bedeutet, daß wir hinterher mit ihnen eine Gesellschaft bilden werden müssen. Macht den ersten Schritt – sie werden es nicht tun.

Ich weiß, das kann frustrierend sein, aber ich bin sicher es ist die Mühe wert. Was können wir sonst tun, um das Haß-Team zu besiegen? Wenn wir die Methoden von Haß und Abgrenzung übernehmen, gewinnen sie.

 

 

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Do not share Challenge

Gedaechtniskirche

The church does not look like this because of the truck running into a Christmas market next to it on monday. What it looks like is the final result of right wing agitation!

After a truck ran into a Christmas market at Breitscheidplatz, Berlin this monday, I realized something strange:

People decided not to retweet rumours about what happened. It was unfamiliarly silent in my Twitter timeline.

That is, not exactly everybody did so. Right wing populists, I shall better call them what they are: Nazis, were fast to name the offender and the cause of what happened, and I also read some English language tweets, some with rather reasonable speculations about the incident. I also read about the nearby Gedächtniskirche (picture above) being in that condition because of the „terrorist attack“ – it doesn’t.

This experience has an impact on me. I wonder, what if we did not share any of the filth right wingers post in social media to provoke? What if we decide not to be their amplifiers? I struggle myself, I am easily disgusted by some content and tend to react by sharing and commenting how disgusting I find this. I spread their filth to show people how filthy the provokers are, and by this I play their game.

I think „playing their game“ is common these days, also among the right wingers: They play the game of the jihadists, but not only this, the play in the same team.

Of course, jihadists and right wingers want people to think it is a game us vs them, east vs west, Muslims vs Christians. I believe this is wrong. It is the game hate vs love, chaos vs peace. Both, jihadists and right wingers, are on the team that tries to crack society into two blocks: „them“ and „us“. And of course, „we“ are the good guys who must use any weapon at our hand to defeat the bad guys, „them“.

I think our job, being on the other team, the team of love, peace and unity, is to heal society, to do whatever we can to hinder the cracking.

As cracking is done e.g. by so called „fake news“ (let’s call it what it is: propaganda and lies), avoiding the crack would mean to not spread these news, however upset we are about it. And to not consume any media that does spread these. Right wingers have been on many talk shows in Germany recently. Why not stop watching them, so they can spread their filth elsewhere.

Media runs by the mechanisms of the markets: Whatever sells, will be produced. Let’s not buy.

This is why I challenge YOU, to not share, retweet or consume the propaganda of these haters. Their propaganda is nothing the world needs to know about. It is nothing we need to talk about. Let us not help them any more.

In days of old there was a saying: „Don’t feed the troll“. It belonged to the newsgroups, where eventually people showed up who seemed to have fun provoking and thus destroying good debates. The rule was to not talk to these „trolls“, so they will give up eventually.

What I challenge you is similar, but not identical. Do not spread their lies and propaganda, do not tell what they do, but use the social media to speak with them. Shatter their world view, get into the debate, point out any prejudice they bring up, so they understand people do see they are lying and name it in public. After all, we want to heal society, to not crack it up. Which means we will have to form one society with them afterwards. Take the first step, because they won’t.

I know this can be frustrating, but it is worth the efforts I am sure. What else can we do to defeat the team of hate? Whenever we use methods of hate and separation, they win.

 

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Das Weihnachtsevangelium in 15 Sprachen

Joseph von Führich Heilige FamilieIch hab grad nen Downloadlink gefunden. Dahinter findet sich das Weihnachtsevangelium in 15 Sprachen, jeweils auf eine Seite gedruckt. Dahinter steht soweit ich das sehe das Katholische Bibelwerk und die Deutsche Bibelgesellschaft. Gedacht wird dabei wohl vor allem an die Arbeit mit Geflüchteten, allerdings gibt es auch eine deutsche Übersetzung in leichter Sprache. Hier eine Liste mit allen 15 Sprachen:

Das Evangelium in Leichter Sprache
Albanisch
Amharisch (Äthiopien)
Arabisch
Dari (Afghanistan)
Englisch
Französisch
Italienisch
Kurmanji
Rumänisch
Serbisch
Spanisch
Swahili (Ostafrika)
Syrisch
Tigrinya (Äthiopien, Eritrea)
Urdu (Pakistan)

Hier ist der Link.

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We fight not with bullets, but with wide open arms

Auf Twitter sah ich heute morgen das:

Hier ist der Link, den Screenshot hab ich gemacht, falls das aus welchen Gründen auch immer gelöscht wird, denn in dem Gedicht steckt für mich alles, was den christlichen Glauben ausmacht:

Spray us with bullets or blast us with bombs,
We’ll walk into heaven, singing our psalms.
Kill two, kill four, or even kill more,
And we will surely love you, more than before.
Let us remain faithful until our spirit calms
For we fight not with bullets, but with wide open arms.

Ich versuche mal eine freie Übertragung:

Zerreißt uns mit Kugeln und Bomben die Glieder,
Auf dem Weg in den Himmel sing’n wir unsre Lieder.
Tötet zwei, tötet vier oder tötet noch mehr,
Und wir werden Euch lieben, mehr als vorher.
Lasst gläubig uns ausharrn, beherrschen die Triebe
Uns treibt nicht der Hass an, sondern die Liebe.

Und nochmal etwas wörtlicher:

Besprüht uns mit Kugeln oder zersprengt uns mit Bomben,
Wir werden in den Himmel gehen, unsere Psalmen singend.
Tötet zwei, tötet vier, or tötet sogar mehr,
Und wir werden Euch sicher lieben, mehr als vorher.Lasst uns gläubig bleiben bis unser Geist sich beruhigt
Denn wir kämpfen nicht mit Kugeln, sondern mit weit geöffneten Armen.

So reagieren also ägyptische Christen auf den Bombenanschlag auf eine Kirche in Kairo. Echte Christen, die glauben, und den Glauben nicht für bloße Kulturkulisse halten.

Man vergleiche dem gegenüber Pegida und die AfD, die wohl zu großen Teilen keine Kirchenmitglieder sind, aber meinen, das Christentum verteidigen zu müssen, indem sie auf ihren „Spaziergängen“ Weihnachtslieder singen (ich frag mich ja, welche LIeder da gesungen wurden, eher „Jingle Bells“ oder eher „Vom Himmel hoch“, aber das ist ein anderes Thema).

Die „Verteidigerdes christlichen Abendlandes“ wären sicher die letzten, die der Logik des Gedichtes folgen würden. Sie kämpfen nicht mit offenen Armen, nicht mit Liebe, sondern eben mit Haß, wie ihre vermeindlichen Gegner, die Islamisten. „Vermeindlich“ deshalb, weil sowohl die Islamisten und Terroristen als auch Pegida und AfD an der gleichen Strippe ziehen. Man könnte noch die Nazis hinzunehmen, die Anschläge auf Asylunterkünfte verüben, oder sonst den Geflüchteten zusetzen, physisch oder durch Propaganda. Denn das Ziel all jener ist gleich: Den Frieden stören, um in dem folgenden Chaos ihre Vorstellung von Ordnung durchzusetzen. Haß eben, der sich zuerst gegen die Liebe wendet und sich verlacht, um sich dann selbst zu zerfleischen und alle, die übrig geblieben sind.

Es fällt doch auf, daß sich die Bilder von Berlin 1945 und Kabul 2002 sehr ähneln…

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Joch des Liberalismus

Man soll ja versuchen, andere zu verstehen, die Dinge aus ihrer Sicht zu sehen. Wenn ich nicht verstehe, was jemanden bedrückt, dann kann ich auch nicht verstehen, warum er dagegen aufbegehrt. Die Vertreter des Establishments, diejenigen, die ein System prägen, sind auch diejenigen, die die Nachteile am Wenigsten zu spüren bekommen.

So soll die französische Königin Marie Antoinette, als die Bürger von Paris vor Hunger auf die Straßen gingen, gemeint haben:

Wenn sie kein Brot haben, so sollen sie Torte essen.

Zynisch, nicht wahr? Oder naiv? Oder schlicht dumm? Wie dem auch sei, sie hatte offenbar kein Verständnis für die Not der Menschen und am Ende kostete diese Haltung sie das Leben. Sie wurde geköpft.

Wohlgemerkt: Sie wurde nicht geköpft, weil sie persönlich diese Haltung hatte, sondern weil eine bestimmte Gruppe von Menschen, die die Macht hatten, diese Haltung hatten und sich nicht dazu herablassen wollten, den „Pöbel“ zu verstehen.

„Pöbel“ kommt ja von frz. „peuble“: Volk. Der Pöbel, das ist das einfach Volk. Und wenn das einfache Volk Sorgen und Nöte hat, und die Elite, die Mächtigen, diese Sorgen und Nöte nicht kennen oder nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, und deshalb nichts tun, um sie zu lindern, dann explodiert das Ganze irgendwann. Meistens gewaltsam.

Genug der theoretischen Vorrede, hin zur praktischen Anwendung:

In vielen westlichen Nationen feiert der Populismus gerade riesige Erfolge. Dummdreiste Parolen werden in Massen in den Sozialen Netzwerken verbreitet, man wähnt sich in die 1930er zurückversetzt.

Ich meine, daß hinter diesem Erfolg der rechtspopulistischen Parteien die Sorgen und Nöte von Menschen stecken, die von den Mächtigen nicht gehört und auch gar nicht verstanden werden. Ich meine, es liegt am System.

Die Freiheit, die uns die frz. Revolution erkämpft hat, hat ja nicht alles gut gemacht. Sie hat die Grundbedingungen verbessert, um sich selbst einzubringen und etwas zu verändern.

Es war nicht mehr vom König abhängig, ob man ein gutes Leben führen konnte, man war nunmehr selbst dafür verantwortlich. Man hatte die Freiheit, mitzubestimmen, was Politik ist. Gleichzeitig bekam man aber auch die Verantwortung aufgebürdet, das zu tun. Es ist nun kein König mehr Schuld, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen, sondern eben der neue Souverän: Das Volk.

Doch hier stellt sich die gleiche Frage, wie bei den Königen vorher: Sind sie geeignet, die Verantwortung zu übernehmen?

Könige hatten oftmals in die eigene Tasche gewirtschaftet, anstatt zum Wohle des Volkes zu regieren, daß den Monarchen nach ihrer eigenen Ideologie des Gottesgnadentums anvertraut wurde. Sie verloren den Kopf, weil sie ihrer Verantwortung nicht nachkamen.

Und wenn das Volk der Verantwortung nicht nachkommt, sich um sich selbst zu kümmern?

Mir kommt es momentan so vor, als teile sich das Volk in die Gewinner und die Verlerer des aktuellen Systems. Für die Gewinner läuft es gut. Sie sind in der Lage, auf sich aufzupassen, sich zu informieren, Vorsorge zu treffen etc. Aber nicht alle Menschen sind gleich.

Manche Menschen sind nicht in der Lage, in diesem Maße Eigenverantwortung zu übernehmen. Manche Menschen scheitern daran. Manche haben auch nur Pech, kaufen Telekom-Aktien, weil das alle tun und bleiben auf einem Scherbenhaufen sitzen.

Manche mißverstehen die Demokratie so, daß sie meinen, sie hätten selbst Freiheiten und seien für sich selbst auch nur verantwortlich. Dem ist IMHO nicht so. Man hat Verantwortung immer für das Ganze, und wird man ihr nicht gerecht, wird man zur Rechenschaft gezogen – so wie die Adeligen im Frankreich des ausgehenden 18. Jhd.

Mein Religionslehrer machte immer eine Unterscheidung zwischen Wörtern auf -tät und auf -ismus. Demnach wäre Liberalität in Ordnung, Liberalismus, wie alle -ismen, ein großes Problem. Denn der Liberalismus unterdrückt, so gesehen bestimmte Menschen, so wie es der Kommunismus tut und wie es alle anderen -ismen tun.

Die Unterdrückten und Übervorteilten im Liberalismus sind diejenigen, die den Märkten nicht gewachsen sind. Die nicht zum Spitzenprodukt taugen. Die hinten runter fallen und sehen müssen, wo sie bleiben. Sicher: Jeder ist für sein eigenes Glück verantwortlich. Aber das ist ja gerade das Problem: Weil nicht jeder sein Glück garantieren kann.

Diese Menschen brauchen Hilfe, um ihr Glück zu erreichen. Und findige Menschenfeinde und Egoisten nutzen das aus, und bieten einfache Lösungen. Wenn ich keinen anderen Ausweg mehr sehe, wenn ich irgendwann meine, nur durch rechte Gewalt zu meinem Stück Glück zu kommen, dann mach ich da irgendwann mit.

Zum Glück geht es vielen Deutschen noch relativ gut, zum Glück war die Aufarbeitung der NS Zeit so erfolgreich, daß es sich immer noch um relativ wenige Leute handelt – im Gegensatz zum Rest in Europa.

Aber das wird nicht ewig so bleiben. Wir müssen Wege finden, die Abgehängten vom Joch des Liberalismus zu befreien. Nicht, indem wir zurück wollen zu König und Absolutismus (noch so ein -ismus), sondern indem wir uns überlegen, wie wir es schaffen, daß diejenigen, die nicht in der Art für sich sorgen können, wie andere, trotzdem etwas vom Leben haben.

In vielen Fällen handelt es sich um durchaus leistungsbereite Menschen, die ihren Beitrag bringen wollen.

Ich sehe im Moment noch nicht ganz, wie diese Wege aussehen könnten. Vielleicht kann ein bedingungsloses Grundeinkommen eine Rolle spielen. Oder ein Höchsteinkommen.

Damit werden wir den Faschismus nicht lsowerden können. Manche sind so verblendet, daß man ihnen nicht helfen kann. Aber man wird die Motivation größerer Bevölkerungsteile mindern können, faschistische Ideen als Alternativen zu erwägen.

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Lieber Gutmensch

lieber-gutmenschDieses Bild hab ich heute auf Twitter gesehen. Dazu einige Links:

Von Neonazis vergewaltigt
Neonazi muss in Haft
Nazi-Bestien vergewaltigen Opfer mit Besenstiel
NPD-Kandidiat wegen Vergewaltigung und Überfall verurteilt

Obdachloser bei Mügeln zu Tode getreten

Rollstuhlfahrer ausgeraubt

OSS diskutierte Anschlag auf Dresdner Frauenkirche
Brandanschlag auf Kirchenmitarbeiter
Katholische Kirche von Neonazis niedergebrannt

Gehört eine Nazi-Guillotine ins Museum?
Widerstandskämpfer von Nazis geköpft

Der Text in obigem Bild will suggerieren, daß die offene Gesellschaft der „Gutmenschen“ zu all diesen Verbrechen führen wird: Vergewaltigung, Raub, Mord. Die Links sollten belegen, daß wir keinerlei Flüchtlinge oder Migranten brauchen, um diese Verbrechen zu begehen, das wollen uns die – ja, wie nennt man sie? Schlechtmenschen? Angstmenschen? Rechte Hetzer? – wie auch immer man sie nennt, sie wollen uns weis machen.

Die Idee dahinter ist, das Ideal der offenen Gesellschaft fallen zu lassen und dem Vorurteil, der Ab- und Ausgrenzung Tür und Tor zu öffnen,sich von der Angst vor allem Fremden bestimmen zu lassen – während diejenigen, die die Angst verbreiten, selbst all diese Verbrechen begehen, für die sie die Migranten verantwortlich machen.

Deshalb möchte ich an der offenen Gesellschaft festhalten, egal wie oft sie mich als „Gutmenschen“ verhöhnen. Und auf diese Weise angesprochen, möchte ich antworten:

Ja, auch wenn Ihr und Euresgleichen mir und meinen Lieben all das angetan habt, hoffe und bete ich inständig, daß ich tolerant und offen bleibe und nicht wie jene werde, die diese Verbrechen begehen.

Denn, wenn man es mal genau betrachtet, ist doch das ganze rechte Gesocks kein bißchen besser als die Daesh Leute: Sie alle sind von Haß erfüllt und verbreiten Angst, um ihre Gewaltphantasien zu legitimieren.

Machen wir uns nicht gemein mit diesen Schlechtmenschen.

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