Neues Plugin

Wer hier öfters liest weiß, daß ich mit meinem Keyboard des öfteren auf Kriegsfuß stehe, sprich: Es kommen immer mal wieder Tippfehler vor, die mir nicht (gleich) auffallen.

Eine Möglichkeit, das zu beenden, wäre den Text durch eine Rechtschreibprüfung zu schicken. Leider scheint es keine entsprechenden Plugins für WordPress zu geben, die auch des Deutschen mächtig sind.

Was es aber gibt, ist das Webmaster Spelling Notification Plugin. Das heißt, wer einen Tippfehler (oder sonst einen Fehler) findet, muß ihn nicht behalten oder xtra nen Kommentar schreiben, sondern kann den Fehler mit der Maus markieren, Strg+Enter drücken und mir dann so kurz ne Nachricht schicken.

Natürlich bin ich weiterhin bemüht, die Fehlerquote gering zu halten.

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Wer leichter glaubt wird schwerer klug

Ein alter Freund hat mir vor kurzem einen Link zu folgendem Video geschickt mit den Worten: „Unrecht hat er nicht…“

In diesem Artikel will ich mich mit dem Video befassen, nach einer kurzen Einordnung.

Der Herr der da spricht heißt Philipp Möller und ist einer der Funktionäre der Giordano Bruno Stiftung (gbs), gegründet von Herbert Steffen, einem enttäuschten Fundamentalisten (ich beziehe mich hier auf den taz Text, nach dem er die Bibel wortwörtlich verstand wie protestantische Fundamentalisten, für römische Katholiken eigentlich ungewöhnlich), der früher viel Geld in die römisch katholische Kirche steckte und seit seiner Konversion „Kirchenkritiker“ wie Deschner unterstützt, neben der gbs mit ihren ganzen Aktionen.

Die gbs sieht sich als Interessenvertretung der religionsfreien Menschen in Deutschland, was bezweifelt werden kann, da die große Mehrheit der Religionslosen eben nicht Mitglied der gbs ist. Trotzdem erfahren sie durch geschickte Medienarbeit und ihre finanziellen Möglichkeiten große Aufmerksamkeit.

Zur Rede von Herrn Möller:

Er beginnt seine Rede schon mit einem Angriff auf die Person Mattussek:

Wer leichter glaubt wird schwerer klug.

Nun muß man Herrn Mattussek nicht mögen, aber dieser Satz zeigt deutlich den Modus an, in dem Herr Möller spricht: Von oben herunter, belehrend (als Pädagoge sollte er das anders können und nicht auf dem Stand von 1900 verharren) und auf Effekt getrimmt. Inhalt kann vernachlässigt werden, denn was ist der Inhalt: Gläubige Menschen sind dumm? Dafür bringt er keinen Beleg. Muß er auch nicht, er setzt auf die Emotion, den rhetorischen Effekt, der klar machen soll: Der Katholik Mattussek ist schon wegen seines Glaubens blöd, der Atheist Möller ist jeodh klug, denn er hat den Glauben hinter sich gelassen.

Dann zählt er auf, warum es leicht ist, Religionskritiker zu sein:

  1. Weil es „absurd“ sei, an einen Gott zu glauben, weil man sein Gegenteil nicht beweisen kann.
  2. Weil man weltweit beobachten kann, wie die Religion Menschen spaltet mit dem Denken „Wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen“. So entstünden nach Möller Kriege oder würden begünstigt.
  3. Weil sie (also die „Kirchenkritiker“) so viele Vordenker hätten. Er nennt Darwin, Nietzsche, Marx, Feuerbach und Kant.
  4. In letzter Zeit hätte sich der Job des Kirchenkritikers von alleine gemacht, angesichts der „massiven Vertuschung“ bei den Mißbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen.

Dem gegenüber stünden Gründe, wieso es schwer sei, „Kirchenkritik“ zu betreiben:

  1. Weil Kirchenleute mit staatlichen Mitteln rhetorisch ausgebildet werden. Er meint das Theologiestudium.
  2. Weil Menschen, die „erfolgreich indoktriniert wurden“ sich selbst immunisieren würden und auf „Kritik“ beleidigt reagierten.
  3. Weil Politiker uns weismachen würden, wir genießen hier die Werte des christlichen Abendlandes, obwohl Demokratie, Menschenrechte, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau gegen Religionen erkämpft werden mußten.
  4. Wegen der Caritas Legende: Kirchen würden so viel Gutes tun. Caritas und Diakonie würden allerdings nur zu 1,8% von den Kirchen finanziert, der Rest kommt aus der öffentlichen Hand.

Allerdings sei der Job (des „Kirchenkritikers“) „bitter nötig“, solange

  1. religiöse Gruppierungen meinen, im Besitz absoluter Wahrheiten zu sein
  2. Bistümer von Steuergeldern finanziert, aber nicht demokratisch, sondern vom Vatikan gesteuert werden
  3. wir „Berufschristen“ dafür bezahlen, Homosexualität als Sünde bezeichnen, die wider die Natur ist.
  4. wir die nötige Kritik am Islam als islamophob oder rassistisch abtun

solange kann und muß, nach Möller, Religion kritisiert werden.

Seine Alternative lautet Aufklärug und Humanismus. Diese hätten drei Stützpfeiler:

  1. Wissenschaft, um Erkenntnis über die Welt zu erlangen
  2. Philosophie, um diese Erkenntnisse zu deuten
  3. Kunst, um dem Wunsch des Menschen nach Kreativität und Lebensfreude gerecht zu werden.

Er fordert, daß Religion Privatsache sein soll, was für ihn bedeutet: politische, jurristische und finanzielle Trennung vom Staat.

Er fordert eine Ethik, die sich an den Interessen des Menschen und aller anderen Tiere orientiert statt einer gottgefälligen Moral.

Dann bringt er noch ein paar Schlagwörter: Diesseits statt Jenseits, Heidenspaß statt Höllenqual und beschließt das ganze wieder mit einer Abwertung der Religion als „Mythologie, die von einer primitiven Hirtenkultur entwickelt wurde“.

Hat er Recht?

Der Einfachkeit halber, gehe ich an der Rede entlang. Dadurch können sich Dinge wiederholen, allerdings ist es für mich so einfacher und schneller zu schreiben. Es wird nicht jeder von Herbert Steffen fianziert und hat sonst nix zu tun, als solche Reden zu halten.

Zu den Punkten, warum es angeblich einfach ist, Religionskritiker zu sein:

Als ersten Punkt nennt er den, daß es absurd ist, an etwas zu glauben, weil das Gegenteil nicht bewiesen werden kann. Ich frage mich, ob ich in meinem Leben je einen Christen oder sonst einen Gläubigen getroffen habe, des deshalb an Gott glaubt, weil das Gegenteil nicht bewiesen werden kann. Der Glaube an Gott ist kein Für-Wahr-halten. Glauben im christlichen Sinn ist ein Vertrauen, kein Für-Wahr-halten. Man vertraut auf etwas, ob man es nun beweisen kann oder nicht. Beweise, Belege, Begründungen sind in den Naturwissenschaften wichtig. Und darauf baut Möller, das ist in unserer aktuellen Kultur Common Sense, daß alles irgendwie bewiesen sein muß.

Dem ist nicht so. Vieles verstehen wir nicht, vieles können wir nicht erklären, und gehen trotzdem damit um. Um Auto zu fahren muß ich nicht verstehen, wie ein Motor funktioniert. Ich vertraue darauf, daß das schon geht. Wenn nicht, geh ich zum Mechaniker wiel ich darauf vertraue, daß der es reparieren kann.

Ob er das kann, weiß ich nicht. Letztendlich ist es für den, der das Auto nutzen will auch egal, ob der Mechaniker das Auto nun mit Ersatzteilen oder dem Elderstab und seinen Kenntnissen aus den Hogwarts Filmen repariert. Hauptsache, es läuft am Ende.

Dabei sind Autos noch relativ nachvollziehbar. Wie sieht es aber mit Computersoftware au? Millionen nutzen auf ihren Rechnern und Mobilgeräten Software, deren Funktionsweise sie nicht kennen und nicht nachprüfen können. Sie vertrauen darauf, daß die Programme das tun, was der Hersteller vorgibt und sind sauer, wenn das nicht so gut läuft. Ob und was die Programme sonst noch tun, weiß der Anwender nicht. Aber er vertraut darauf, daß schon alles seine Richtigkeit hat.

Christen glauben an Gott, weil sie ihn erlebt haben. Sie deuten die Wirklichkeit anders als Atheisten. Sie haben eine andere Philosophie, die nicht auf materialistischen Fragen von Existenz und Nichtexistenz aufbaut, sondern auf Beziehung, Vertrauen und anderen existenziellen Werten.

Für Möller ist das offenbar nicht nachvollziehbar, und das ist okay. Aber dann soll er doch bitte keine Strohmänner aufbauen.

Der nächste Punkt, den er bringt ist, daß angeblich Religionen Menschen salten würden in die und wir, und daß damit Kriege begründet oder mindestens begünstigt werden.

Mein Eindruck ist, wenn man in die Geschichte schaut, daß Religion oft als Grund für Kriegsführungen mißbraucht wurde. Dazu bedient sich derjenige, der einen Krieg will, durchaus der wir gegen die Rhetorik, die er bei Religionen ausnutzen kann. Nur sind solche Strukturen nicht auf Religionen beschränkt, sie sind allgemein menschlich. Möller baut ja selbst so eine wir-die Struktur auf, indem er zwischen Gläubigen und Atheisten unterscheidet und die Gläubigen so hinstellt, als würden sie auf viele Weisen bevorzugt, während die Atheisten marginalisiert würden. Auch damit ließen sich Kriege begründen. Unreligiöse Ideologien haben regelmäßig zu Kriegen geführt, die mit einer wir gegen die Struktur begründet wurden. Wahrscheinlich liegt das allen Kriegen zu Grunde: Wir gegen die. Religionen begünstigen hier nichts. Wenn es nicht die Religion ist, ist es die „Rasse“, die „Freiheit“ oder „das Volk“, für das man in den Krieg zieht. Die Mächtigen haben eine große Auswahl. Sie werden immer das nutzen, womit sie die meisten Menschen mobilisieren können.

Religionen haben übrigens auch Anteile, die genau dieses Denken bremsen, wenn sie es auch nicht ganz verhindern können. Dem wir gegen die des Rassismus in den USA trat Martin Luther King mit dem christlichen Glauben entgegen. Dem wir gegen die der Bush-Kriege trat der Papst und Bushs eigene Kirche entgegen. Dem wir gegen die der Nazis trat die Bekennende Kirche entgegen. So einfach, wie Möller die Welt gerne hätte, ist sie nicht. Freilich, er behauptet Dinge, die oberflächlich so gesehen werden können, aber eben nur oberflächlich. So macht man Stimmung, so lenkt man Emotionen.

Als Drittes nennt er verschiedene „Vordenker“ und läßt etwa unter den Tisch fallen, daß Darwin Theologie studiert hatte und zwischen seinen Forschunsgergebnissen und der Religion keinen Widerspruch sah. Und Kant hat vielleicht die bekannten Gottesbeweise widerlegt und sich für die Unmöglichkeit eines Gottesbeweises ausgesprochen, war aber sicher kein Atheist. Die anderen Personen haben durchaus Kirchenkritik (ohne Gänsefüßchen) betrieben, aber deren Argumente sind heutigen Theologen bekannt und sie teilen sie großteils. Wenn Marx sich dagegen ausspricht, die Menschen mit Hilfe der Religion zu unterdrücken, steh ich voll auf seiner Seite. Daß Marx wahrscheinlich an keinen Gott glaubte, stört mich dabei weniger. Nur wie sehr verfängt denn die Marx’sche Kritik heute? In unserer heutigen aufgeklärten Welt, wer wird denn noch von der Kirche dumm und in Abhängigkeit gehalten? Die Kritik war gut und wichtig, als sie angebracht wurde. Und es ist gut und wichtig, sich daran zu erinnern. Es ist aber keine Kritik, die man heute einfach so wiederholen kann als sei die heutige Kirche die des 19. Jahrhunderts. Würde Möller konkret Unterdrückte benennen, könnte man sich zusammen setzen und drüber reden, wie wir das ändern. Aber darum geht es ja nicht. Zu den anderen Personen könne man ähnliches sagen.

Als letzten Punkt für die Einfachkeit der „Kirchenkritik“ nennt Möller die Vertuschung im Umgang mit dem Mißbrauch, und da muß man ihm Recht geben. Das ist ein konkreter Mißstand, an dem etwas geändert werden muß. Ich erlebe in meiner Kirche, daß es da eine Sensibilität gibt. Inwieweit die besser ist als früher kann ich nicht sagen, da ich da noch nicht in der Kirche gearbeitet habe.

Würde Möller sich auf diesen Punkt konzentrieren und sich an einer Debatte zur Verbesserung der Situation beteiligen, das wär ne Sache. Aber sein Ziel ist hier nicht ein Ende des Mißbrauchs in der Kirche, sondern ein Ende des Mißbrauchs durch ein Ende der Kirche.

Kommen wir zu den schweren Punkten und da nennt er, ich mußte fast lachen, das Theologiestudium als staatlich finanzierte Ausbildung in Rhetorik. Nun, er als Nichttheologe beweist ein durchaus erhebliches rhetorisches Geschick. Wie gesagt, er schneidet viele emotionale Punkte an, ohne viel Inhalt zu bringen und punktet damit. Ich weiß nicht wie es im Pädagogikstudium ist, aber im Theologiestudium kommt Rhetorik kaum vor. Eine Schulung habe ich darin nicht erfahren, das muß man sich als Theologe andernorts holen, wenn man das will. Ebenso wie auch Herr Möller. Daß das Studium der Theologie vom Staat finanziert wird, stimmt. Aber das gilt ebenso für das Studium der Pädagogik, das er genossen hat, und das er nun einsetzt in seiner Rhetorik für die gbs und gegen die Kirchen. Gleiches gilt für Ingenieure, Betriebswirte und hunderte andere Studiengänge. Allerdings werden die theologischen Fakultäten auch von den Kirchen mitfinanziert. Der Staat steht hier nicht alleine im Obligo. Im Vergleich zu anderen Fakultäten, macht er hier ein Plus.

Der zweite Punkt ist der mit der Indoktrination. Auch dieser Punkt kann in beide Richtungen ausgelegt werden. Im Grunde unterstellt er aber nebenbei Andersdenkenden, indoktriniert worden, also nicht mehr ganz zurechnungsfähig zu sein, weshalb ich das jetzt nicht weiter ausführen will, weil ich diese Prämisse nicht annehmen möchte.

Im dritten Punkt geht es um die Erkämpfung verschiedener Rechte gegen die Religionen. Hier sollte Herr Möller noch einmal in ein Geschichtsbuch sehen. Diese Rechte wurden in der Neuzeit erkämpft. In einer Zeit, als die Macht der Kirche weitgehend gebrochen war und die absolutistisch regierten Nationalstaaten die Macht in den Händen der weltlichen Fürsten bündelte. Die Französische Revolution richtete sich in erster Linie gegen die Monarchie, nicht gegen die Kirche. Einen Anfang nahmen die Freiheitsrechte übrigens bei einem bekannten Mönch, der an seinem Glauben auch gegen Papst und Kaiser festhielt und einem 30 Jahre währenden Krieg, den die gbs nicht zögern würde als einen der durch die Religion begründeten Kriege zu bezeichnen. Am Ende dieses Krieges standen weitreichende Freiheitsrechte, was den Glauben angeht, mithin Grundstein für weitere Freiheitsrechte und erfochten nicht gegen Religion, sondern unter den damaligen Religionen. Nebenbei ging es natürlich um Macht.

Anders gesagt: Ohne die Religionen und ihren Konflikt untereinander wäre es zur Religionsfreiheit nicht gekommen und damit wohl auch nicht zu all den anderen Freiheiten, die folgten, wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Menschenrechte. Was die Glechstellung von Mann und Frau angeht sehen wir ja gerade, wohin der Laizismus führt, wenn in Frankreich Männer tragen können, was sie wollen, wenn sie am Strand sind, während Frauen mitunter genötigt werden, sich zu entblößen. Schöne Gleichberechtigung.

Der letzte Punkt, die „Caritas-Legende“. Ich frage mich, wo Möller seine Zahlen her hat. So weist das Kindertagesstättengesetz von Rheinland-Pfalz einen Personalkostenanteil des Trägers zwischen 5% und 15% aus, je nach Gruppenanzahl, -größe und Ausrichtung. Außerdem sind die Sachkosten vom Träger zu zahlen – wobei man sehen muß, daß es hier oft Verträge mit der Kommune gibt, die sich je nach dem beteiligen – allerdings ist deren Geld auch knapp.

Sicher ist es möglich, daß durch Krankenhäuser und andere Einrichtungen der Schnitt noch sinkt, allerdings scheint mir 1,8% doch relativ klein. Leider nennt Möller keine Quelle. Umgekehrt müßte man aber einmal fragen, wer für diese 1,8%, wenn es wirklich so wenig ist, aufkommt? Und ob dies nicht doch die Allgemeinheit entlastet. Die gleichen Bedingungen haben übrigens auch alle anderen freien Träger. Möller könnte sich also ebenso hinstellen und behaupten, das Rote Kreuz oder die AWO würden nichts Gutes tun. Das behauptet er nicht. Wär auch nicht populär. Der Kirche kann man es, um des Effektes Willen, unterstellen.

Nötig sei die Religionskritik, solange Gruppen meinen, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, meint Möller. Ich möchte ihm da widersprechen. Kritik ist immer nötig und gut, denn ohne Kritik kann man nichts verbessern. Dann aber bitte auch Kritik, und keine Stimmungmache mit platten, populären Behauptungen, die sich auf den ersten Blick vielleicht richtig anhören und Emotionen ansprechen, aber in der geäußerten Form kaum haltbar sind. Mir steht kein Fall vor Augen, in dem die gbs Kritik in konstruktiver Form geäußert hätte. Es geht immer um das Destruktive, wie es die Ideologie der gbs vorgibt.

Als nächstes spricht er die Staatsleistungen an und meint, Bistümer würden vom Staat finanziert. So ist es nun nicht. Nicht die ganzen Bistümer, sondern der Bischof und evtl. weitere Körperschaften am Bistumssitz werden finanziert, und zwar aufgrund alter Verträge. Diese Verträge sollen seit der Einführung der Weimarer Verfassung abgelöst werden. Nur bremst hier der Staat. Nicht, weil er so kirchenfreundlich wäre, die Kirchen hätten mit der Ablösung kein Problem, wie sie bereits äußerten. Sondern weil es teuer würde.

Im Grunde geht es darum, daß der weltliche Staat vor langer Zeit große Gebiete und Rechtsansprüche von kirchlichen Körperschaften übernahm und sich dafür verpflichtete, die Fianzierung kirchlicher Belange selbst zu übernehmen, weil die Kirchen dies nun nicht mehr konnten. Das ist im Groben auch heute noch der Stand. Eine Ablösung wäre eine Entschädigungszahlung von den Ländern an die Kirchen. Das wollen die Länder nicht, wiel es teuer würde, viel teurer als die Finanzierung von einer Hand voll Bischöfen.

Jetzt kommen einige gbs Fanboys und sagen, man habe ja bereits lange genug gezahlt an die Kirchen, jetzt sei gut und man könne die Zahlung ja einfach absetzen. Aber was hätte China gesagt, wenn die Briten einfach Hong Kong behalten hätten – ohne Pacht gezahlt zu haben? Eben. Gültige Verträge sind einzuhalten, das ist ein grundlegendes rechtliches Prinzip. Wäre dem nicht so, bräuchte man keine Verträge zu schließen. Wenn hier also Kritik geübt wird, dann doch bitte an die richtige Stelle wenden, an den Staat. Denn die Kirchen können hier nichts ändern. Sie sind der staatlichen Gesetzgebung genau so unterworfen, wie jeder von uns.

Der nächste Punkt waren die „Berufschristen“, die „wir“ dafür bezahlen, Homosexualität als Sünde wieder die Natur zu bezeichnen.

Nun, man kann diese Einstellung freilich kritisieren, das passiert mitunter auch innrhalb der Kirche – und viel deutlicher als von der gbs. Aber ob jemand ein „Berufschrist“ ist, sollte keinen Einfluß haben. Und wer ist dieses „wir“, der den bezahlt? Sicher nicht die gbs. Auch nicht der Steuerzahler. Die Pfarrbesoldung wird aus den Einnahmen bestritten, also vor allem Kirchensteuermitteln. Und Möller gehört sicher nicht zum „wir“ der Kirchensteuerzahler.

Nebenher gesagt: Es wird auch kein „Berufschrist“ dafür bezahlt, genau das zu sagen. Manche haben den Auftrag zur Verkündigung. Die besteht aber nicht im Kern aus Homophobie – weder bei Katholiken noch bei Protestanten!

Und dann komm noch der Satz mit der Islamophobie. Dazu nur kurz ein paar Worte: Kritik ist immer gut und nötig, wie schon geschrieben. Allerdings hat die gbs mit ihren Veröffentlichungen und in ihnen nahe stehenden Internetauftritten „Islamkritik“ in einer Weise betrieben, die einer Abwertung gleich kommt und ein Stück weit auch den Boden bereitet hat für Pegida und AfD. Mir ist hier noch keine Distanzierung bekannt in dieser Hinsicht. Und da muß es dann auch einmal gestattet sein, die Frage zu stellen, ob die gbs gbs-Kritik betreibt, so wie Kirchenvertreter Kirchenkritik betreiben und gut heißen? Gerade in Hinblick auf den Bezug auf die Aufklärug täte es der gbs IMHO gut, hier aktiv zu werden.

Ja, Religion muß kritisiert werden. Aber nicht, weil Religionsanhänger anders denken als Möller – um seine Punkte mal in einen zusammen zu fassen, sondern weil Kritik (ohne Gänsefüßchen) grundsätzlich eine gute Grundhaltung ist – gegenüber allen Institutionen.

Was er als Alternative anbietet, Aufklärung und Humanismus, ist keine, denn das gibt es ebenso in den Religionen. Auch die „Stützpfeiler“ kommen dort vor. Das angebliche Rhetoriktraining ist ein wissenschaftliches Studium, das die gleichen Methoden anwendet, die andere Wissenschaften anwenden, das diese Methoden teilweise sogar entwickelt hat, die dann später von anderen Wissenschaften – der Geschichte, den Sprachen, der Literatur, übernommen wurde. Auch Philosophie spielt eine Rolle im Theologiestudium und gerade Kunst hat in der Kirche einen hohen Stellenwert. Wer je eine Kirche betreten hat oder eine Bachmesse hörte, hat es selbst erfahren. Dagegen sehe ich wenig künstlerische Aktivität im Umfeld der gbs. Vielleicht liegt es aber auch an mir.

Kommen wir zu den abschließenden Phrasen, denn etwas anderes ist es nicht:

Trennung der Religion in juristischer, fianzieller und politischer Hinsicht vom Staat. Mir ist nicht klar, was er damit meint. Daß Religionsangehörige nicht mehr staatlich belangt werden können? Das wohl kaum. Daß Religionsangehörige vor den Gesetzen gleich sind? Das ist der Fall. Wie gesagt, eine Phrase, ebenso wie die von Höllenqualen und Heidenspaß. Wollte man seine holzschnittartige Darstellung des Religiösen teilen, dann sind das ja eben gerade keine Alternativen. Nach diesem fundamentalistischen Verständnis (das er offenbar für DIE Religion hält, womit dann klar ist, warum alle Religiösen zu Fundamentalisten werden) folgen auf den Heidenspaß ja die Höllenqualen, aber es hört sich halt gut an.

Zum Abschluß muß ich dem Herrn noch einmal einen Blick in die Geschichtsbücher empfehlen. Das römische Reich, auch der hellenistisch geprägte Osten desselben, war keine primitive Hirtenkultur. Das war Hochkultur. Die selbe Hochkultur, die die griechischen Philosophen hervorbrachte – und die attische Demokratie, die man doch sonst in neoatheistischen Kreisen so hoch hängt. Hier geht es wiederum nur um Abwertung, um die Emotion, darum, sich besser und intelligenter zu fühlen als „primitive Hirten“. Wie arm. Und was für ein Zeugnis für den Geist der Aufklärung und des Humanismus, den Herr Möller vertritt.

Tja Herr Möller, si tacuisses, philosophus manisses. Oder auch nicht.

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Viral Evangelisierung?

Your argument is invalid

Bild: von Oxford_shark.jpg: Der ursprünglich hochladende Benutzer war SGBailey in der Wikipedia auf EnglischText by the wub. (Oxford_shark.jpg) [Public domain], via Wikimedia Commons

Es ist ja fast schon ne ganze Weile her, daß Social Media in aller Munde war und jeder irgendwie dazu wollte. Bei kathpress.at bin ich nun auf einen Artikel gestoßen, in dem genau das wieder gefordert wird:

Kirche müsse diese neue mediale Lebenswelt aktiver nutzen, „da dies eine der zentralen Arenen der Meinungsbildung und damit des Politischen heute darstellt“.

Im Artikel geht es auch um den Einfluss verschiedener antidemokratischer Gruppierungen, der zurückgedrängt werden soll.

Ich denke sowas geht nur über den Einsatz von Privatpersonen, aber wieso nicht kirchlich gebundene Privatpersonen. Nur was kann die Kirche da tun? Aufrufen, die Stimme zu erheben, und eventuell Unterstützung geben in Form von Zahlen und Fakten, die in einer Diskussion verlinkt werden können. Vor über 5 Jahren habe ich ähnliches schon einmal formuliert.

Aber was kann Kirche denn in ihrem ureigensten Feld tun, der Verkündigung? (Sakramente übers Netz sind so ne Sache, will ich jetzt eher nicht drauf eingehen.)

Irgendwie kamm mir der Gedanke, daß es doch cool wäre, per demotivational poster, image macro oder sonstigen Inhaltsformen zu uverkündigen. Wenn da das ein oder andere viral geht, kann man schon viele Menschen erreichen.

Es muß nichts grundlegend Neues erfunden werden. Die Formen gibt es schon, die haben andere erfunden (Luther griff auch auf den Buchdruck zurück und auch das Flugblatt hat er wohl nicht erfunden – aber nachhaltig genutzt).

Denkbar sind auch Youtube-Videos in einer der populären Kategorien – ich hab da selbst keinen Überblick, aber die Videos lassen sich schon einteilen nach Inhalt und Struktur.

Eine mir bekannte Form ist das Let’s Play, bei dem man Computerspierlern beim Spielen zusehen kann. Mir kommt gerade der Begriff Let’s Pray in den Kopf. Kann sich jemand vorstellen, wie so etwas aussehen könnte/müßte/dürfte, wenn es so interessant sein wollte, daß es geklickt wird?

Womöglich könnte man auch systematisch an die Sache rangehen, die existierenden Formen erst mal auflisten und analysieren, wie sie funktionieren, was sie erfolgreich macht, und was eher nicht so geht.

Davon ausgehend könnte man dann eigene Exemplare entwickeln und so verkündigen. Ich weiß, das sind jetzt nur lose, unausgegorene Gedanken. Aber ich dachte, ich schreib es mal auf, bevor der Gedanke weg ist.

Was meint Ihr?

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Wachstum

Bei miteinander.at hab ich ein Interview gelesen in dem es um die Frage geht, was Gemeinden wachsen, und was sie schrumpfen läßt. Nun bin ich weder Österreicher noch römisch-katholisch, aber die Probleme scheinen die gleichen zu sein. Nach der Firmung, bei uns nach der Konfirmation, gibt es meistens einen Abriß und man sieht die Leute nicht mehr.

Mit viel Glück sieht man sie bei der Hochzeit wieder und kann den verlorenen Kontakt wieder aufnehmen, und wenn Kinder kommen und getauft werden sollen, vertiefen. Nur gibt es inzwischen immer weniger kirchliche Trauungen, und getauft werden auch nicht mehr alle Kinder.

Ich will jetzt gar nicht so sehr auf das Interview eingehen, nur zwei Dinge erwähnen, die mir auffielen:

  1. Man geht davon aus, wie fast überall, daß Erfolg quantitativ meßbar ist.
  2. Man geht nicht mehr davon aus, daß dies unmittelbar geschehen kann, sondern stellt in Rechnung, daß manch gute Statistik über schwerwiegendere Probleme in anderen Bereichen hinwegtäuschen können.

Man merkt es vielleicht schon an der Wortwahl: Ich denke, wir sollten Abschied nehmen von dem Gedanken, kirchlichen Erfolg quantitativ feststellen zu können. Da passiert so viel im Verborgenen und über eine lange Zeit, da gibt es so viele Einflüsse, die man gar nicht alle überschauen kann. Sich dabei immer auf Zahlen zu konzentrieren – welche auch immer – würde meines Erachtens nach zu viele Kräfte binden, die man sinnvoller einsetzen könnte.

Man denke allein an die angedachte Erhebung zur Einstellung der Gefirmten nach einem Jahr. Was für ein Overhead! Was für eine Bindung von Kosten und Personal! Ich denke, man sollte nicht mehr Daten erheben, sondern vielleicht sogar weniger.

Was sagen mir Eintritts- und Austrittszahlen? Diese korrelieren oft mit entsprechenden Schlagzeilen bezüglich der Kirche. Gibt es wirklich jemanden, der schon einmal fruchtbar irgendwelche Konsequenzen aus diesen Zahlen abgeleitet hätte?

Ich denke, wir sollten als Kirche uns darauf konzentrieren, was unser Auftrag ist. Unser Auftrag ist nicht, Zahlen zu generieren. Unser Auftrag ist nicht, eine gewisse Füllung der Kirchengebäude zu erreichen am Sonntag.

Unser Auftrag als Kirche ist: Verkündigung und Sakramentenverwaltung. Alles andere folgt daraus, und zwar quasi automatisch. Diakonie oder Caritassind natürlich unverzichtbar für die Kirche. Aber nicht, weil wir das tun müssen, sondern weil es sich ergibt aus dem, was wir eigentlich tun.

Wo dies nicht der Fall ist, fällt unsere Verkündigung womöglich auf unfruchtbaren Boden. Wo sie aber auf fruchtbaren Boden fällt, können wir Strukturen anbieten, innerhalb derer caritativ-diakonisch gearbeitet werden kann. Strukturen, innerhalb derer man Gemeinschaft haben kann, innerhalb derer man sich überlegt, wie man die Welt zum Besseren verändern kann, als Gemeinschaft der Heiligen.

Aber Grundlage ist Verkündigung und Sakramentenverwaltung. Botschaft und Gemeinschaft.

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Sympathy for the Devil

Bundesarchiv Bild 183-S33882, Adolf Hitler retouched

Unser Bürgerrecht ist im Himmel. Gilt das auch für ihn?
Bild: Bundesarchiv, Bild 183-S33882 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Angenommen, wir kommen in den Himmel – und als Christen glauben wir ja daran: wen wollen wir dort treffen? Wen werden wir dort treffen? Und was, wenn wir ganz andere Leute dort treffen, als wir vermuten?

Wir leben in dieser Welt, sind Sünder, für wie gut oder besser als andere wir uns auch immer halten. Grundsätzlich haben wir kein Recht auf den Eingang in den Himmel, wir können es nicht gerechter Weise erstreiten. Gott gewährt diese Nähe zu Ihm in seiner Gnade zu uns. Verdient haben wir das nicht – keiner von uns.

Doch als Sünder die wir sind, haben wir natürlich auch ein verqueres Weltbild. Dazu gehören gewisse Vorstellungen darüber, daß es vielleicht doch Menschen gibt, die so schlimm sind oder waren, daß sie bei Gott kein Gehör finden können, keins finden dürfen, weil sie halt doch noch mal ne ganze Schippe schlimmer sind oder waren, als wir.

So denken wir. Aber müssen wir nicht auch, auf dem Weg in den Himmel, unser altes Wesen ablegen? Müssen wir nicht auch all die Lieblosigkeit ablegen, die uns hier noch bestimmt und vielleicht auch selbst bedrückt? Müssen wir nicht erst gewahr werden, daß wir Sünder sind und was für Sünder wir sind? Müssen wir nicht alle die Konsequenzen unserer Taten erkennen und sie annehmen lernen als durch unsere Schuld verursacht?

Durch eine solche Katharsis muß wohl jeder, der zu Gott kommt. Und wieso sollte jemand, der da durch ist, der die Last der eigenen Sünden gespürt hat, nicht von Gott begnadigt werden wie alle anderen auch?

In einem Gespräch mit einem griechischen Professor über die Hölle im Vergleich zwischen römischem Katholizismus und orthodoxer Theologie sagte er: Unsere Hölle ist am ehesten das Fegefeuer der Katholiken. Sie ist eher nicht ewig, sondern dient der Läuterung.

Das kann ich mir auch gut vorstellen: Wir müssen erkennen, wer wir sind, und das tut weh, sehr weh, weil es demütigt und die eigenen Ausreden zur Selbstrechtfertigung nicht mehr zuläßt. Man kann sich nichts mehr vormachen, man muß da durch. Aber dahinter, da liegt dann die Erlösung. Sobald ich meine Sündhaftigkeit erkannt habe und darunter zusammenbreche kommt Gott, und trägt mich, nimmt mir die Last ab, rechnet sie mir nicht zu. Er sagt: Du selbst willst Dich verdammen, aber ich nehme Dich an.

Wer durch diese Katharsis, dieses Fegefeuer hindurch ist, kann mir auch im Himmel begegnen.

Stell Dir vor, Du hast in Deinem Leben Millionen ermordet und einen ganzen Kontinent in Schutt und Asche gelegt. Natürlich rechtfertigst Du das vor Dir mit irgend einer kruden Ideologie von Herrenrasse oder ähnlichem. Du wirst Dir nicht eingestehen, daß Du mit Deinen Taten die mit schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen hast – würdest Du es Dir eingestehen, würdest Du zusammenbrechen, also flüchtest Du Dich in die Ideologie, die Dich dazu brachte.

Wenn Du nun aber durch die Katharsis mußt, wenn Du gezwungen bist anzuerkennen, was Du da getan hast, und es keine Ausrede mehr gibt, keine Facade, die Du aufbauen und hochhalten kannst vor anderen oder Dir selbst, wie groß muß der Schmerz sein! Unmenschlich groß, weil er durch unmenschlich großes Leid verursacht wurde.

Und dann kommt das, was immer kommt: Die Annahme dessen, das man selbst wirklich dafür verantwortlich ist mit allen Konsequenzen. Hat man selbst noch ein Recht zu leben? Nein! Wie hart ist man getroffen, wenn man selbst eingestehen muß, es wäre besser, wenn man getötet würde?

Ich denke, wer durch diese Tortur hindurch mußte, der ist geläutert, ist demütig, versucht nicht mehr, sich selbst auf Kosten anderer durchzusetzen, sondern versucht in Zulkunft zu dienen, so wie alle, die im Himmel wohnen, wie auch Gott selbst immer nur den Menschen dienen wollte, weil Er uns liebt.

Der Gedanke mag im ersten Moment furchtbar erscheinen, Menschen wie Hitler, Stalin oder Bin Laden im Himmel zu begegnen. Aber man stelle sich vor: Diese Tyrannen als geläuterte Männr, die nur danach streben, anderen zu dienen.

Unvorstellbar, nicht? Aber so ist er, der Himmel.

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Von der Dummheit

Bundesarchiv Bild 146-1987-074-16, Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer
Bundesarchiv, Bild 146-1987-074-16 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurück läßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil wiedersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch -, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen, es ist sinnlos und gefährlich.Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen.Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun – mehr oder weniger unbewußt – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Mißbrauches, dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können.

Aber es ist gerade auch hier ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fllen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen. In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, daß wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen, zu wissen, was „das Volk“ eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist – immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.

Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch das Tröstliche für sich, daß sie ganz und garnicht zulassen, die Mehrheit der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW 8, S. 26-28.

Beim Lesen dieses Textes kommt es mir fast so vor, als habe Bonhoeffer in unsere Zeit gesprochen. Der Text begegnete mir in Auszügen heute auf Twitter und ich fand ihn so stark, daß ich in nachschlug und abgetippt habe.

Wenn Bonhoeffer Recht hat, dann müssen wir die Dummen unserer Tage nicht zu überzeugen suchen, weil das nicht geht, sondern wir müssen sie befreien helfen. Es stellt sich allerdings die Frage, durch was sie gefangen sind. Hier sollte man nicht zu schnell schießen. Wenn wir konstatieren, sie sind in ihrer Dummheit gefangen, dann bringen wir Ursache und Wirkung durcheinander. Wenn Bonhoeffer Recht hat, muß es eine andere Antowort auf die Frage geben, wer sie gefangen hält. Bonhoeffer spricht von der Maht der einen, die die Dummheit der anderen braucht. Welche Macht ist es, die heutzutage Menschen dumm hält, so da sie zu allem Bösen in der Lage sind?

Und ein ganz anderer, häretischer Gedanke: Wenn alle Macht auf der anderen Seite der Dummheit bedarf, wie ist es dann mit der Macht Gottes? Schließt sich hier der Kreis zur paulinischen Torheit des Kreuzes? Sind wir auch dumm? Müssen wir von Gott befreit werden? Dem hätte Bonhoeffer wohl nicht zugestimmt, aber der Vergleich von Torheit des Kreuzes und Dummheit, die Macht voraussetzt, scheint mir interessant zu sein.

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Frauen weg vom Herd

Burka with modern accessories

Wollen viele verbieten: Unterdrückung durch Verschleierung.
Bild: von user:Paolo Bottazzi (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 oder GFDL], via Wikimedia Commons

Viele Menschen sprechen sich in diesen Tagen für ein Burkaverbot aus und begründen das mit der Unterdrückung der Frauen durch ihre Männer, die sie zwingen, diese Kleidungsstücke zu tragen.

Gut so. Die Befreiung der unterdrückten Frauen muß vorangebracht werden – mit allen Mitteln.

Burkaverbot, Quotenregelungen, da doch noch mehr zu machen sein!

Deshalb fordern wir von „Die Nacht ist vorgedrungen“ (nämlich die Nacht der Frauenunterdrückung, der Tag der Befreiuung ist nicht mehr fern), die letzten Tabus fallen zu lassen:

Wir Männer verlangen – und das ist immer noch gesellschaftlich etabliert – von unseren Frauen, daß sie putzen, kochen, bügeln, nähen – alles neben Karriere und Kindererziehung natürlich.

Zum Teufel damit! Zum Teufel mit dem Tabu, die Männer könnten nicht selbst putzen, kochen, bügeln und die Kinder erziehen. Wieso sollte ein Mann seinem Baby nicht die Brust geben können? Es kommt zwar keine Milch raus, aber so wird das Kind wenigstens auf die Härte der Welt vorbereitet.

Und zum Teufel mit den Halbherzigkeiten, daß Männer und Frauen sich die Arbeit teilen sollen, von wegen Gleichberechtigung und so.

Pfeiffendeckel: Erstens kommt es doch nicht so, laden die Männer doch wieder alles bei den Frauen ab (und die gesellschaftlichen Vorurteile helfen dabei) und zweitens haben die Frauen diese Arbeiten seit Jahrtausenden schon erledigt, die Männer haben also einiges nachzuholen.

Deshalb fordern wir das Hausarbeitsverbot für Frauen: Kein kochen, kein Bügeln kein Putzen mehr. Keine Kindererziehung, kein Wäsche waschen, nichts.

Albert Edelfelt - Pesijättärien (1893)

Hausarbeit? In Zukunft nur noch Männern gestatten!

Sollen die Männer doch die nächsten tausend Jahre zeigen, wie sehr sich „das bißchen Haushalt“ von alleine macht und mit Kindern und Karriere zusammengeht.

In einem zweiten Schritt könnten dann auch alle typischen Frauenjobs für Frauen verboten werden, womit auch die Industrie gezwungen sein wird, Frauen nur noch in gehobenen Positionen einzustellen und zu beschäftigen. Was spricht dagegen, daß Männer die „niederen“ Arbeiten verrichten?

Air Koryo Tu-204 cabin with LCD screens

In Zukunft dann bitte diese Arbeit durch Männer erledigen lassen und die Damen ins Cockpit. – Schritt zwei.
Bild: Kristoferb at English Wikipedia [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Pregnant profile III

Kreuzschmerzen, Wassereinlagerungen, Schwangerschftsstreifen? In Zukunft für Frauen verboten – Männer schwanger werden lassen!
Bild: By mahalie stackpole from seattle, USA (pregnant profile III) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons

Mit einem dritten Schritt könnte dann das allerletzte Tabu gebrochen werden. Schon heute ist es theoretisch möglich, daß Männer die Kinder austragen. Da die Schwangerschaft der Hauptgrund für die Benachteiligung und letztendlich auch Unterdrückung der Frauen ist, sollte ihnen im dritten Schritt auch die Schwangerschaft verboten werden. Laßt doch die Männer die Kinder kriegen. KLar ist es gefährlich, aber das war es für Frauen über jahrtausende ebenso. Die Sterblichkeit war nicht immer so niedrig wie heute, also keine Panikmache.

Ich fasse zusammen:

  1. Verbot für Frauen, sich an Hausarbeit und Kindererziehung auch nur ansatzweise zu beteiligen. Frauen weg vom Herd!
  2. Arbeitsverbot für Frauen in typischen Frauenjobs.
  3. Schwangerschftsverbot für Frauen zur endgültigen Beendigung der Unterdrückung durch die Männer.

Wenn diese drei Schritte konsequent durchgezogen werden, wird die Unterdrückung der Frauen ein Ende haben.

Damit dies Wirklichkeit wird, darf natürlich nicht gezögert werden. Deshalb tun Verbote Not. So wie nicht alle Menschen verstehen wollen, daß die Burka Frauen unterdrückt und behauptet wird, die Frauen trügen diese Unterdrückungskutten freiwillig, so werden auch Menschen behaupten, Frauen würden freiwillig putzen, kochen oder sich zumindest den Haushalt teilen, freiwillig als Grundschullehrerin, Pflegerin oder Friseuse arbeiten oder freiwillig Kinder kriegen. Aber im Ernst: Keine Frau macht gerne die Hausarbeit. Keine Frau ist gerne Krankenschwester oder unterrichtet gerne Grundschüler. Keine Frau will schwanger sein.

Sie werden es begreifen, wenn sie erst einmal durch Verbote davon befreit wurden, so wie im Tessin die Musliminnen jetzt alle die Verschleierung ablegen und im Bikini durch die Straßen gehen, seit das Burkaverbot greift. Freiheit muß erkämpft werden, auch gegen die Widerstand der zu Befreienden, wenn die es einfach nciht begreifen wollen.

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Apostolikum auf Pfälzisch

First Four Articles of the Creed tapestry

Flämischer Wandteppich, der die ersten vier Artikel des Apostolikums darstellt

Ich bin gerade dabei, einen Mundartgottesdienst auf pfälzisch vorzubereiten (wobei, nicht der ganze Gottesdienst wird in Mundart sein, weil nicht alle Beteiligten pfälzisch sprechen) und mit dem Übersetzen von Standards wie etwa dem Glaubensbekenntnis ist das ja so ne Sache: Geht nicht so einfach, wenn es gut werden soll.

Daher hier nun mein Versuch am Apostolikum auf Pfälzisch (Geschmacksrichtung Südpfalz), für die werte Kollegenschaft zum Kopieren bei Gefallen und für die kundigen Sprecher zur Kritik:

Ich glääb an de Gott
de Vadder, der wu alles kann,
der wu de Himmel unn d’Erd gemacht hott.

Unn an de Jesus Grischdus, sein äänziche Sohn,
unsern Obmann.

Der wu mitgebroocht worre isch vum Heiliche Geischd
unn geboore vum Fräulein Maria,
der wu gelidde hott wächem Pontius Pilatus seine Amtsfiehrung,
der wu gegreizicht worre, gschdorwe unn beedicht worre isch.

Der wu nabgange isch ins Doodereich
unn am dridde Daach widder uffgschdanne isch vun de Doode,
der wu dann nuffgschdiche isch in de Himmel.

Er sitzt an de rechde Seit vum Vadder, wu alles kann.
Dort werd er herkumme, fer iwwer die Läwende un die Doode zu richde.

Ich glääb an de Heiliche Geischd,
d‘ heilich Gemää vun alle Grischde,
d’Gsellschaft vun de Heiliche,
dass de Gott uns unser Fehler nid vorhaldt,
dass die Doode uffschdeh werrn,
unn ans eewiche Läwe.

Amen.

Mit einigen Begriffen bin ich noch nicht so ganz zufrieden, etwa „gezeicht“ für „gezeugt“. Das sagt so eigentlich keiner. Ich kenn da eher „mache“ in dem Zusammenhang:

Der hott re ä Kind gemacht.

Das könnte aber mißverstanden werden in der Weise, daß der Heilige Geist der Schöpfer des Sohnes wäre, deshalb schrecke ich davor zurück. Andere Begriffe könnte man vielleicht ähnlich kritisch sehen.

Stört sich jemand von Euch an einer Formulierung? Hat jemand Verbesserungsvorschläge?

Update: Ich habs ein wenig überarbeitet. Aus Chef wurde Obmann, was mich immer noch nicht ganz glücklich macht (aber immerhin hatte der Obmann historisch auch eine Richterähnliche Funktion).

Die Differenzierung zwischen Auferstehung und Himmelfahrt hab ich mit widder uffgschanne unn nuffgschiche (als Gegenstück zu nabgange, deshalb das „n“) aufgenommen (Danke Gabriele und Nordlicht).

Die Jesus betreffenden Sätze hab ich in Relativsätze umformuliert, was mir als der geschbrochenen Sprache näher vorkommt.

Die Zeugung hab ich umformuliert, „gezeicht“ kam mir wie ein Fremdkörper vor (siehe oben). Im Gespräch mit Nordlicht kamen wir darauf, daß das lateinische concipere aus con=mit und cipere/cepere= Perfekt von capere=fangen ist. Also „mitgefangen“ vom Heiligen Geist in einem weiten Sinn. Evtl besser „mitgenommen, mitgebracht“. Der Heilige Geist brachte etwas, nach damaligem Verständnis den Samen Jesu (von einer Eizelle wußte man damals nichts, die Frau war nur „Acker“ der Leibesfrucht, der Samen kam vom Mann).

Daher versuchte ich das mit „mitgebroocht“ abzubilden. Ergibt freilich nur Sinn, wenn man den dahinter liegenden Gedankengang kennt, sprich: Ganz glücklich bin ich damit noch nicht.

Die Diskussion um Mariens Jungfernhäutchen hoffe ich durch den alten Begriff „Fräulein“ abkürzen zu können. Fräulein war die Bezeichnung für eine unverheiratete (und jungfräuliche) junge Frau bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts. Im Gegensatz zur französischen Mademoiselle benutzte man das Wort jedoch nur für Frauen bis zu einem gewissen Alter (abgesehen evtl von Lererinnen?), was die Bedeutung „junge Frau“ ebenfalls mitbringt.

Vor allem führt der Begriff nicht wie der der Jungfrau sofort in sexuelle Diskussionen, sondern in gesellschaftzliche: Bei nem Fräulein mit einem Kind kommen uns womöglich noch am ehesten die Assoziationen in den Kopf, die damals eine עַלְמָ֗ה mit Kind: Schande, Ehrverlust, gesellschaftliche Ächtung, prekäre Situation.

Wichtig für das Verständnis der Gnade Gottes ist ja, daß Gott auf die Erde kam, und zwar in die niedrigste Niedrigkeit, zu einer uunverheiratet Schangeren, die grad Glück hatte, daß sie einen Mann fand, der sie trotz ihrer Schande ernährte – weil er Gottvertrauen hatte und dem Traum glaubte.

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Burka

Afghanistan, woman's costume, 1970s-1980s - Bunka Gakuen Costume Museum - DSC05314

Eine Burka

Jens Spahn hat in der FAZ was geschrieben, das bei FAZonline zusammengefasst wurde. Die Zusammenfassung habe ich gelesen und mich geärgert, und zwar deshalb:

Eine offene Gesellschaft beruhe auf Austausch und Teilhabe am öffentlichen Leben. Hingegen signalisiere eine Vollverschleierung, dass sich jemand isoliere, abgrenze und den Blicken anderer entziehe, schreibt Spahn.

Die Vollverschleierung signalisiert Abgrenzung nicht weniger wie sonstige Mode, die auf Individualität, also auf Abgrenzung von der Menge abzielt. Inwiefern es negativ ist, wenn eine Frau sich den Blicken anderer entziehen will, erschließt sich mir dabei nicht.

Dessen ungeachtet kann eine verschleierte Frau durchaus in Austausch mit anderen treten und am öffentlichen Leben teilhaben. Sie tut es ja gerade, indem sie als die Person, die sie ist, mit Schleier, in der Öffentlichkeit auftritt und sich eben nicht zurückzieht.

Damit verweigere man sich einer der grundlegendsten Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation: „Ich verwehre meinem Gegenüber die Möglichkeit, sich im wahrsten Sinne ein Bild von mir zu machen.“

Das Gegenüber kann sich durchaus ein Bild machen, indem es mit der Frau redet. Das Bild ergibt sich dann eben aus dem Gesagten, und weniger aus Oberweite, Taillie oder dergleichen. Wenn eine Frau danach beurteilt werden möchte, wer sie ist, was sie sagt, dann hindert ein Schleier daran nichts.

Wenn aber in der Öffentlichkeit die eigene Freiheit die Freiheit und Erwartungen der anderen tangiere, müssten Regeln gelten, die dieses Zusammenleben strukturierten und gesellschaftlichen Frieden möglich machten, schreibt Spahn. „Deshalb wird übrigens auch Nacktsein im öffentlichen Raum als öffentliches Ärgernis eingestuft und sanktioniert.“

Es ist mitnichten so, daß Nacktheit im öffentlichen Raum immer sanktioniert wird. Auch wird öffentliche Nacktheit überhaupt erst seit relativ kurzer Zeit als Problem angesehen. Auch erschließt sich mir nicht, inwiefern die Feiheit zum Schleier die Freiheit anderer tangieren sollte. Ich verstehe Spahn so, daß er sagt:Ich will das nicht sehen, also soll es verboten werden. Das kann IMHO kein Grund für eine allgemeine Gesetzgebung sein.

Evening Walk (5323963211)

Ob die verschleierten Frauen untereinander und mit den Kindern kommunizieren können?
Bild: Peretz Partensky; Lizenz: CC BY-SA 2.0

Spahn bezweifelt, dass es sich bei der Vollverschleierung um eine freie Entscheidung der Frauen handle.

Kann gut sein, doch ist nicht auszuschließen, daß es eben doch welche gibt, die ihn freiwilig tragen. Wer ihn nicht frewillig trägt, der muß Hilfe erhalten. Nur liegt dann das Problem nicht im Schleier  und wird auch durch ein Verbot desselben nicht gelöst. Aber bei der CDU ist man ja offenbar zufrieden, wenn man einen Mißstand so kaschiert, daß man nix mehr davon mitkriegt. Ich erinnere mich etwa an die DNS Umleitungen gegen Darstellungen von Kindesmißbrauch, die das Problem nicht lösten und nicht effektiv waren… aber zurück zum Thema!

Eindrucksvoll seien die Bilder der Frauen, die voller Begeisterung ihren Gesichtsschleier verbrannten, nachdem die Stadt Manbidsch von islamischen Dschihadisten befreit worden sei.

Da gab es auch andere Bilder. Etwa die von Männern, die ihre Bärte abschnitten. Will Spahn jetzt auch Bärte als Unterdrückungssymbole verbieten?

Bei Integration dürften nicht aus falsch verstandener Toleranz immer wieder die alten Fehler wiederholt werden, so Spahn.

Dem stimme ich voll zu. Einer dieser Fehler wäre der Ansatz „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Wenn wir nicht klarmachen, daß die freie Entscheidung zu einem Kleidungsstück kein Problem ist, wohl aber Druck jeglicher Art was die Wahl der Bekleidung angeht – ob durch den Ehemann oder durch den Staat, dannzeigen wir, wie ein tolerantes System funktioniert, das die Menschen anerkennt und sie nicht bevormundet.

„Die deutsche Gesellschaft darf und muss klare Ansprüche formulieren, wie Zusammenleben funktioniert und wie eben nicht.“

Die Rahmenbedingungen hierfür gibt das Grundgesetz vor. Ich halte es für einen Fehler, davon abzurücken, weil einzelne Probleme mit Kleidungsstücken anderer Kulturen haben. Wenn Bayern ihre Lederhosen auch in Berlin und an der Nordsee anziehen können, dann können konservative Musliminnen auch in Deutschland einen Schleier tragen!

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Heil

Lucas Cranach d.Ä. - Verdammnis und Erlösung (Schloss Friedenstein)

Lukas Cranach der Ältere: Verdammnis und Erlösung

Vielleicht ist es schon zu spät.

So habe ich den letzten Artikel beendet. Ich schrieb über den Teufelskreis, in dem wir uns selbst gefangen haben mit dem Krieg gegen den Terror, der den Terror ja mit seinen eigenen Mitteln zu beenden sucht. Denn was ist Krieg anderes als Terror?

Also was können wir tun, wenn wir überhaupt etwas tun können? Wo setzen wir an? Der Terror funktioniert so, daß er Menschen in Situationen bringt, in der sie meinen, nicht mehr anders handeln zu können. Situationen der Hoffnungslosigkeit.

Wenn eine Stadt oder ein Land Ort eines Terroranschlages wurde, wenn die Bürger dieser Stadt und dieses Landes die Opfer sind, was kann die politische Führung anderes tun als die Bestrafung der Schuldigen zu geloben?

Und so sagte auch Präsident Bush gleich im zweiten Satz seiner Rede am 11. September 2001:

The United States will hunt down and punish those responsible for these cowardly acts.

Die Vereinigten Staaten werden die für diese feigen Taten Verantwortlichen zur Strecke bringen und bestrafen.

Gewalt erzeugt Gegengewalt. Ein politischer Führer hat in dieser Situation keine Hoffnung, daß irgend etwas anderes als Gewaltbereitschaft als Antwort auch nur angemessen wäre, geschweige denn funktionieren könnte.

Aus Angst vor Kontrollverlust begibt er sich auf den Kriegspfad. Täte er das nicht, bekäme er Probleme mit der Bevölkerung, die in ihrer Mehrheit nach solchen Terrorakten nach Vergeltung schreit – überall in der Welt. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Amerikaner.

Und die Attentäter? Damals 2001 sah es noch so aus, als seien das glühende Anhänger eines radikalen Islams. Heroen, die sich für ihre Sache opfern. Wären es nicht die Feinde gewesen, hätte Hollywood sicher großartige Filme über sie gedreht.

Inzwischen bin ich skeptisch. Über die Jahre habe ich den Eindruck gewonnen, daß diejenigen, die sich dem Kampf der Islamisten anschließen und als Selbstmordattentäter zur Verfügung stellen, eher weniger dem Hollywood-Heldentyp entsprechen und eher dem Verlierertyp, der keine Freunde hat und daher einen Haß auf die Welt entwickelt.

Manche dieser Menschen werden rechtsextrem, andere linksextrem, manche werden von Sekten eingefangen und manche eben von den Islamisten.

Das schlimme ist, daß diese verletzlichen Menschen in ihrer Hoffnungslosigkeit in den seltensten Fällen Hilfe erfahren, sondern Ausbeutung. Egal, ob sie in rechten, linken, islamistischen oder sektiererischen Gruppen Anschluß finden, sie erhalten Anerkennung nicht für das, was sie sind, sondern dafür, daß sie mitziehen – bei was auch immer.

Echte Freundschaft ist das nicht, das merkt ein Nazi sofort, wenn er sich in eine Türkin verliebt und es seinen „Kumpels“ erzählt. Analoge Beispiele gibts für alle Gruppen.

Und so bleibt auch die Hoffnungslosigkeit grundsätzlich  bestehen, denn sie schweißt die Menschen an die Gruppen. Die Angst, wieder alleine dazustehen bewahrt vor allzu viel Selbstbewußtsein.

Eine Erlösung von diesem Zustand ist innerhalb der Gruppe nicht vorgesehen. Man kann tun, was man will, sich als der ideologisch gefestigste Anhänger zeigen, man kann Einsatz bringen, wie man will, man wird nie die Freiheit erlangen, der Mensch zu sein, der man eigentlich ist. Man wird sich immer in den engen Bahnen der Ideologie bewegen müssen. Wenn man Pech hat, wird man „auserwählt“, für die größere Sache sein Leben zu geben (weil alle anderen höher in der Hackordnung stehen – den Letzten beißen die Hunde).

Ist man in dieser Situation, erfährt man diese Hoffnungslosigkeit, dann ist es auch nicht mehr weit zum Selbstmordanschlag. Womöglich ist man dann in der Zeit bis zum Anschlag wenigstens der Größte, den alle lieben.

So sucht man, sein Heil durch eigenes Tun zu erlangen. Doch so ist das Heil nicht zu erreichen. Das Heil ist Geschenk, dem Menschen unzugänglich, und es ist nur im Glauben zu haben.

Der Mensch wird immer, was er auch tut, auf seine Tüchtigkeit zurückgeworfen werden. Somit wird er nicht anerkannt für das, was er ist, nämlich ein Kind Gottes, sondern für das, was er zu leisten vermag. Wer weniger kann, wer weniger bringt, hat weniger Wert und bleibt auf der Strecke. Und wer sich als wertlos erlebt, sprengt sich auch eher in die Luft, um sich zu rächen.

Dem Menschen in der Hoffnungslosigkeit hilft nur, wenn er Gott erkennt, und daß er von Gott geliebt ist, weil er der ist, der er ist, nicht weil er irgend etwas besonders gut könnte. Alles, was der Mensch vermag, vermag er nur, weil Gott es gibt.

Die Liebe Gottes kann er erkennen, wenn andere Menschen ihm Liebe zeigen. Er muß aber nicht. Er kann es erkennen, wenn er aus einer Notsituation gerade noch herauskommt. Er muß aber nicht. Alles, was für ihn subjetiver Grund sein könnte, Gottes Liebe zu ihm zu erkennen, könnte auch objktiv anders erklärt werden.

Man könnte meinen, es läge an ihm, zu entscheiden, ob er die Interpretation des Eingreifen Gottes nun für sich bejaht oder nicht. Ich denke aber, er entscheidet das nicht.

Man entscheidet ja auch nicht, daß man den Himmel jetzt mal für grün hält statt für blau. Man muß schon selbst überzeugt sein, es selbst so sehen. Sonst macht man sich etwas vor und verfällt letztlich wieder in alte Muster: Selbst tun, um etwas zu erreichen, um sich das Heil zu erarbeiten.

Aber so läuft das nicht. Alle Gotteserkenntnis geht von Gott aus. Er offenbart sich, wenn Er es will – und wir können nur darauf antworten.

Zur Antwort gehören dann auch die guten Werke. Etwa sich den Marginalisierten zuzuwenden, weil auch sie Kinder Gottes sind – egal wie sehr man ihnen aufgrund von religiösen, kulturellen oder sonstigen Gründen fern steht. Im Zweifel gilt: Liebe Deine Feinde.

Das wird keiner von sich aus so tun können oder wollen. Das geht nur als Antwort auf die Offenbarung Gottes und nicht aus Pflichtgefühl – hat man lediglich Pflichtgefühl, werden einen die Kräfte verlassen.

Aus dem Glauben und der damit zusammenhängenden Gewißheit, von Gott geliebt und von Ihm beschützt zu sein, folgt dann auch der Wunsch danach, den Nächten Gutes zu tun – egal wer sie sind.

Das ist unterschiedlich ausgeprägt, weil wir Menschen nun einmal unterschiedlich sind. Und weil es keine eigene Leistung ist, braucht sich auch kiener hinzustellen und anzugeben, wie großartig er im Vergleich zu allen anderen ist.

Heilige verehrt man nicht, weil sie so großartig waren, sondern weil sich in ihnen Gottes Wesen in besonderer Art zeigte – das heißt nicht, daß er nicht in anderen noch viel Größeres im Verborgenen bewirkte.

Und so werden die Menschen zu Gottes Werkzeugen und verbreiten das Heil, das von ihm ausgeht. Das Reich wird gebaut, in der Welt, durch die Menschen, aber von Gott.

Die Menschen sind erlöst: Die Fesseln, die sie in der Tretmühle hielten, sich Anerkennung zu erarbeiten, sind los in dem Moment, in dem sie merken, daß sie diese Anerkennung von Gott bekommen, ohne erst etwas dafür leisten zu müssen.

Gott zerstört die Leistungsgesellschaft, indem er die Preise kaputt macht. Er stellt das begehrte Gut, Liebe und Anerkennung, in unendlicher Menge frei zur Verfügung. Wer lässt sich dann noch von Menschenfängern wie Nazis, Islamisten und anderen ausbeuten, um wenigstens ein bißchen Anerkennug zu erhaschen?

Und damit ist das Heil auch die Erlösung aus der menschlichen Logik, alles selbst tun zu wollen.

 

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