Warum wir Charlie sind, aber nicht Bagdad

Je suis CharlieSeitdem letztes Jahr im Frühjahr die Redaktionsräume von Charlie Hebdo von Terroristen angegriffen wurden, findet man bei neuen Anschlägen immer mal wieder Variationen das damaligen Solidaritäts-Slogans „Je suis Charlie“.

So ist man neben Charlie auch Paris oder Brüssel, aber ganz selten mal Bagdad oder Damaskus, obwohl der Terrorismus dort aktuell mehr und öfter Opfer fordert.

Dies ist immer wieder Gegenstand von Kritik. Hier wird unterschieden in Menschen erster (Europäer, evtl. Christen) und zweiter (Araber, meist Muslime) Klasse, so der Vorwurf.

Ich habe mich auch oft gefragt, wieso das so ist, denn eigentlich halte ich mich nicht für einen Rassisten, trotzdem erlebe ich, daß mir die Anschläge in Europa oder den USA oft näher gehen als die in Bagdad, Kabul oder Damaskus.

Das gilt nicht nur für Anschläge, da gilt auch beispielsweise für die Flüchtlingskrise: Hand aufs Herz: Wie betroffen sind wir bei der 101. Meldung über ein untergegangenes Flüchtlingsboot? Fährt aber ein LKW in eine Menschenmenge, und wird dann noch berichtet daß sich auch Kinder unter den Opfern befinden, steht uns das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Wieso?

Erinnert sich noch jemand an Aylan Kurdi? An den Namen vielleicht nicht, wer aber dem Link folgt und herausfindet, daß es sich um den kurdischen Jungen handelt, der letzten Herbst an der Küste von Bodrum angespült wurde und dessen Bild um die Welt ging, dürfte jeder wissen, wer gemeint ist.

In dem Fall war es anders. Anders als bei den Anschlägen in Istanbul, Damaskus und Kabul gab es Reaktionen fast schon wie bei Terroranschlägen hier.

Das lag weniger daran, daß er ein kleiner Junge war. Kleine Jungen ertrinken viele im Mittelmeer, und viele sterben in den Terroranschlägen dieser Welt.

Es lag daran, daß auf einml breiter über ein Individuum berichtet wurde. In die Opfer von Paris und Brüssel versetzen wir uns rein, weil sie ein Gesicht haben, weil die Medien ihnen ein Gesicht geben, sie erwähnen. Bei den Opfern im islamischen Kulturkries geschieht das nicht. Unseren Medienvertretern werden die Kosten zu hoch sein, nach Kabul zu fliegen für eine Story über den Vater, der seine Frau und zwei Kinder in einem Anschlag verlor, nachdem er grad mit viel Mühe das Schulgeld aufgebracht hatte. Geschichten mit Tränendrüsen-Effekt wären da auch möglich – nur sind sie teurer, weil es weiter weg ist, und weil man die Sprache sprechen muß.

Die Kabuler Medien fallen da auch aus: Denn sie berichten in einer der Landessprachen, und haben im Westen keine nennenswerte Verbreitung.

Ob das nun rein finanzielle oder doch auch rassistische Gründe sind, daß unterschiedlich über die Opfer berichtet wird, sei mal dahin gestellt. Medienunternehmen müssen, wie alles in unserer Zeit, Gewinn machen, also bringen sie die Geschichten, die Auflage machen und günstig produziert werden können.

Ich denke, zu fordern, daß alle Charlie oder Nizza oder sonst eine Stadt sein sollen, geht sowieso in die falsche Richtung. Man heizt damit die Reportagen an, man heizt damit dann auch die Angst an, daß so etwas nochmal geschehen könnte. Man unterstützt damit die angstgetriebene Gegenreaktion: Noch mehr Überwachung, noch mehr Druck. So sorgt man für immer neuen Nachschub an Terrorsympathisanten. Das wollen die Terroristen.

Ich denke, die Lösug liegt weniger darin, auch über die Opfer in Kabul und Istanbul eine Homestory zu schreiben, sondern darin, über die Opfer hier in Europa so nüchtern zu berichten wie über die Opfer dort. Sicher ginge dadurch eine Menge Geld verloren für die Medien, aber das liegt an uns, die wir diese Medien konsumieren. Da können wir tatsächlich etwas ändern. Die französische Polizei hat da einen ersten Schritt unternommen und darum gebeten, die Fotos nicht mehr weiter zu verbreiten – aus Respekt vor den Opfern:


Ich denke, das ist ein guter Anfang: Nicht mehr mitmchen. Sich diesem Spiel verweigern. Es ist schlimm genug, wenn Menschen sterben. Wir müssen sie nicht noch vor unseren Wagen spannen, egal ob wir nun Medienunternehmer sind, die Geld verdienen müssen, oder entsetzte Bürger, die ihr Mitgefühl ausdrücken wollen, oder rechte Hetzer, die die Situation politisch ausbeuten wollen. Nun, die rechten Hetzer werden nicht aufhören.

Aber alle anderen: Laßt uns nicht das tun, was wir immer tun, und meinen, wir würden ein anderes Ergebnis bekommen. So definiert man Wahnsinn. Laßt uns einfach nicht mehr mitspielen, was anderes spielen. Irgend etwas Produktives.

Ich bin für Vorschläge offen.

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Gewalt erzeugt Gegengewalt

… hat man Dir das nicht erklärt? Oder hast Du einfach, wie so oft, einfach nicht genau zugehört?

So dichteten die Ärtze Anfang der 90er.

Ein neuer Anschlag, Trauer, Verzweiflung, und Rufe danach, den Terror zu bekämpfen.

Ich hab das Gefühl, wir befinden uns in einer Gewaltspirale und finden den Ausgang nicht. Wahrscheinlich haben wir aufgrund des Drehens dieser Spirale die Orientierung verloren.

Wie bekämpft man Terror? Mit Druck? Mit Gewalt? Rechnen die Terroristen nicht damit? Spielt man ihnen damit nicht in die Hände? Mittlerweile fast 15 Jahre von „Krieg gegen den Terror“ sprechen da eine eindeutige Sprache.

Ich denke, wenn wir uns auf das Spiel der Terroristen einlassen, wie wir es seit Jahrzehnten tun, dann gewinnen sie.

Durch Gewalt spielen wir ihnen in die Hände. Die Gewalt ist doch ihr Spiel! Durch sie versuchen sie, den Rechtsruck in unseren Ländern zu verstärken. Und wenn man sich das ansieht, die Rechtspopulisten um 2000 und die Rechtspopulisten heute, dann denke ich, war der Terrorismus sehr erfolgreich.

Wie wird es erst, wenn diejenigen, die keine Skrupel mehr kennen, an die Macht kommen? Noch mehr Druck, noch mehr Gewalt? Und noch mehr Terrorismus?

Gewalt ist keine Lösung, sondern macht die Probleme schlimmer. Wie bekämpft man also Gewalt, wenn man selbst keine Gewalt anwenden darf?

Nun, wie wäre es mit Gewaltlosigkeit? Klar, wennGefahr im Verzug ist, muß die Polizei handeln, das meine ich nicht. Aber tut es Not, etwa den Ausnahmezustand in Frankreich zu verlängern? Hat er die Ereignisse von gestern Nacht verhindert? Wir können nicht alles kontrollieren – das ist Wunschdenken.

Terroranschläge werden immer geschehen. Das können wir nicht verhindern, so furchtbar das ist. Aber indem wir nicht mehr mitspielen, können wir mittelfristig die Zahl der Anschläge reduzieren. Wieso sollte jemand sein Leben opfern, wenn er sein Ziel, die Radikalisierung, nicht erreicht?

So viele Islamhasser betonen immer wieder, der Islam sei keine Religion des Friedens sondern des Krieges – und rufen gleichzeitig zum Krieg gegen den Islam auf. Man meint, sie gehören selbst diesem „Islam“ an, von dem sie da reden, wenn sie das fordern, was sie grad noch kritisiert haben.

Legen wir die Waffen nieder und gehen aufeinander zu. Manche werden es nicht tun und uns verletzen. Aber das tun sie so und so. Wenn sie merken, daß wir das durchschaut haben, verlieren sie ihre Motivation.

So könnte man den Terrorismus wirklich bekämpfen.

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Freies WLAN in Berlins Kirchen – meine Kritik am GodSpot

Ein gängiges Vorurteil ist, daß „der Deutsche“ an sich eine gewisse Neigung zum Meckern hat. Das mag zum Teil stimmen, denn diese Nationalitätsbezeichnung findet sich auch auf meinen Ausweispapieren und ja, ich stehe im Begriff einen Blogartikel zu schreiben, in dem ich die Berliner Landeskirche zu kritisieren gedenke.

Wobei: „Kritik“, so versuche ich meinen populistisch und biblizistisch geprägten Gesprächspartnern immer wieder zu erklären, bedeutet ja nicht zwingend zu meckern. Vielmehr kommt es aus dem Griechischen, mein eigentlich ein Gewichten verschiedener Optionen und die begründete Entscheidung für eine eigene Meinung…

Gute Sache

Wie dem auch sei. Viele haben es vor längerem schon gelesen: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz hat beschlossen, in ihren Gotteshäusern freien WLAN Zugang zu ermöglichen. Nähere Infos gibt es auf der entsprechenden Homepage.

Daran gibt es eigentlich nix zu meckern. Vielmehr ist es eigentlich sogar ne ganz gute Sache, daß nun in den Kirchengebäuden jeder mit entsprechendem Endgerät ins Internet kommt, denn Zugang zum Internet bedeutet heutzutage Teilhabe am öffentlichen Leben. Viele Bereiche unseres Lebens sind so vom Netz durchdrungen, daß man ohne Internet Zugang deutliche Abstriche machen muß.

Also ist es doch eine gute Sache, daß die Kirche hier freien Zugang ermöglicht.

Ja und nein. Gut ist, daß sie unabhängig vom Geldbeuteln allen den Zugang ermöglicht.

Was will die Kirche erreichen?

So genau weiß ich das nicht. Meine Vermutungen gehen in die Richtung, daß man sich einerseits als cool und modern ins Gespräch bringen will – was offenbar auch klappt – und daß man andererseits versuchen will, eigene Inhalte zu pushen – etwa durch die vorgeschaltete Einstiegsseite mit Infos zum jeweilgen Kirchengebäude o. Ä.

Wenn ich es richtig einschätze, werden das alles recht kurzfristige Effekte sein. Mir drängt sich der Vergleich mit einem Strohfeuer auf. Sicherlich, im Moment ist die Kirche vielleicht modern und hipp und alle sind froh über kostenloses WLAN.

Und wie lange? So lange, wie das WLAN funktioniert. Irgendwann wird die Geschwindigkeit vielleicht nicht mehr auf dem Stand der Entwicklung sein. Wer die Kirchen kennt weiß, daß das mit Neuinvestitionen so ne Sache ist. Man sehe sich nur die maroden Kirchengebäude an. Das gilt übrigens auch für so manches Pfarrhaus. Und dann soll man noch die Technik erneuern? Was das wieder kostet!

Nein, meine Befürchtung ist, der aktuelle Ansatz wird zwar im Moment viel positive publicity bringen, vielleicht auch die Kirchenbänke füllen, wenn auch nicht unbedingt mit Gläubigen, sondern mit Netzkonsumenten, aber auf lange Sicht ist das eher mau. Mit etwas Glück bleiben vielleicht einige der Netzkonsumenten hängen, finden Anschluß an den Kirchenchor oder die Pfadfindergruppe. Aber mehr ist nicht zu erhoffen.

Genausogut könnte man Freibier verteilen, so vom Konzept her. Ist sicherlich auch wahnsinnig populär, bloß was hat man davon? Und ist es wirklich das, was unser Auftrag ist als Kirche Jesu Christi? Ist es wirklich das, wozu wir berufen sind? Ist es wirklich das, wozu wir unsere Steuermittel und Staatsleistungen einsetzen wollen?

Die positivere Alternative

EIn Freund von mir sagte einmal: Zum Frieden gibt es keine positive Alternative. Ich mag diese Denkweise: Alles darauf prüfen, ob es nicht noch bessere, positivere Alternativen gibt, an die man sich halten könnte.

Daß Krieg negativ ist, ist klar, aber wenn etwas positiv ist, kann es ja trotzdem noch bessere Lösungen geben. Was wäre also die positive Alternative zu GodSpot?

Ich will dabei in zwei Richtungen gehen – eine technische und eine gesellschaftliche. Beide sind womöglich sogar teilweise mit GodSpot schon umgesetzt oder könnten umgesetzt werden – über Infos hierzu wär ich dankbar.

Technisch gesehen

Soweit ich GodSpot verstanden habe, besteht es aus der Zur-Verfügung-Stellung eines kircheneigenen DSL Zugangs. Und Schluß. Man kann von dort ins Internet, sitzt hinter nem Router, den man nicht konfigurieren kann. Das heißt, man ist auch darauf angewiesen, daß die richtigen Ports offen für die eigenen Anwendungen sind. Womöglich werden auch nur bestimmte Ports geöffnet, so daß meinetwegen das Web und E-Mail funktionieren, andere Dienste aber nicht.

Das wäre das gute Recht der Kirche, denn sie stellt ja die Technik. Schränkt aber den Nutzen weiter ein und drängt den GodSpot Nutzer nur noch weiter in die Rolle des Konsumenten.

Aber das Internet, Computernetze überhaupt, ist ja kein Fernsehen. Es stellt nicht nur eine one-to-many Infrastruktur bereit, mit wenigen Inhaltsproduzenten und vielen Konsumenten. Es ermöglicht die gleichberechtigte Teilnahme an Kommunikation. Jeder Teilnehmer, nicht nur die Priviligierten, kann zum Sender werden. Somit stellt das Internet eigentlich eine Demokratisierung der Kommunikation dar (man könnte jetzt lange Vergleiche ziehen mit der Demokratisierung der Gottesbeziehung im AT, Gen 1, 28 und so, aber lassen wir das hier mal sein).

Diese grundsätzliche Demokratisierung der Kommunikation ist freilich nicht absolut, denn die Infrastruktur ist im Besitz bestimmter Firmen. Es kommt also im Endeffekt auf den Geldbeutel an, inwieweit der eigene Zugang demokratisiert ist.

GodSpot bietet hier nicht mehr Möglichkeiten an, als ein Internetzugang zur Verfügung stellt. Der Demokratisierungsgrad entspricht dem, was die Kirchengemeinde vor Ort sich leistet. Das ist wie gesagt immerhin etwas, aber es geht besser.

Ich habe da Freifunk im Sinn. Gerade in Berlin, aber auch in anderen Gebieten, sind da viele engagierte Menschen unterwegs. Übrigens auch in Kontakt mit verschiedenen Kirchengemeinden. Da werden die Kirchtürme dann als Funktürme genutzt.

Würde die Landeskirche sich hier einbringen mit ihrer ganzen Wucht, könnte sie einerseits auf versierte ehrenamtliche Freifunker zurückgreifen beim Aufbau des Netzes, andererseits wird mit Freifunk eben nicht nur freies Internet angeboten, sondern ein flächendeckendes Netz aufgebaut, mit einer Infrastruktur in Bürgerhand. Mithin wird die Demokratisierung der Infrastruktur dadurch vorangebracht. Es würde nicht nur jedem ermöglicht, internetbasiere Dienste zu konsumieren, sondern selbst zu recht geringen Kosten welche anzubieten. Man müßte keine Server mehr mieten, sondern könnte seine eigenen alten Rechner, oder einen Raspberry Pi, oder ein altes Smartphone, als Sevrer benutzen.

Die Landeskirche hätte damit in guter christlicher Tradition gehandelt. Wie durch die Kirchen Bildung und Fürsorge in der Fläche zugänglich gemacht wurden, würde sie hier die bessere Teilhabe an der Kommunikation voranbringen.

Meiner Meinung nach ein klarer Vorteil gegenüber der GodSpot-Lösung. Freilich könnte man sich nicht mehr allein als cool und modern anpreisen, sondern müßte den Ruhm mit den (weitgehend kirchenfernen?) Freifunkern teilen.

Gesellschaftlich gesehen

Durch die Möglichkeiten, sich an der Kommunikation als eigener Anbieter zu beteiligen, bieten sich plötzlich viele neue Möglichkeiten. Man könnte informationstechnische Schwerpunkte in der Jugendarbeit bilden. Wieso eigentlich immer nur Bands und Pfadfinder (ich vereinfache hier gnadenlos, schon klar)?

Damit könnte man ganz neue Millieus ansprechen, die bisher wohl eher (es wurde schon erwähnt) kirchenfern sind. Die Möglichkeit zur Mitarbeit bringt dabei ganz natürlich eine stärkere Bindung mit sich als der Kontakt über den bloßen Konsum am Ort der Kirche.

Technisch interessierte (junge?) Menschen würden mit den Realitäten einer Kirchengemeinde in Kontakt kommen. Washaben die eigentlich für Probleme, wie lösen die die, und was haben die immer mit diesem gefolterten Zimmermann?

Womöglich – ich lehne mich hier jetzt mal aus dem Fenster – gäbe es sogar das Potential für Bildungsprojekte. Durch den (zumindest im Prinzip) egalitären Ansatz der Kirchen, für alle gesellschaftlichen Gruppen zugänglich zu sein, könnten hier Jugendliche aus Problemfamilien Chancen erhalten, sich auf dem Gebiet der IT fortzubilden und sich eine finanziell bessere Zukunft zu erschließen. Man könnte da eine Analogie zu den Klosterschulen des Mittelalters ziehen – ohne die Verpflichtungen des Zölibats!

Fazit

Freilich kann man auch ohne Freifunk-Netz und nur im Internet entsprechende Gemeindearbeit machen. Aber die Möglichkeiten sind eingeschränkt, und ob es tatsächlich gemacht wird, ist noch nicht klar. Mit Freifunk hätte man zumindest Kontakt zu entsprechend interessierten Menschen, die sich selbst auch ehrenamtlich engagieren. Man hätte Ansprechpartner, wollte man sowas aufbauen.

Ich mache mir natürlich keine Illusionen, daß ich die EKBO da irgendwie beeinflussen könnte. Aber wenn ich jetzt lese, daß man in Mitteldeutschland auch in diese Richtung geht, möchte ich doch auf die positivere Alternative des Freifunkes hinweisen. Wer weiß, vielleicht lesen hier ja Kirchenleute mit, die das in ihrer Kirche anders umsetzen werden.

Bis dahin ist es schon ein Fortschritt, daß durch die Berliner das Thema zumindest mal auf die Tagesordnung gesetzt wurde.

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Envisioning Europe

United Kingdom EU referendum 2016 area results 2So the UK has voted to leave the EU. They didn’t like it any more to be a member. It was a democratic decision and like all democratic decisions, we all have to deal with it and take the consequences – whatever they might be.

I think we need to look into the future, the past is past and cannot be changed.

And while some speculated today about the UK being „ripped apart“, as Scotland, Northern Ireland, Gibraltar and London voted „Remain“, it is not the business of us who stay in the EU to decide upon all that. It’s the business of the Scots, Northern Irish, Gibraltans and Londoners.

As Europeans, we have to think about what to do with this Europe of ours.

Sidenote: With „Europe“ I do mean the EU here. That is not to say Great Britain wasn’t part of geographical Europe.It is and remains part of this subcontinent, just like Belarus, Transnistria or Crimea.

We need some kind of vision,or greater idea of Europe. The founders seem to have had this as a community of nations that live together in freedom, peace and wealth.

Back then they didn’t have either. They have lived in the 2nd World War, maybe even seen the 1st, they have seen how nationalism and dictatorships lead the whole subcontinent into destruction.

One can guess that this is a very impressive experience that you would want to avoid for your self and your children and you children’s children’s children…

Lucky as we are, we lack this experience. Maybe we don’t value this anymore, the peace and wealth and freedom we have – relatively to the rest of the world!

We see the burden: before all bureaucracy in Brussels and almost incomprehensible paths legislation takes there. Things do happen and we hardly understand why and on which grounds. And then we end up in blaming Greeks for supposingly wasting our money or blaming Germans for the austerity policy.

We do not act like one people, with supporters of different political ideas everywhere, but like several people fighting each other for the benefit of the own people (whether or not we in our class within our people would also benefit – and not only those in another class).

One could talk about every kind of political issue but I want to talk about structures.

I think what we need are transparent and democratic structures within the EU. So that everyone knows how laws come into existence and doesn’t feel like being controlled by others (you know, that „monster in Brussels“).

After all, it’s us who vote our national governments and our representatives in the European Parliament.

I heard that campaigners for both sides in Britain named numbers of costs and benefits from EU membership without anybody being able to confirm or repudiate. I think people should be able to check upon whether politicians do tell the truth or make things up. This would also be a strong weapon against populism of any kind, just saying.

I also think the European Parliament should have more power, at least the power to start legislation itself, and not having to wait for other European Institutions to do so. And the power to decide upon every law, like any other national Parliament within the EU.

People need to see that they are part of the whole thing and that they do actually have a say with their vote.

And then we need a narrative. The narrative of peace and wealth might still work. Maybe the narrative of how today people of the different nations cross borders and meet people from neighbouring countries like it’s the most normal thing to do, even to live there if you please. And I speak of ordinary people, not the small elites who always had the freedom to travel to other countries, learn their language and have friends there, maybe even finding their spouse.

Maybe we’d also have to celebrate it more, living in peace and being so close to one another. Is there yet a day of European Unity?

I grew up in a uniting Europe, I did benefit a lot from integration. I remember the border controls when I was a child, and how these affected life. How you always had to change money when crossing the border and what to do with the foreign coins you had left when you came back and that no bank would exchange back (I also remeber stickers in the windows of shops that read „Nous acceptons des Francs Francaises“ – translated „We accept French Francs“, but that was only in the last years before we got the Euro).

It hurts to see Europe being ripped apart, although I do think one has to respect the democratic decisions of peoples. Borders will be closed again. Nationalisms will continue to be on the rise. And I am afraid that when a war and the will to overcome that danger stood at the beginning of the process of European integration, what will be waiting for us in the end after European disintegration.

It is our obligation to shape our future and it is necessary to develop a vision of the future to do so. What is your vision?

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Özil für Deutschland

… und Boateng als Nachbarn. Ich hab ja den Eindruck, dass mich solche Videos immer als letzten erreichen. Aber falls es doch nicht so ist, möcht ich das hier zeigen, weil: Genau das! Ein wunderbares Lied, spricht mir voll aus dem Herzen.

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Pädophile Massenhochzeit im Gaza-Streifen?

Im Moment hab ich wenig Zeit, es sind gerade Amtswochen, daher hatte ich gar keinen Artikel geplant. Dann sah ich dieses Bild:

Massenhochzeit in GazaEs handelt sich um ein Bild von einer Massenhochzeit in Gaza. Und es ist sehr verbreitet im Internet (siehe google Bildersuche – gibt es auch weniger bedenktliche Bildersuchen als google?).

Soweit, so gut. In Gaza gibt es also Massenhochzeiten. Die gibt es auch bei uns, und es gibt immer wieder Versuche, größere Massenhochzeiten auszurichten, um ins Guiness Buch der Rekorde zu kommen. Wie dem auch sei.

Das alles ist ja kein Aufreger. Der Aufreger liegt darin, dass auf den weitaus meisten Webseiten behauptet wird, die Mädchen in den weißen Kleidern seien die Bräute der daneben stehenden Männer. Die Seitenbetreiber leisten damit dem Vorurteil Vorschub, dass Muslime eine Neigung zu Pädophilie hätten, jedenfalls lassen sich viele der Artikel so verstehen.

Es handelt sich allerdings nicht um die Bräute. Und das entlarvt die ganzen Webseiten „besorgter Bürger“ und anderer geistiger Brandstifter als ganz üble Hetze.

Die Mädchen sind die Cousinen der Eheleute, die in der Zeremonie eine Rolle spielen. Die erwachsenen Bräute zeigen sich nicht derart in der Öffentlichkeit.

Leider aber geht die Wahrheit in der Masse an Falschinformationen und Hetzseiten ganz schnell unter, und man braucht schon ein gewisses Misstrauen und eine gewisse Ausdauer, um etwa auf diesen Artikel zu stoßen, der die Hintergründe beleuchtet. In dem Artikel ist dann auch ein Artikel eines Reporters verlinkt, der tatsächlich vor Ort war und bestätigt, daß die Mädchen nicht die Bräute sind.

Wir leben in Zeiten der Unaufrichtigkit, in der wir mit einem Wust von Lügen dazu gebracht werden sollen, unseren Auftrag als Christen, die Menschen zu lieben, zu vergessen und statt dessen zu hassen. Der Teufel ist der Vater der Lüge, und er nutzt sie, um seien Haß zu verbreiten und Gottes Reich zu bekämpfen.

Seien wir also misstrauisch, wo immer wir zu Haß und Verachtung gedrängt werden, durch Angstmacherei und Lügen.

Einer der häufigsten Sätze in der Bibel lautet: „Fürchte Dich nicht.“ Halten wir uns daran. Und halten wir an der Liebe fest!

Update: Ich stieß gerade auf diesen Artikel, der den oben verlinkten Artikel in einigen Details korrigiert. Interessant dabei finde ich zwei Dinge:

  1. Die ursprüngliche Falschmeldung kam von einem radikalen koptischen Blog (es gibt auch unter den verfolgten Christen der arabischen Länder Radikale, die zur Lüge greifen).
  2. Die Massenhochzeiten der Hamas sind ein soziales Projekt, das allen Menschen egal welcher Religion oder Nationalität offensteht. Mir stellt sich da die Frage, ob das nicht auch etwas für unsere Kirchen wäre. Ich habe den Eindruck, dass dies bei den immer wieder veranstalteten Tauffesten der Fall ist. Wieso das nicht auf Hochzeiten, Konfirmationen und andere Feste ausweiten?

Nochn Update: @LEvangelikal hat mich drauf hingewiesen, daß es sich bei der koptischen Homepage um „Kopten ohne Grenzen“ handelt (Danke für den Hinweis). Dort hab ich die Geschichte dann auch gefunden. Allerdings handelt es sich dabei offenbar nicht um die erste Meldung (wie bei mimikama.at zu lesen), da der Artikel vom November 2012 ist und auf einen Artikel vom 5.8.2009 bei pi verlinkt. Vom pi Artikel bin ich dann zu Israel Matzav gekommen. Der Artikel datiert vom 31.7.2009 und ist bisher der Älteste. Tim Marshall, der vor Ort war und davon berichtete (ich hab den Originalbericht noch nicht gefunden) hat schon am 4. August 2009 von dem Problem berichtet, daß islamophobe Webseiten die Bilder aus dem Kontext reißen. Im Moment hege ich die Vermutung, daß der Originalartikel deshalb ausdem Netz genommen wurde.

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Verstümmele und kreuzige die Ungläubigen, wenn sie den Islam kritisieren

Wir sind immer noch bei dem Hetzbild. Mittlerweile ist es die vierte Sure, Sure 5:33. Die Übersetzung auf koran-auf-deutsch.de lautet wie folgt:

Der Lohn derer, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und Unordnung im Lande zu erregen trachten, wäre der, daß sie getötet oder gekreuzigt werden sollten oder daß ihnen Hände und Füße abgeschlagen werden sollten für den Ungehorsam oder daß sie aus dem Lande vertrieben würden. Das würde eine Schmach für sie sein in dieser Welt; und im Jenseits wird ihnen schwere Strafe;

In der Tat: Verstümmelung und Kreuzigung! Da steht es. Und das sind nur die weltlichen Strafen, im Jenseits soll noch mehr kommen.

Allerdings geht es nicht ums Kritisieren, sondern um Kriegsführung mit dem Ziel, Unordnung im Land (!) zu erregen.

Zu einer säkularen Demokratie passt das nicht. Allerdings wird diese auch nicht beschrieben. Das fragliche „Land“ ist das Reich des „Gesandten“, also Mohammeds. Dieses Reichwar weder säkular noch demokratisch – wie alle Reiche zu jener Zeit.

Man kann nun hingehen und ex post all das kritisieren – und mit Recht. Wir sind da heute weiter. Aber das ist auch billig! Es ist nicht lange her, daß in diesem Land durchaus vergleichbare wenn nciht schlimmere Grauel begangen wurden – und zwar nicht gegen Unruhestifter, sondern gegen Menschen, die einfach nur einer anderen Religion oder einer anderen Ethnie angehörten. So viel weiter sind wir nicht, wenn man bedenkt, wie viele Flüchtlingsheime brennen.

Aber verlassen wir doch die säkular-demokratische Perspektive und wenden uns der christlichen Perspektive zu:

Das Reich Mohammeds mag uns nicht sympathisch sein, doch das gilt auch vom Reich Nebukadnezars, vom Reich Salmanassers und Sargons und nicht zuletzt vom römischen Reich, wo Christen nur aufgrund ihres Glaubens (bzw. ihrer Weigerung, sich den „Werten“ der Mehrheitsgesellschaft anzupassen und dem Kaiser zu opfern) den Löwen vorgeworfen wurden.

Und was schreibt der Apostel Paulus angesichts dieser Verfolgungssituation?

Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet.
Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes; die ihr aber widerstreben, ziehen sich selbst das Urteil zu.
Denn vor denen, die Gewalt haben, muss man sich nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten.
Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut. (Röm 13, 1-4)

Jede Obrigkeit ist nach dem Apostel Paulus von Gott angeordnet. Und keine Obrigkeit trägt das Schwert umsonst. Das gilt auch vom Schwert Mohammeds.

Wer also den Koran so wortwörtlich liest, daß er mit Sure 5:33 ein Problem hat, der kann als Christ die Bibel nicht anders lesen und dann auch nichts sagen, denn die Strafe gilt denjenigen, die sich gegen die staatliche Ordnung im islamischen Reich des Mohammeds richten, und dieses Reich hat seine Obrigkeit eben auch von Gott, wie auch das römische Reich. Und es führt das Schwert so wie das römische Reich. Ob es dieses Schwert nun nutzt, um Hände und Füße abzuhauen oder ob es das Schwert zum Töten nutzt, ist Sache der Obrigkeit. Diese wird sich auch vor Gott verantworten müssen, aber eben nicht vor ihren Untertanen.

Im Koran stehen also aus heutiger Sicht fragwürdige Dinge. Aber wie ist es mit der Bibel?Sind die Ansichten des Paulus für heute so viel weniger fragwürdig? Diese kritiklose Haltung gegenüber der „gottgegebenen“ Obrigkeit hat unter anderem dazu beigetragen, daß die Kritik der Kirche an Hitler, wo sie überhaupt vorkam, doch sehr verhalten ausfiel – und das bei offen antichristlichen Zielen und Verhaltensweisen!

Unsere westliche Kultur, unsere Werte, all das geht zum Teil auf die christliche Religion und damit auch auf die fragliche Paulusstelle zurück. Auf diesen Fundamenten konnten wir eine freie Gesellschaft aufbauen.

Wieso sollte man mit den ebenso verstörenden Versen des Korans da nicht hinkommen? Wieso sollte die islamische Theologie nicht in der Lage oder willens sein, damit positiv umzugehen, so wie die christliche Theologie es schließlich geschafft hat?

Oder wenn man einem Textfundamentalismus anhängt: Dann muß man eben auch die Demut an den Tag legen, sich der paulinischen Forderung zu beugen. Schließlich ist die Liebe die stärkste Macht, die alles überwindet – und nicht der Haß.

DerKoranvers ist eben genau das: Ein Koranvers. Es kommt darauf an, was man damit macht – was die Muslime damit machen. Sofern er benutzt wird, um Gewalt zu rechtfertigen, haben wir (die) Polizei, die das staatliche Gewaltmonopol durchsetzt – indem sie Gewalttäter im Zweifel mit Gewalt im Zaun hält. Aber eben Gewalttäter, egalwelcher Religion, und nicht Anhänger einer bestimmten Religion,weil man das Vorurteil hat, die Religion mache zum Gewalttäter…

Nachtrag: Erst beim nochmaligen Lesen fällt mir auf, daß zu Verstümmelung und Kreuzigung eine Alternative genannt wird: Die Vertreibung. Das passiert gerade im Syrien, im Machtgebiet von Daesh, die ja meinen, sie würden Mohammeds Reich wieder auferstehen lassen. Und vertrieben werden nicht nur die Ungläubigen, sondern alle, die ihnen nicht passen. Wäre es da nicht umso mehr unsere Pflicht, die Vertriebenen aufzunehmen und uns ihrer anzunehmen, egal welche Religion sie haben? Vor allem, wenn wir den Koranvers kritisieren? Wer sich über den Koranvers beschwert und nichts tun will, um die Leidtragenden aufzunehmen und ihnen aufzuhelfen, wie ernst kann man den eigentlich nehmen?

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Jede Religion, außer Islam, ist inakzeptabel

So zitiert das Hetzbild Sure 3:85. Eigentlich ist es eine Zusammenfassung. Der Text der Aya:

Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt: nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.

Mir erschließt sich wie bei der letzten Aya schon nicht, inwiefern dies „zum Krieg gegen Ungläubige [aufruft]“. Der Koran lehrt also, daß der Islam die richtige Religion ist und diejenigen, die eine andere Religion haben, im Jenseits zu den Verleirern gehören werden.

Sorry, aber das war nicht anders zu erwarten. Das lehrt das Christentum in Bezug auf die eigene Religion nicht anders.

Wer von seiner eigenen Lehre überzeugt ist, wird IMMER davon ausgehen, daß andere Lehren Nachteile mit sich bringen. Auch wenn es sich nicht um Religionen handelt. Kein AfDler wird sagen, daß die Linke oder die CDU genau so gut ist wie die AfD. Das könnte man auch auf Fußball und andere Lebensbereiche übertragen – und es hat nichts mit Krieg, Gewalt oder Unterdrückung zu tun.

Daß dieser Vers hier aufgezählt wird, ist ebenso lächerlich wie der letzte. Angeblich sollen es ja mehr als 109 Verse sein, die zu Krieg und Gewalt aufrufen. Von 13 abgedruckten Versen haben sich bisher zwei als vollkommen neben dem Thema liegend dargestellt und einer als aus dem Kontext gerissen. Was steht dann wohl in den anderen 96, nicht abgedruckten Ayat? Man sollte ja denken, daß die schlimmsten aufgeführt werden. Da diese sich aber bisher als gar nicht schlimm gezeigt haben, steht die Frage im Raum, ob die Ersteller dieses Hetzbildes sich selbst ernst nehmen?

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Der Islam

Thomas hat einen interessanten Artikel geschrieben über sein Wohlwollen gegenüber dem Islam, und wieso dieses seit etwa 15 Jahren auf Eis liegt.

Er spricht dabei wichtige Punkte an, bei anderen Punkten würde ich widersprechen oder eine andere Pespektive vorschlagen. Deshalb der Artikel.

Am Anfang beschreibt Thomas, was sein Islambild prägte und wie es sich änderte. Da ich etwas jünger bin und auf dem Dorf auswuchs, wo es keine/kaum Muslime gab (irgendwann gab es eine Familie, die nach ein paar Jahren untertauchte, weil sie abgeschoben werden sollten), sind meine Erfahrungen andere.

Hkbne

Karl May – Kein Islam-Experte

Den ersten Kontakt zum Islam hatte ich bei Karl May – und das beschreibt schon das Problem: Alles Fiktion. Trotzdem hat mich Karl May geprägt, was meinen eigenen Glauben und auch meine Einschätzung anderer Menschen angeht. Bei Karl May gibt es gute und böse Christen, gute und böse Muslime, gute und böse Indianer (wobei man ehrlicherweise dazu sagen muß, daß die wirklich Guten am Ende immer zum Christentum tendieren, so Hadschi Halef Omar und Winnetou – und auch Schurken wie Old Wabble bekehren sich mitunter kurz vor dem Tod).

Kontakt mit Türken hatte ich wie gesagt kaum, erst in der Oberstufe hatte ich einen türkischen Stufenkameraden, mit dem ich weiter aber auch nichts zu tun hatte, nicht aus Ablehnung, sondern weil wir einfach in anderen Freundeskreisen unterwegs waren. Das einzige Mal, daß seine Religion durchschienwar, als unser Physiklehrer 60 wurde und wir Sekt in den Unterricht mitbrachten (um statt Unterricht zu machen zu feiern). Bei der Gelegenheit meinte der Lehrer zu dem Mitschüler: „Na, ob Allah es wohl sehen wird, wenn Du einen Schluck mittrinkst?“ Der Mitschüler ließ sich aber nicht provozieren und lehnte freundlich ab. Damit war die Sache gegessen.

In den Schulferien arbeitete ich in einem Werk von Daimler, dabei kam ich auch mit Muslimen in Kontakt – meist Studenten, die in den Semesterferien ihr Budget aufbesserten. Das waren allesamt moderne, aufgeschlossene Menschen. EIne Kollegin trug traditionelle, weite Kleidung und Kopftuch – und war trotzdem keine unterdrückte Frau, sondern hatte ihre klare Meinung und äußerte sie auch, studierte in einem fremden Land, arbeitete mit Männern im Lager  und war einfach nur ein fröhlicher Mensch.

Sonst beschränkten sich meine „Kenntnisse“ über den Islam meist auf das Fernsehen – bis ich nach Israel ins Kibbuz ging.

Dort gab es nicht nur jüdische Israelis, sondern auch arabische – mit muslimischer Religion. Und was soll ich sagen:Das waren alles freundliche Menschen. Nach dem Kibbuz machte ich noch ne Rucksackreise durch Ägypten, wo ich auch keine wirklich negativen Erfahrungen machte, während mich die Frömmigkeit der normalen Menschen etwas faszinierte. Ein durchaus modern wirkender Hoteleigentümer, der sich trotzdem an die Gebetszeiten hielt und sich eben kurz in ein Seitenzimmer verzog, um sein Gebet zu sprechen. Das Leben der Religion war dort normal, während man in Deutschland schon nicht mehr so sehr zur Norm gehört, wenn man mal eben auf die Idee kommt, ein Gebet zu sprechen, oder wenn man sagt, man geht sonntags in die Kirche.

Oder die Frauen in Ägypten, vor allem in Kairo. Ja, sie trugen Kopftuch. Besonders im Gedächtnis blieben mir die Taxifahrerinnen, die sich klar durchsetzenkonnten gegen die Männer – auch da konnte ich Unterdrückung der Frauen nicht erkennen. Sie trugen Kopftuch, ja, aber ansonsten kamen sie mir nicht weniger emanzipiert vor, als Frauen hierzulande.

Und kurz nachdem ich aus dem Nahen Osten nach Hause kam, waren die Anschläge, die Thomas dazu bewogen, das Wohlwollen auf Eis zu legen.

Ich kann nicht sagen, daß ich ein besonderes Wohlwollen gegenüber dem Islam hatte. Auch kein Schlechtwollen. Es war halt eine Religion, wie andere auch.

Ja, es waren meist gut ausgebildete Muslime, die dahinter standen und vielleicht stammten sie auch aus säkularen Familien (daran erinnere ich mich nicht mehr).Woran ich mich aber erinnere ist, daß nicht nur Frauen in Gaza, sondern auch Lehrer in Sachsen sich über die Anschläge freuten (ich erinnere mich an Radioberichte diesbezüglich und die Aussage „geschieht denen Recht“). Antiamerikanismus hat der Islam nicht erfunden und man muß kein Muslim sein, um ihm zu frönen.

Was die Herkunft der Terroristen angeht: Auch die RAF Terroristen kamen ja auch dem Establishment, oder wie viele waren Arbeiter von ihnen?

Ob und inwieweit der islamische Terrorismus jetzt mit dem Islam zu tun hat, kann man ja diskutieren. Aber niemand würde soweit gehen, die SPD zu verbieten, weil sie sich zumindest früher als Arbeiterpartei verstand – und die RAF die Arbeiter befreien wollte…

Oder anders: Die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland, zwischen katholischen Kroaten und orthodoxen Serben: Haben die nichts mit dem Christentum zu tun? Und wenn man in andere Weltregionen geht: Da gibt es in Afrika regelrechte Hexenverfolgungen in christlichen (!) Pfingstkirchen.

Religion wird und wurde immer als Rechtfertigung für alles mögliche herangezogen. Auch für Sklavenhandel und die Kreuzzüge (die auch jeweils politische und wirtschaftliche Hintergründe hatten – ebenso der Kolonialismus).

Thomas schreibt:

Trotzdem ist das Christentum in seinen Hauptrichtungen offensichtlich domestiziert und mit modernen, demokratischen und pluralistischen Gesellschaften verträglich.

Kommt darauf an, was man als Hauptrichtung ansieht. In Deutshcland sieht es wohl so aus, daß die Großkirchen in diese Richtung neigen. Vielleicht sogar in Europa. In den USA gibt es jedoch schon große christliche Gruppen, die sich sehr Ausklärungsresistent geben. Und wenn man sich AfD und Pegida ansieht, bzw deren Anhänger, dann findet man auch dort immer wieder Beziehungsnahmen zum Christentum, das ist auch hier auf dem Blog in den Kommentaren nachzuvollziehen.

Freilich würde ich sagen, daß da das Christentum genau so falsch ausgelegt wird wie damals, als man damit Sklaverei rechtferigen wollte. Aber das sagen ja auch diejenigen Muslime, die sich von den Terroristen abgrenzen wollen in Bezug auf islamistschen Terror.

Tun wir mal so, als seien diese „Ausreden“ im Christentum berechtigt und im Islam nicht.  Thomas weist darauf hin, daß Mohammed, anders als Jesus, ein politischer Führer war.

Aber war das Moses nicht auch? Würden wir dem Judentum eine Neigung zur Gewalt ebenso unterstellen wie dem Islam? Und ganz unpolitisch war Jesus ja auch nicht. Die Trennung in einen religiösen und einen weltlich-politischen Bereich halte ich im Christentum für verkehrt. Damit könnte man übrigens ganz leicht die Christen zum Schweigen bringen, die sich gegen die Ausgrenzung der Flüchtlinge aussprechen. Wer Christ ist kann IMHO nicht anders, als politisch sein. Nur läuft das zur Zeit bei uns etwas subversiver, über die Zivilgesellschaft. Die haben wir aber auch erst seit der Aufklärung (die übrigens ohne die Universitäten nicht denkbar wäre, welche sich der Einführung des Aristotelismus verdanken, welcher ohne den Islam kaum denkbar wäre).

Mit der Aufklärung verbunden wird auch die historische Kritik, die wie Thomas bemerkt, im Islam noch in den Kinderschuhen steckt. Das mag stimmen, doch spielt das eine Rolle? Die historische Kritik hat durchaus ihre Vorteile und ich möchte nicht dahinter zurück (ginge auch nicht). Aber die historische Kritik bedingt keine Gleichberechtigung und ist auch sonst kein Allheilmittel. Ebensowenig wie die Aufklärung. Hitler kam trotz Aufklärung an die Macht (der Antisemitismus wurde halt materiell und nicht mehr religiös begründet) und die Deutschen Christen hielten trotz historischer Kritik zu Hitler. Die Gegner, wie etwa Paul Schneider, hatten oft auch fundamentalistischere Züge und teilweise sehr unmoderne Ansichten (das wäre jeoch ein Thema für sich).

Wenn es nun aber darum geht, ob und wie der Islam Teil einer multireligiösen Gesellschaft werden kann, ist es IMHO unerheblich, ob er politische Ansprüche hat. Die haben die rechtspopulistischen „Christen“ mit ihrem „Christentum“ nicht minder, die hab auch ich mit meinem Christentum. Die Frage ist, wie sich das äußert.Wenn der Islam lehrt, daß Frauen sich verschleiern sollen und bei den Kindern bleiben müssen, wieso sollte das ein größeres Problem darstellen als bei ähnlichen christlichen Freikirchen? Es ist ja nicht so, daß es keine Christen ohne Kopftuchzwang gäbe.

Probleme müssen freilich benannt werden. Wenn irgend eine islamische Richtung so viel Macht bekommt, daß sie das System zu ihren Gunsten ändern kann, wie es momentan offenbar in der Türkei versucht wird, dann ist das ein Problem. Wenn die weltanschauliche Neutralität des Staates auf dem Spiel steht. Aber sind wir doch einmal ehrlich: Das ist in absehbarer Zeit nicht der Fall. Die Muslime bilden einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung, viele davon haben kein Wahlrecht und diejenigen, die es haben, bilden keine radikalislamischen Parteien (die sowieso mit Verbot durch das BVerfG rechnen müßten).

Jeder kann sein eigenes Islambild haben, ob es das von einer Religion des Friedens oder das vom Untergang der Zivilisation ist, muß jeder selbst entscheiden. Unsere Gesellschaft und unser Staat muß darauf achten,daß die grundsätzlichen Freiheiten durchgesetzt werden, wie etwa das Selbstbestimmungsrecht. Aber das gilt für alle Einwohner und Bürger, nicht nur für die muslimischen. Ein Ehrenmord ist nicht schlimmer, weil er von Muslimen statt von Christen verübt wird.

Deshalb stimme ich Thomas zu: Wir müssen die Probleme beim Namen nennen. Wir müssen uns aber ebenso hüten, Vorurteilen über die Ursachen der Probleme Raum zu geben. Wie jemand seinen Glauben lebt, das ist im Christentum sehr verschieden. EIner geht jeden Sonntag in die Kirche, der nächste betet im stillen Kämmerlein und wieder andere konzentrieren sich auf zivilgesellschaftliches Engagement, etwa bei der Flüchtlingshilfe. Wieso sollte das im Islam anders sein? Es gibt christliche Terroristen, die sich für ihre Taten auf den Glauben berufen – etwa Anders Breivik.

Diskussionen darüber, wer den besseren Glauben hat, führen nirgendwo hin. Wer weiß, ob nicht in 30 Jahren „das Christentum“ viel gewalttätiger ist als „der Islam“ heute? Wir haben immer nur Momentaufnahmen und meinen, daraus etwas für die Zukunft ableiten zu können. Wer konnte 1988 absehen, daß die Mauer fällt? Wer konnte 2000 den „Krieg gegen den Terror“ vorausahnen?

Deshalb plädiere ich – noch einmal – daß wir uns an konkreten Taten orientieren, unabhängig davon, mit welcher Bibel- oder Koranauslegung man diese zu rechtfertigen sucht.

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Der Moslem hat keine Gemeinschaft mit Gott, wenn er Ungläubige zu Freunden hat

So der zweite Satz auf dem Hetzbild, angeblich Sure 3:28. Nach der Übersetzung von Rudi Paret lautet die Aya so:

Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen. Wer das tut, hat keine Gemeinschaft (mehr) mit Allah. Anders ist es, wenn ihr euch vor ihnen wirklich fürchtet. (In diesem Fall seid ihr entschuldigt.) Allah warnt euch vor sich selber. Bei ihm wird es (schließlich alles) enden.

Einmal abgesehen davon, daß die Bibel ebenfalls einige Verse kennt, die dazu ermahnen, keine Gemeinschaft mit der Welt zu haben (2. Kor 6, 14, Eph 5, 6-8 etc), ist die Aussage doch auch schlicht logisch:

Wer Ungläubige zu Freunden hat statt Gläubige, der ist in der Gesellschaft der Ungläubigen und nicht in der Gesellschaft, in der der Gott der Gläubigen verehrt hat. Wenn ich Dortmund-Fan bin und nur mit Bayern Fans rumhänge, inwiefern bin ich dann wirklich Dortmund Fan? Wo kann ich die Fangesänge singen? Wo mich über ihre Tore freuen? Dann gehöre ich nicht mehr dazu.

Das ist nichts Positives oder Negatives. Menschen mit gemiensamen Interessen und Ansichten haben Gemeinschaft – das ist ganz normal. Das gleiche gilt auch für Muslime, wieso auch nicht?

Das ist kein Aufruf zum Krieg, kein Aufruf zur Gewalt, nicht dergleichen. Es ist eine ganz normale, alltägliche Erkenntnis: Wer sich mit Leuten umgibt, die andere Interessen haben, lkann seinen eigenen Interessen nicht oder nur eingeschränkt folgen, deshalb hält sich ja jeder auch an Menschen, mit ähnlichen Interessen.

Das führt nicht zu Krieg, nicht zu Gewalt, nicht zu Mißachtung – oder blicken Dartspieler generell auf Hobbyköche herunter?

Daß diese Aya in der Auflistung des Hetzbildes überhaupt vorkommt, ist lächerlich. Aber so ist diese Hetze ja allgemein meist…

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